Von Guido Meyer

Sechs statt bislang drei Astronauten sollen ab 2009 auf der internationalen Raumstation ISS leben und forschen: Drei Russen und zwei Amerikaner gehören dazu, um den letzten Platz streiten sich Europäer, Japaner und Kanadier.

In der Weltraum-WG wird zur Zeit heftig angebaut. Zuletzt war die Internationale Raumstation 2001 um ein Wohn- und Arbeitsmodul erweitert worden. In diesem Jahr sollen gleich zwei neue Labore die bisherige Grundfläche der ISS mehr als verdoppeln.

Astronaut Danny Olivas arbeitet an ISS

Zum Schlafen nach draußen gehen? Astronaut Danny Olivas bei Außenarbeiten an der ISS im Juni 2007 (© Foto: AP)

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Verläuft der Start der US-Raumfähre Atlantis am Donnerstag planmäßig, wird am Montag das europäische Raumlabor Columbus an die Station gekoppelt werden. Im März soll das doppelt so große japanische Labor Kibo ("Hoffnung") folgen.

Schlafstätten im Weltraum

Es ist Richtfest im Orbit. Alle beteiligten Länder haben damit zehn Jahre nach Unterzeichnung der Verträge im Januar 1998 ihren Anteil am Aufbau der Station geleistet. In dieser Feierlaune wollen die internationalen Partner im nächsten Jahr auch die Mannschaftsstärke verdoppeln, von jetzt drei auf dann sechs Personen.

Mit der Mission STS-128 soll der Shuttle Atlantis auf seinem vorletzten Einsatz im Juli 2009 drei weitere Schlafstätten in den Orbit transportieren. Dies entspräche dann der für die ISS ursprünglich geplanten Crewgröße.

Europäer auf der ISS

Nun wird bereits um die Nutzung dieses zusätzlichen Platzes gefeilscht. Ab dem zweiten Quartal kommenden Jahres sollen drei Russen, zwei Amerikaner und ein sechstes Crew-Mitglied permanent auf der ISS forschen, wobei letzteres entweder aus Kanada, Japan oder Europa kommt.

"Ab 2009 werden wir Europäer alle zwei Jahre für sechs Monate einen Astronauten zur ISS schicken können", sagt Gerhard Thiele, Chef des europäischen Astronautencorps. Bis zum Ende der Nutzungszeit der ISS wäre Europa also in jedem ungeraden Jahr - 2009, 2011, 2013, 2015 - im All vertreten.

Deutsches Kontingent schon ausgeschöpft

Dieses Bleiberecht ließe sich aber auch auf häufigere, dafür kürzere Missionen umlegen, rechnet der Astronaut Thomas Reiter vor, der 2006 der erste Deutsche an Bord der ISS war. "Wenn wir mehr Drei-Monats-Missionen fliegen, könnten wir häufiger hoch, als wenn wir - wie in meinem Fall - eine Halb-Jahres-Mission machen und damit vom europäischen Kontingent schon einen Großteil nutzen."

Die beiden Flüge der deutschen Astronauten Thomas Reiter und Hans Schlegel haben zur Folge, dass auf absehbare Zeit kein weiterer Kosmonaut aus der Bundesrepublik seinen Fuß an Bord der ISS setzen wird, womöglich bis zum Ende der Lebenszeit der Raumstation gar niemand mehr aus Deutschland.

Hilfe aus Italien

Dieser vertraglich festgeschriebene Verteilungsschlüssel genügt der Esa jedoch nicht, da ihr dieses Verfahren bis zum geplanten Lebensende der ISS Mitte des nächsten Jahrzehnts nur noch vier Langzeitaufenthalte zugestehen würde.

Der bisherige Vorsitzende des Esa-Rates, Sigmar Wittig, sieht daher auch den sechsten Astronauten-Platz fest in europäischer Hand.

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