Insekten zu Besuch Marienkäfer flieg'

Es ist ein Einwanderer aus Asien, der derzeit Häuser in Deutschland aufsucht, weil es dort angenehm warm ist. Der Asiatische Marienkäfer ist harmlos und will in unseren Wohnungen nur überwintern. Das nervt - und ist für die Tiere selbst tödlich.

Von Katrin Blawat

Wenn sie sich umlagert fühlen, wissen sich die Menschen nur noch mit brachialen Methoden zu helfen. Mit einem Eimer heißen Wassers zum Beispiel, oder mit Kälteschocks in der Tiefkühltruhe. Dabei sind die Eindringlinge, die auf diese Weise den Tod finden sollen, harmlose Marienkäfer.

Asiatische Marienkäfer (Harmonia axyridis) wurden in den achtziger Jahren nach Belgien eingeführt - jetzt findet man sie in vielen Häusern. Dort werden sie im Winter allerdings sterben, während sie in der Natur überleben können.

(Foto: Michael Hanschke/dpa)

Sie stechen nicht, beißen nicht und übertragen keine Krankheiten. Die Insekten sind einfach nur da, manchmal zu Hunderten - und genau das ist das Problem.

Wie eine schwarz-gepunktete Tapete machen sich die Käfer derzeit in Häusern und Wohnungen vor allem im Ruhrgebiet breit, aber auch in anderen Städten wie Göttingen. "Das Phänomen ist typisch für diese Jahreszeit", sagt der Zoologe Marcus Schmitt von der Universität Duisburg-Essen. "Ich habe den Eindruck, dass es dieses Jahr besonders verbreitet ist und vermutlich ganz Deutschland betrifft."

Was sind das für Tiere, deretwegen die Menschen panisch ihre Fenster verschließen? "In den Wohnungen finden wir hauptsächlich den Asiatischen Marienkäfer", sagt Schmitt. Harmonia axyridis, so der wissenschaftliche Name, übertrifft die europäischen Arten in vielerlei Hinsicht.

Er ist größer, hat mehr Punkte, mehr Nachkommen und vor allem: mehr Hunger. Dies mache ihn zum geeigneten Blattlaus-Jäger in Gewächshäusern, dachte man sich in den 1980er Jahren und importierte den asiatischen Vielfraß nach Belgien.

Dort erledigte er seinen Job zwar gut, erkannte aber bald, dass es sich auch außerhalb der Gewächshäuser ausgezeichnet leben ließ. Seit gut zehn Jahren verbreitet sich der Asiatische Marienkäfer in Deutschland, und seitdem wächst die Sorge um die heimischen Arten. Noch ist unklar, ob sie sich langfristig gegen die eingeschleppte Spezies behaupten können.

Dass sich die Einwanderer aus Asien nun verstärkt in Wohnungen und Häusern einrichten, liegt vor allem an den milden Herbsttemperaturen der vergangenen Wochen. Sie verleiteten die Insekten dazu, später als gewöhnlich nach einem Unterschlupf für den Winter zu suchen. Nahrung fanden sie wegen des sonnigen Wetters bislang ungewöhnlich reichlich.

Nun jedoch werden die Blattläuse knapp und die Nächte kalt, also sucht sich der Marienkäfer schnell ein Winterquartier. Normalerweise wählt er Holzstapel, Laubhaufen und Ritzen zwischen Steinen oder Baumrinden, um dort nahezu bewegungslos auf die ersten warmen Tage im kommenden Frühjahr zu warten.

Doch kann kaum ein Marienkäfer widerstehen, wenn er auf seiner Suche nach einem Unterschlupf auf eine warme, sonnenbeschienene Hauswand trifft. "So einen Platz nutzen die Käfer, um sich von der Sonne noch einmal richtig aufzuwärmen", sagt Schmitt. Von der Hauswand bis zum offenen Fenster und hinein in die Wohnung ist es dann auch für die Insekten nur noch ein kleiner Schritt.

Der allerdings bekommt den Käfern möglicherweise nicht gut, auch wenn sie dem Staubsauger oder der Faust der menschlichen Bewohner entkommen können. Die Wärme eines beheizten Zimmers nämlich bringt den Käferkörper durcheinander.

Draußen in der Herbstkälte fährt sein Organismus alle Funktionen herunter, sodass der Käfer den ganzen Winter lang nicht zu fressen braucht. Überwintern die Insekten jedoch im warmen Zimmer, schaltet sich der körpereigene Energiesparmodus nicht ein, der Organismus läuft weiter auf Hochtouren - bis die Tiere schließlich verhungern. Draußen in der Kälte wäre ihnen das nicht passiert.

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