Sozioökonomische Nachteile wirken sich schon auf die Intelligenz von Zweijährigen aus. Das zeigt eine Zwillingsstudie aus den USA.
Mit zehn Monaten absolvierten die Kinder ihren ersten Intelligenztest. Da waren sie alle noch ungefähr genauso schlau wie ihre Geschwister.
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Kinder aus wohlhabenden Familien sind weder schlauer als arme Kinder, noch sind sie ihnen genetisch überlegen. US-Wissenschaftler gehen davon aus, dass "sozioökonomische Nachteile das genetische Potential von Kindern unterdrücken". (© AP)
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Als die 750 Zwillingspärchen aber zwei Jahre alt geworden waren, zeigten sich schon Unterschiede in der Denkleistung. Manche Kinder konnten sehr viel besser drei Klötze in einen Becher sortieren als ihr Brüderchen oder Schwesterchen, andere dagegen begriffen nur schwerlich, wie sie durch Ziehen an einem Faden ein Glöckchen zum Klingeln bringen konnten, berichten texanische Psychologen im Fachblatt Psychological Science.
Herausragend pfiffig oder eher langsam im Vergleich zu ihrem Geschwisterkind waren dabei fast immer Vertreter der zweieiigen Zwillingspärchen; die eineiigen Zwillinge waren einander einfach zu ähnlich. Schließlich sind eineiige Zwillinge genetisch praktisch identisch, und die Pärchen der texanischen Studie lebten alle gemeinsam bei ihren Eltern und hatten somit die gleichen Startchancen.
Bedeutsam aber ist: Die Unterschiede zwischen den zweieiigen Geschwistern zeigten sich vor allem dann, wenn sie in bessergestellten Familien aufwuchsen. War ein Zwillingspaar dagegen in eine sozial schwache Familie geboren, entwickelte sich die Intelligenz beider Geschwister auf sehr ähnlichem Niveau.
"Sozioökonomische Nachteile unterdrücken das genetische Potential von Kindern", lautet die Schlussfolgerung der Psychologen um Elliot Tucker-Drob. Kinder aus wohlhabenden Familien seien weder schlauer noch genetisch überlegen, betonen sie. Weil sich ihre Eltern oft mehr kümmerten, hätten sie mehr Möglichkeiten, ihr genetisch angelegtes Leistungsvermögen auch auszuschöpfen.
"Wir kommen mit einem bestimmten Intelligenzpotential auf die Welt", sagt Andreas Busjahn vom Berliner Zwillingsregister Healthtwist. Der Erblichkeitsgrad der Intelligenz liege bei etwa 50 Prozent: "Ob wir die angeborenen Möglichkeiten ausnutzen, hängt von der Förderung ab."
Das müsse Eltern aber nicht in Förderwahn versetzen, betont Busjahn. "Solange sie für ihre Kinder da sind, sind Details relativ unwichtig." Es sei unerheblich für die spätere Intelligenz, ob sie dem Nachwuchs griechische Sagen vorlesen oder Bilderbücher betrachten. Hauptsache, die Kinder bekämen überhaupt Anregungen. "Das ist eigentlich ganz beruhigend."
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(SZ vom 12.01.2011/mcs)
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Intelligenztests mit 10 Monaten haben keine wissenschaftliche Aussagekraft.
Übrigens: Wenn dem wirklich so wäre, wie beschrieben: Dann müsste ich ja aufgrund meiner Heimvergangenheit und dem Aufwachsen in prekären Verhältnissen und meinem späteren Physikstudium ein Potential eines Einsteins gehabt haben. Na ja, immerhin hat es für das Physikstudium und einen guten Job gereicht, trotz "struktureller" Benachteiligung.
So wie sie das widergeben stimmt das nicht. Eine Erblichkeit von 50% (oder auf genetisch: Heritabilität) bedeutet, dass die in einer Population beobachtete Variabilität eines Merkmals zu 50% auf genetischer Variabilität beruht und zu 50% auf Umweltvariabilität. Es heisst nicht, dass Intelligenz entweder erblich ist oder nicht, oder dass Intelligenz zu fünfzig Prozent erblich ist.
Um einmal eine etwas holperige Analogie zu bemühen: Wenn sie zwei Pullover vergleichen können sie sagen, der Unterschied dieser beiden Pullover liegt zu 50% in der Art der Wolle die verwendet wurde, und zu 50% in der Art und Weise wie die Wolle gestrickt wurde. Es ist aber auch denkbar, dass sie aus ein und derselben Wolle durch unterschiedliche Stricktechnik zwei verschiedende Pollover stricken, oder aus verschiedener Wolle mit der gleichen Technik zwei Pullover stricken.
