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Initiative Mathe in der Mittagspause

Eine halbe Stunde Physik gefällig? Oder lieber Mathe? Im Sommersemester stellen Forscher der Universität Heidelberg allen Interessierten bei kurzen, verständlichen Vorträgen zur Mittagszeit ihre Arbeit vor.
Von Jutta Pilgram

Forschung im Häppchenformat? Nur eine halbe Stunde Zeit, um einen komplexen Sachverhalt zu erklären? Und das auch noch vor einem Publikum ohne besondere Vorkenntnisse? Für manche Wissenschaftler ist das eine erschreckende Vorstellung. An der Universität Heidelberg stellen sich Forscher in jedem Sommersemester von Neuem der Herausforderung, ihre Arbeit vor Laien zu präsentieren. "Akademische Mittagspause" heißt die Veranstaltungsreihe, die von Montag bis Freitag jeden Mittag um ein Uhr in der ältesten Heidelberger Kirche, der Peterskirche, stattfindet.

Die Idee dazu hatte Joachim Wambsganß. Der Heidelberger Professor für Astrophysik engagierte sich schon lange vor der Erfindung des "Science Slams" dafür, wissenschaftliche Erkenntnisse einer breiteren Öffentlichkeit nahezubringen. Für die Feierlichkeiten zum 625-jährigen Bestehen der Universität hatte Wambsganß eine Vortragsreihe zu astronomischen Themen konzipiert, damals noch unter dem Titel "Halbe Heidelberger Sternstunde". Alle 70 Kurzvorträge aus dem Jahr 2011 kann man auf Youtube anschauen. Die Themen: Gibt es eine zweite Erde? Oder: Wann hört die Sonne auf zu scheinen? Oder: Woher wissen wir, dass es einen Urknall gab?

Der große Zuspruch beim Publikum rief auch andere Disziplinen auf den Plan. Seither hat die Vortragsreihe sechs Mal stattgefunden, jedes Jahr mit einem anderen Schwerpunkt. Mal ging es um Südasien, mal um literarische Texte, dann um medizinische Innovationen und um die Entwicklung der Schrift. In manchen Jahren mussten sich die Redner sogar auf eine Viertelstunde beschränken. Hauptsache, der Vortrag war lehrreich und unterhaltsam.

"Sprechen Sie Mathematik?" war das Thema der Akademischen Mittagspause in diesem Jahr. Auf dem Programm standen Vorträge über Superrechner und über Twitter-Analysen, über Wettervorhersagen oder die Frage, wie man mit Hilfe der Mathematik Krebserkrankungen erkennen kann. Für solche schwierigen Fragen hatten sie in diesem Jahr immerhin dreißig Minuten Zeit.