Von Markus C. Schulte von Drach

Forscher der Nuke University lassen im Jahre 2009 Affen Ego-Shooter spielen - mit Hilfe von Hirnstrommessungen.

Ob diese Meldung 2009 wirklich genau so zu lesen sein wird, wissen wir nicht genau. Wir vertrauen aber fest auf die mentale Kraft der Hirnforscher.

affe, computer, istock

Spielender Affe (Computermodell): Probleme mit "friendly fire" (© Foto: iStockphotos, Montage sueddeutsche.de)

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Rhesusaffen spielen an der Nuke University in Mollham, USA, nicht nur Ballerspiele - sie tun dies auch noch kraft ihrer Gedanken. Das berichten die Wissenschaftler um Nicolaus Migulelis im Fachmagazin PlacE ONE.

Die Affen benutzen zwar noch immer eine Maus, um sich durch die virtuelle Spielwelt zu bewegen. Doch das Gerät dient nur dazu, den Blickwinkel zu verändern. Die Bewegungen, also vorwärts, rückwärts und seitwärts, steuern sie über eine Art Denkhaube. Elektroden, die auf dem Schädel sitzen, messen die Hirnströme der Tiere.

Bereits nach wenigen Wochen, so Migulelis, stellen sich Affen und Computer aufeinander ein, so dass der Rechner die Information "Vorwärts" richtig interpretiert und die Spielfigur dementsprechend bewegt. Auch den Befehl "Feuer" geben die Tiere mit Hilfe ihrer Gedanken.

Bislang hatten die Forscher ihren Affen bereits beigebracht, künstliche Arme zu kontrollieren oder einen Roboter auf einem Laufband zu steuern.

Die Studienergebnisse belegen wichtige Fortschritte bei der Entwicklung von Hirn-Maschine-Verbindungen: Zum einen verzichteten die Wissenschaftler darauf, wie sonst üblich, Elektroden direkt ins Gehirn der Tiere zu implantieren.

Dank der Denkhaube, die auf dem EEG-Prinzip basiert, war keine Operation notwendig. Auch tritt das Problem nicht mehr auf, dass die Elektroden nach einer Weile vom Körper abgestoßen werden. Und schließlich, so erklärten die Wissenschaftler, haben die Tiere beim Spielen einen so großen Spaß, dass keine Belohnungen mehr angeboten werden müssen.

Im Gegenteil. Die Tiere werden wütend, wenn man die Spiele beendet. Einen kausalen Zusammenhang zwischen dem gewaltverherrlichenden Inhalt der Ego-Shooter und dem aggressiven Verhalten der Affen wollen die Wissenschaftler nicht grundsätzlich ausschließen. Dies sei aber nicht Gegenstand der Versuche gewesen.

Inzwischen gehören LAN-Parties im Affenhaus zum regelmäßigen Unterhaltungsprogramm der Tierversuchsstation im Nuke University Hospital.

Finanziert wurde die Studie teilweise von einer Forschungsagentur des US- Verteidigungsministeriums. "Wir sind begeistert", kommentierte einer der Pentagon-Experten, "auch wenn noch nicht alles hundertprozentig so läuft, wie erwartet."

Denkhauben für Kampfpiloten

Die Militärs hoffen, dass in Zukunft Kampfpiloten mit Denkhauben ausgestattet werden könnten, um Feuerbefehle zu "denken", statt auf den klassischen Knopf zu drücken. Diese Idee ist nicht neu. Bereits Clint Eastwood durfte 1982 in dem Film "Firefox" ein sowjetisches Kampfflugzeug, die MiG-31, klauen, dessen Waffensystem mit Gedanken gesteuert wurde. Diese Idee fasziniert die Militärs bis heute.

Doch die Versuche mit den Rhesusaffen zeigen, dass es hier noch ein grundsätzliches Problem gibt, auf das die Wissenschaftler stießen, als sie die Affen in Teams gegeneinander antreten ließen. Dieses lässt sich mit dem militärischen Begriff "friendly fire" beschreiben - der versehentliche Abschuss eigener Truppen in dem Glauben, den Feind zu treffen. Die Tiere hatten zwar gelernt, Freund und Feind zu unterscheiden. Trotzdem feuerten sie wahllos auf alle Figuren, die auf dem Monitor auftauchten.

Inzwischen wissen Migulelis und sein Team, woran das liegt. Die Tiere denken in dem Augenblick, in dem ein Kamerad ins Visier gerät, "Nicht Feuern". Der Computer aber erkennt nur den Teil der Hirnströme wieder, der "Feuern" bedeutet - und die Waffe geht los.

Wie schwerwiegend dieses Problem für einen Einsatz der Denkhauben im Kampfjet ist, leuchtet ein. Man muss sich nur vorstellen, was passiert, wenn ein Top-Gun-Pilot sich selbst ermahnt: "Ich darf nicht aus Versehen daran denken, meine Raketen zu früh abzuFEUERn."

Und versuchen Sie doch mal, jetzt NICHT an einen weißen Bären zu denken. Ups, schon passiert. Oder?

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(sueddeutsche.de/als)