Der Mannheimer Hobbyastronom Werner Walter betreibt die bundesweit einzige Ufo-Meldestelle - momentan hat er wegen mysteriöser Sichtungen am Sonntag der Hessenwahl besonders viel Arbeit.
Wer ungewöhnliche Dinge am Himmel beobachtet, ruft am besten Werner Walter, 50, in Mannheim an. Dort hat der Hobbyastronom, der das Centrale Erforschungsnetz außergewöhnlicher Himmelsphänomene (Cenap) leitet, vor mehr als zehn Jahren die bundesweit erste Ufo-Meldestelle eingerichtet.
Bild vergrößern
Ein Ufo über New Jersey 1952. Das Bild stammt von einem Angestellten der CIA. (© Foto: oh)
Anzeige
SZ: Ein US-Satellit fliegt ziellos durchs All, am Dienstag ist ein Asteroid knapp an der Erde vorbeigerast, an diesem Mittwoch fliegt einer am Mars vorbei. Ganz schön was los am Himmel, Herr Walter.
Werner Walter: Kann man wohl sagen. Aber gefährlich ist davon nichts. Nach Berechnungen der Nasa hat der Asteroid die Erde um eine halbe Million Kilometer verfehlt. Beim Mars wird's wohl ähnlich sein. Beim Durchgang durch die Erdatmosphäre ist der Satellit sicher ein spektakuläres Schauspiel. Bei der Raumstation Mir, die 2001 über den Fidschi-Inseln runterging, war es ähnlich. Da gibt es tolle Fotos!
SZ: Und sicher viele Anrufe, oder?
Walter: Den Asteroiden vom Dienstag konnte man nur mit astronomischem Gerät sehen, das war nur ein Lichtpünktchen. Bei Dingen, die angekündigt sind, rufen die Leute nicht an. Anrufe gibt es eher bei unerwarteten Phänomenen.
SZ: Bei welchen zum Beispiel?
Walter: Vor zwei Wochen gab es einen Feuerballboliden, eine Großsternschnuppe, die sich über Süddeutschland nach Tirol hin bewegt hat. Da rufen mich heute noch Leute an, auch aus Österreich. Und richtig rund geht es seit der Hessenwahl.
SZ: Warum das?
Walter: Sehr viele haben am Sonntag gegen 22.45 Uhr Lichter gesehen, die rot schimmernd wie auf einer Schnur aufgereiht über Hessen geflogen sind.
SZ: Außerirdische haben also Roland Koch die Wahlschlappe eingebrockt . . .
Walter: Nun ja. Die Lösung ist ganz einfach: SPD-Anhänger haben den Wahlausgang gefeiert und diese Himmelslaternen steigen lassen, die nun in Mode sind. Das sind Reispapierballons mit einer Brennerlampe, die 500 Meter hoch fliegen können. Früher kannte man sie nur aus Asien, heute sorgen sie dafür, dass das Ufo-Phon nicht mehr still steht. Den Anfang nahm das mit dem VfB Stuttgart. Als der im Mai 2007 Meister wurde, ließen Fans in ganz Baden-Württemberg die Dinger steigen. Das hat mich um den Schlaf gebracht.
SZ: Sie werden nachts angerufen?
Walter: Gerne um zwei, drei Uhr. Da schalt ich den Anrufbeantworter an. Gibt es tagsüber oft die, die fragen, was am Himmel los war, rufen nachts Grenzwertige an. Einer von 20 Anrufern ist das, grad noch hat mir einer von Aliens erzählt.
SZ: Mit Verlaub, manche würden Sie vielleicht auch als grenzwertig sehen.
Walter: Ich betreibe keine Hotline für Außerirdische! Ein Ufo ist nichts anderes als ein unbekanntes Flugobjekt, für das es oft normale Erklärungen gibt: ein Feuerball, ein Wetterballon, eine Laterne. Dass alle automatisch an fliegende Untertassen denken, ist ein Mythos, der sich seit den fünfziger Jahren hält. Weil ich natürliche Erklärungen suche, sehen mich viele Ufologen sogar als Nestbeschmutzer.
SZ: Wie sieht Sie die Wissenschaft?
Walter: Nicht nur bei der Esa hängt meine Telefonnummer an der Pinnwand. Ich weiß das, weil mir die Anrufer sagen, woher sie meine Nummer haben.
SZ: Wie entstand die Ufo-Meldestelle?
Walter: Auch aus der Arroganz der Sternwarten heraus. Da wurden Leute ausgelacht, die sagten: Ich habe da etwas gesehen. Dabei ist nicht alles Blödsinn.
Auf der nächsten Seite erfahren Sie, wie viele Flugobjekte am Ende wirklich unidentifiziert bleiben.
Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite
Großprojekte in Berlin