Von Reymer Klüver, New York

Die Erkrankungen in den USA verlaufen glimpflich - Patienten bitten putzmunter zum Interview. Dennoch bereitet sich Amerika auf einen größeren Notfall vor.

Wenn der umgestülpte Einweghandschuh nicht wäre, achtlos ins Gras geworfen, direkt neben dem ebenerdigen Haupteingang der St. Francis Preparatory School. Wenn die vergilbten Rollos in den Fenstern der Klassenräume nicht tief heruntergezogen wären, es nicht bis auf den Gehweg scharf nach Desinfektionsmittel riechen würde und auf den gläsernen Eingangstüren keine gelben Zettel klebten, die verkünden, dass die Schule bis Mittwoch geschlossen bleibt. Dann, ja dann könnte man glatt annehmen, dass es ein ruhiges Wochenende gewesen wäre wie jedes andere in dieser gepflegten Gegend des New Yorker Stadtteils Queens.

Schweinegrippe, USA, Reuters

Ein Thema für die Zeitungen, aber kein Grund zur Panik: Schweinegrippe in den USA (© Foto: Reuters)

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Tatsächlich aber steht die St. Francis Preparatory School, das größte private Gymnasium der USA, im Zentrum eines am Sonntag von der Regierung in Washington ausgelösten nationalen Gesundheitsalarms. Die Schule ist Schauplatz des weltweit folgenreichsten bisher gemeldeten Ausbruchs von Schweinegrippe außerhalb Mexikos.

Nichts also ist normal hier in diesen hochsommerlich warmen Frühlingstagen in New York. Nicht die Reinigungsleute, die, mit Mundschutz und Plastikhandschuhen ausgestattet, den ganzen Tag Tische und Stühle in den Klassenräumen für mehr als 2000 Schüler wienern und die weißen Steinfußböden in den langen Korridoren wischen. Nicht die bunten Luftballons, die für eine offenbar geplante Jubiläumsfeier schon aufgeblasen waren und nun hastig in den grünen Müllcontainer im Hof gestopft wurden.

Und natürlich nicht die aufgelösten Eltern der Schüler, von denen bis zum Wochenende nicht weniger als 150 über Symptome einer Grippeerkrankung geklagt haben: Kopf- und Gliederschmerzen, Fieber, Erkältung, Hautreizungen. "Es herrscht schon ein bisschen Panik hier", konzediert Bruder Leonhard Conway, Franziskaner-Mönch und Leiter der katholischen Schule, ein ausgeglichen wirkender Mann, der die aufgebrachten Gemüter zu beruhigen suchte.

Bei 17 der 150 Jugendlichen ist bisher das Virus der Schweinegrippe nachgewiesen: Influenza A, Subtyp H1N1. Bei 28 besteht der Verdacht. Im Gegensatz zu den Menschen in Mexiko hat indes keiner mehr als einen unangenehmen Infekt. Alle sind zu Hause, keiner musste ins Krankenhaus, keiner der bisher insgesamt 40 gemeldeten Grippepatienten in den USA. Robin Henshaw, Mutter von zwei Kindern aus Cibolo in Texas, die sich in Mexiko angesteckt hat, aber offenkundig putzmunter ist, ließ sich sogar vom Sender CBS im Wohnzimmer interviewen - mit Mundschutz.

Dennoch bereitet sich Amerika auf einen größeren Notfall vor - und sei es nur, dass die neue Regierung in Washington sich hinterher nicht sagen lassen will, eine vielleicht weltweite Krise unterschätzt zu haben: In Spanien ist eine Infektion nachgewiesen, in Schottland kamen am Montagabend zwei weitere hinzu.

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