Am 5. Juni 1981 berichteten Forscher erstmals von einer seltsamen Immunschwäche. Bis heute haben sich 65 Millionen Menschen mit HIV infiziert. Die Geschichte einer Krankheit.
Das unbekannte Leiden
65 Millionen Menschen haben sich seit Entdeckung der Krankheit mit HIV infiziert. Am härtesten trifft es die Menschen in Afrika. (© Foto:)
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Es waren nur knapp 50 Zeilen. Wissenschaftler der amerikanischen Seuchenschutzbehörde CDC in Atlanta waren auf eine äußerst seltene Form der Lungenentzündung gestoßen und berichteten darüber am 5.Juni1981 in ihrem wöchentlich erscheinenden Fachblatt Morbidity and Mortality Weekly Report.
Das Irritierende an der Mitteilung der Forscher: Die Lungenentzündung durch den Keim Pneumocystis carinii kannten Mediziner zuvor nur von älteren, geschwächten Patienten oder von solchen, deren Immunsystem aufgrund anderer Leiden für Infektionen anfällig ist.
Diesmal jedoch waren fünf junge und zuvor gesunde Homosexuelle aus Kalifornien von der raren Lungenentzündung betroffen. Die Forscher aus Atlanta hatten, ohne es zu wissen, zum ersten Mal mit Aids zu tun. Den Namen bekam das ominöse Leiden allerdings erst später.
Als wenige Wochen darauf CDC-Wissenschaftler von einer Häufung eines zuvor ebenso seltenen Haut-Krebses berichteten, der auch für immungeschwächte Patienten typisch ist, ahnten die Forscher einen Zusammenhang: Die von Medizinern als "atypisch" bezeichnete Lungenentzündung, sowie Hauttumoren, die als Kaposi-Sarkom bekannt waren, wurden zu Beginn der Aids-Epidemie die typischen Erkennungszeichen für die unheimliche neue Krankheit. Bis Ende 1981 wurden Tausende solcher Fälle allein in den USA bekannt.
Patient Null
Die Forscher der amerikanischen Seuchenschutzbehörde interessierten sich zunächst - wie alle Epidemiologen - für den Ursprung der neuartigen Seuche. 1984 berichteten sie in einem Fachblatt über den Patienten O. Der Buchstabe O stand für "Out of California", weil die ersten Aidsfälle in den USA dort bekannt wurden. Später wurde daraus irrtümlich der "Patient Null".
Randy Shilts verstärkte das Missverständnis um den vermeintlich ersten Aids-Patienten in seinem Buch "And the band played on" (1987), in dem er den kanadischen Flugbegleiter Gaëtan Dugas als Patienten Null outete.
Das war durch nichts bewiesen, doch die Geschichte, Dugas habe entlang seiner Flugreisen mindestens 40 der ersten 250 HIV-Infizierten angesteckt und so Aids verbreitet, hielt sich hartnäckig. Die CDC-Forscher mussten sich jedoch später von ihrem Fachartikel distanzieren. Sie hatten methodisch unsauber gearbeitet.
Zudem hatten sie den Reisedaten und vermeintlichen Intimkontakten ihres "Patienten O" Infektionen zugeordnet, die nach weniger als einem Jahr ausbrachen. Wie man auch Mitte der 80er-Jahre schon wusste, tritt das Krankheitsbild Aids aber meistens erst fünf Jahre nach der Infektion oder später auf. Dass zuvor gesunde Menschen in weniger als zwei Jahren nach der Ansteckung Symptome entwickeln, ist äußerst selten.
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