In Münster treffen sich derzeit rund 150 Polar- und Klimaforscher, um Erkenntnisse aus mehr als 25 Expeditionen zu Land, zu Wasser und in der Luft auszutauschen.
Schrumpfendes Meereis in der Arktis und eine ungekannte Artenvielfalt in der Tiefsee rund um den Südpol: Das sind einige der wichtigen Erkenntnisse für die Klimaforschung, über die Wissenschaftler in Münster derzeit zur Halbzeit des Internationalen Polarjahrs berichten.
Bild vergrößern
Wilfried Korth: "Die Veränderung großer Eismassen ist ein klimarelevantes Signal." (© Foto: dpa)
Anzeige
Mehr als 25 Expeditionen zu Land, zu Wasser und in der Luft ins Nord- und Südpolarmeer hätten "neue Bausteine" zum Verständnis von Erde und Klima geliefert, sagte der Vorsitzende der Deutschen Polarjahr-Kommission, Reinhard Dietrich, zu Beginn der 23. Internationalen Polartagung. Bis Freitag kommen rund 150 Experten in Münster zusammen.
"Ein klimarelevantes Signal"
Einer von ihnen ist der Polarforschers Wilfried Korth. Und er brachte eine dramatische Zahl mit nach Münster. Seinen Angaben zufolge verliert der grönländische Eispanzer jedes Jahr bis zu 150 Kubikkilometer Eis. Der jährliche Verlust entspricht damit etwa dem dreifachen Wasservolumen des Bodensees.Und die Ursache ist seiner Einschätzung zufolge die globale Erwärmung.
"Die Veränderung großer Eismassen ist ein klimarelevantes Signal", sagte der Experte von der Technischen Fachhochschule Berlin. Die großen Eismassen lieferten sehr zuverlässige Informationen, weil sie nur auf größere Veränderungen reagierten. "Die Eiskappen in Grönland sind so träge, dass sie kurzfristige lokale Veränderungen praktisch nicht bemerken und nur auf die langfristigen globalen Veränderungen reagieren", sagte er.
Korth führte 2002 und 2006 Höhenmessungen auf einer 700 Kilometer langen Strecke auf Grönland durch, um bereits vorhandene Satellitendaten zu überprüfen.
Seine Ergebnisse stellte Korth auf der 23. Internationalen Polartagung der Deutschen Gesellschaft für Polarforschung in Münster vor. An dem Kongress nehmen noch bis Freitag rund 150 Wissenschaftler teil.
"Das gesamte Profil, das wir vermessen haben, zeigt die gleiche Verhaltensweise", so Korth. "Die Höhe des Eises hat überall abgenommen." Deswegen könne man auch über die Messstandpunkte hinaus analoge Schlüsse über die Entwicklung der Eishöhe in Grönland ziehen.
Die Expedition über 700 Kilometer absolvierten Korth und sein Team auf Skiern. Auf dieses Fortbewegungsmittel seien sie zunächst aus sportlichem Ehrgeiz gekommen. "Wir wollten eine große Skiexpedition mit einem interessanten wissenschaftlichen Projekt verbinden."
Erst während der Expedition habe sich herausgestellt, dass die Fortbewegung auf Skiern von großem Vorteil war: Motorschlitten wären im angetauten Schneematsch auf Grönland versackt.
Im Jahr 2010 will Korth eine dritte Grönlandexpedition unternehmen - dann wieder auf Skiern.
Mehr als 50.000 Forscher beteiligt
Am Polarjahr, dem größten Forschungsprogramm in diesen Regionen seit 50 Jahren, beteiligen sich weltweit mehr als 50.000 Forscher mit 220 Projekten. Im vergangenen Sommer wurde die bislang geringste Ausdehnung und Dicke des arktischen Meereises festgestellt.
In der Tiefsee der Antarktis entdeckten Meeresbiologen zudem rund 700 neue Arten - meist kleine wirbellose Tiere. Dabei handelt es sich nach den Worten von Dietrich um die erste systematische Untersuchung der Artenvielfalt in den dortigen Gewässern. Nicht alle bisherigen Forschungsergebnisse seien allerdings "klimarelevant", betonten die Experten.
Konkrete Erkenntnisse und Prognosen für kommende Jahre könnten erst bei genauer Auswertung der Daten und im Vergleich mit früheren und künftigen Forschungsergebnissen gewonnen werden. In der zweiten Forschungsphase des im Frühjahr 2009 endenden Polarjahrs sind den Angaben zufolge noch einmal ähnlich viele Expeditionen an die Pole der Erde geplant.
(dpa/Nico Buchholz/mcs)
Demonstrationen in Hamburg
Kommentare zu posten, die sich nicht auf den zugehörigen Artikel bzw. sich nicht auf den Inhalt anderer Kommentare beziehen.
Ich finde es sehr sympathisch, dass sich hier mal jemand mit seinem richtigen bürgerlichen Namen zu Wort meldet (Herr SchultevonDrach).
Warum versteckt sich der Rest eigentlich hinter diesen mehr oder weniger lachhaften Pseudonymen?
Naja, Zivilcourage war noch nie die Stärke der Deutschen.
Die Nachrichtenagentur, die die 150.000 Tonnen Eis unter Berufung auf Herrn Korth gemeldet hatte, hat die Zahl korrigiert: Es wären demnach 150 Kubikkilometer Eis. Wir haben den Fehler, den wir leider übernommen haben, inzwischen ebenfalls ausgebessert. Vielen Dank an unsere aufmerksamen Leser.
Ich finde erschreckend, dass den Lesern diese falsche Zahl auffällt, dass die ganze Schreiberzunft das aber unreflektiert abschreibt. Man gebe:
"grönland jährlich tonnen eis"
bei google ein und sehe selbst...
fache, nicht das 66.666 fache, wie ich unten schrieb.
Paging