Die menschliche Eigenschaft mit der höchsten Heritabilität (etwas 80%) ist übrigens Körpergrösse. Bei zwei unterschiedlich grossen Menschen, wird der Grössenunterschied also zo 80% auf genetischen Unetrschieden beruhen.
Naturgemäss ist Intelligenz viel schwerer zu vermessen und zu vergleichen, was Erblichkeitsabschätzungen, wie dsie richtig anmerken sehr schwierig macht...
Sehr fundierter Kommentar, der weit über den Artikel hinausgeht denn die von Ihnen beschriebenen Strukturen hängen ja nicht direkt mit Armut oder Reichtum zusammen.
Sie schreiben aber:
"Zwar wissen die Menschen um die Notwendigkeit der Veränderung, jedoch zeigt kaum jemand eine Regung, spricht man ihn darauf an."
Das kann ich aus meiner Erfahrung aus Diskussionen im Internet nicht bestätigen, es gibt dann sehr wohl starke Regungen: hasserfüllte Abwehr, verbunden mit klischeehafter Diffamierung des "Widersachers".
Besonders gut zu beobachten z.B. bei Diskussionen zum Klimawandel ("die böse Klimakirche vom bösen Al Gore tut den einfachen Leuten das Geld aus der Tasche ziehän!!!!!"), Elektroautos und aktuell Fleischkonsum/Massentierhaltung.
ist doch das beste Beispiel wie man mit wenig Intelligenz aber viel Geld von Daddy und der zusätzlichen Unterstützung dessen old boys netzwerks bis nach oben gelangen kann.
Wenn der das schafft, dann schaffen es viele. Es gibt also noch Hoffnung, oder?
Klassische Systeme basieren auf Hierarchien, die von unten nach oben "Macht" (Verantwortung und Befugnisse) durch Verantwortungsverschiebung entstehen. Somit sind "Betroffene" und "Akteure" in einem Boot, verantwortlich für die Probleme, mit denen wir es heute zu tun haben. Mehrheitlich vorhandenes Wissen zur Erhaltung der vorhandenen Strukturen ist unwirksam. Es bildet sich "automatisch" neues von der Basis her. Hierbei haben wir es nicht mit konventionell-repetitiv Gelerntem zu tun. Und niemand stellt das vorhandene in Frage. Es fehlen noch zeitgemäße Ausbildungsmuster, die der Veränderung durch Anpassung begegnen können.
Man muss sich mit dem Ganzen vertraut machen, in dem wir uns als Gesellschaft bewegen. Wissen und seine Wirksamkeit, sind nur ein Teil. Es bedarf entsprechender Strukturen, damit Wissen in diesen in Anwendung kommt. Diese Struktur ist klassisch betrachtet, die Ökonomie. Der Mensch lernt, damit er später im Sinne der Gesellschaft und für sein „Umfeld“ eine sinnvolle (wirksame) Aufgabe (Funktion) übernimmt. Es geht um die Gewährleistung der Lebensgrundlagen. Deshalb auch die vermehrte Angst (Geld, Nahrung, Wohnen etc.)
Probleme überall dort lösen zu wollen, wo sie sicht- und fühlbar in Erscheinung treten. Durch dieses Verhalten schuf sich der Mensch die Komplexität in seinen Umfeldern, die ihm nun um die Ohren zu fliegen drohen. Anfänglich funktionelle Strukturen degenerierten zu altersschwachen Pflegefällen. Mit allen Mitteln wird versucht die Strukturen aufrechtzuerhalten. Jeder denkt, es sei alles normal.
Die aktuelle Situation zeigt, dass vorhandene Strukturen unter Druck stehen, sich teils in Auflösung befinden. Der Versuch die Menschen in diesen Strukturen über mögliche Lösungsmuster zu informieren, scheitert daran, dass Isomorphismus (von gleicher Gestalt) mehrheitliches Denken durchdringt. Die, die von Veränderung sprechen, werden wegtoleriert, damit verbundenes Wissen stigmatisiert.
Haben sich isomorphe Strukturen erst einmal gebildet, beginnen andere Regeln zu wirken. „Widersacher“ werden kollektiv isoliert, weil sich die Mehrheit an das neue Wissen anpassen muss, und nicht umgekehrt. Und dies führt zwangsläufig zum Ablassen von liebgewordenen Strukturen, Pöstchen und Gewohnheiten.
Der aktuelle Paradigmenwechsel wirkt in einer exponentialen Weise. Zwar wissen die Menschen um die Notwendigkeit der Veränderung, jedoch zeigt kaum jemand eine Regung, spricht man ihn darauf an. Diskussion
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