Von Guido Meyer

Mit verdoppelter Besatzung kann auf der ISS nun nicht mehr nur der Betrieb aufrechterhalten, sondern auch geforscht werden.

Es wird eng auf der Internationalen Raumstation ISS. Am Freitag werden drei Raumfahrer an Bord erwartet, die am Mittwoch vom Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan mit einer russischen Sojus-Rakete gestartet sind. Damit soll erstmals eine neue Crew die alte nicht ablösen, sondern ergänzen. Statt drei werden fortan sechs Astronauten und Kosmonauten permanent an Bord der ISS leben und arbeiten. Unter ihnen ist auch der Belgier Frank de Winne, der bald als erster Europäer das Kommando über die Raumstation übernehmen wird.

Sojus-Rakete Start, AP

Die Sojus-Rakete bringt drei weitere Astronauten zur ISS. (© Foto: AP)

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Seit Baubeginn waren nie mehr als drei Mann Besatzung permanent an Bord der ISS. Nach dem Unglück der Raumfähre Columbia Anfang 2003 befanden sich übergangsweise sogar nur zwei Besatzungsmitglieder an Bord. Wissenschaftliche Arbeit konnte auf der Station deshalb bislang nur eingeschränkt geleistet werden. Mindestens zwei der drei Astronauten waren stets rund um die Uhr damit beschäftigt, den Flugbetrieb der Raumstation aufrechtzuerhalten. Das soll sich mit dem Start der sogenannten "Expedition 20" ändern - die Hausmeister im All sollen endlich als Wissenschaftler arbeiten können. Nun könne mit der Arbeit in den Laboren erst richtig begonnen werden, freut sich Nicole Stott, die künftige ISS-Flug-Ingenieurin.

Zusammen mit dem Amerikaner Michael Barratt und dem Russen Gennadi Padalka ist der Japaner Koichi Wakata bereits seit März auf der ISS. Dazu kommen nun der Russe Roman Romanenko, der Kanadier Robert Thirsk und der Belgier Frank de Winne für die europäische Weltraumagentur Esa. Im Herbst werden drei der sechs Besatzungsmitglieder ausgetauscht. Europas Vertretung im All soll an Bord bleiben: Frank de Winne wird seinen Aufenthalt auf der ISS bis November fortsetzen und von Oktober an der erste Europäer werden, der die Station kommandiert. Er wird diese Funktion vom bisherigen Kommandanten Gennadi Padalka übernehmen.

Diese Entscheidung haben alle internationalen Partner einmütig im Multilateral Crew Operations Panel (MCOP) getroffen, einem Gremium, das über die Verteilung der Crew-Zeiten auf der ISS wacht. Von seiner Entscheidungsbefugnis Gebrauch machen wird de Winne jedoch nur in Krisenfällen. Ansonsten hat der Kommandant der Raumstation im Wesentlichen symbolische Aufgaben, dient als primärer Ansprechpartner, ist Herr des täglichen Dienstplans an Bord und wacht laut MCOP über "die Funktionsfähigkeit der einzelnen ISS-Elemente und die Sicherheit der Mannschaft".

Das künftige Leben an Bord mit sechs Personen werde sich von dem bisherigen mit drei Mann Besatzung unterscheiden, glaubt der Belgier. "Wir müssen uns die Ess-, Schlaf- und Sportgelegenheiten nun zu sechst teilen - mehr Platz bekommen wir ja nicht." Die Kommunikation mit den Bodenstationen in Houston, Moskau, Oberpfaffenhofen und dem japanischen Tsukuba werde ebenfalls komplizierter werden.

Gewöhnungsbedürftig dürfte auch die neue Rollenverteilung in der Umlaufbahn werden, denn bislang waren Astronauten aus Europa stets nur Gäste bei Amerikanern und Russen und auf Mitfluggelegenheiten angewiesen. "Aber ich glaube nicht, dass dies ein Problem werden wird", so de Winne. "Als Mannschaft schenken wir der Nationalität unserer Besatzung keine Bedeutung."

Im August wird mit dem Schweden Christer Fuglesang für elf Tage ein zweiter europäischer Astronaut auf der ISS arbeiten. Im nächsten Jahr dann steht eine weitere Langzeitmission für die Esa an, bei der Italiens Astronaut Paolo Nespoli ein halbes Jahr in der Umlaufbahn forschen soll.

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(SZ vom 28.05.2009/beu)