Mediziner warnen, dass die Infektionsgefahr in Krankenhäusern viel größer ist als bislang bekannt. Das kommt der Regierung ungelegen. Denn ihr Gesetzentwurf zur besseren Krankenhaushygiene ist der Opposition schon jetzt zu lasch.
30.000 Patienten sterben angeblich jedes Jahr an Infektionen, die sie sich in deutschen Krankenhäusern, Rehabilitationskliniken oder in Praxen für ambulante Operationen zugezogen haben. Das geht aus einer Stellungnahme deutscher Medizinerorganisationen hervor. Gerichtet ist das Papier an den Gesundheitsausschuss des Bundestages, der heute über ein neues Gesetz diskutiert, mit dessen Hilfe die Infektionsgefahr in Krankenhäusern verringert werden soll.
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Die Bundesregierung geht von bis zu 400.000 Infektionsfällen im Krankenhaus pro Jahr aus. Die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene und andere Organisationen halten diese Zahl allerdings für viel zu niedrig. (© dpa)
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Die Bundesregierung geht von etwa 400.000 bis 600.000 Fällen jährlich aus, in denen Patienten an Krankenhausinfektionen erkranken und von denen 7500 bis 15.000 sterben. "Ein Teil der Infektionen und Todesfälle", so heißt es im Gesetzentwurf der Fraktionen von CDU/CSU und FDP, "ist durch geeignete Präventionsmaßnahmen vermeidbar".
Hier stimmen Mediziner und die Opposition im Bundestag der Regierung zwar zu. Doch die Situation ist möglicherweise erheblich dramatischer als es das Gesundheitsministeriums darstellt.
"Wir haben die Studien zu den Infektionen nachgecheckt", erklärt Klaus-Dieter Zastrow von der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH). "Unserer Einschätzung nach infizieren sich von den etwa 18 Millionen Patienten in Deutschland mindestens vier Prozent, also 720.000 Menschen, im Krankenhaus mit Keimen. Wir vermuten, dass es sogar eher fünf Prozent sind. Das wären 900.000 Infektionen."
Die Zahl der Todesfälle, so warnt die DGKH gemeinsam mit der Gesellschaft für Hygiene, Umweltmedizin und Präventivmedizin (GHUP) sowie dem Bundesverband der Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (BVÖGD), liegt demnach doppelt so hoch wie bislang angegeben.
Die unterschiedlichen Zahlen erklären die Organisationen vor allem damit, dass die Bundesregierung sich noch immer auf eine Studie aus den neunziger Jahren beruft, der zufolge sich jährlich unter nur 15 Millionen im Krankenhaus behandelten Personen lediglich 3,5 Prozent infizierten. Die daraus berechneten Zahlen "sind auch im internationalen Vergleich als extrem niedrig einzustufen und entsprechen [...] sicherlich nicht der tatsächlichen Prävalenz nosokomialer (das heißt im Rahmen von medizinischen Behandlungen erfolgten, Anm. d. Red.) Infektionen", schreiben die Experten in ihrer Stellungnahme. Darüberhinaus müssten auch Infektionen berücksichtigt werden, die in Rehabilitationskliniken, in Praxen für ambulante Operationen oder bei der Versorgung von Patienten im häuslichen Umfeld erworben werden.
Treffen die jetzt vorgestellten Zahlen zu, so ist die Situation in den Krankenhäusern noch deutlich schlimmer als bislang bekannt.
Dabei hatte das schwarz-gelbe Kabinett bereits in dem im März vorgestellten Gesetzentwurf erklärt: "Die Zahl der nosokomialen Infektionen, insbesondere mit resistenten Erregern soll unter anderem durch bessere Einhaltung von Hygieneregeln und eine sachgerechte Verordnung von Antibiotika sowie die Berücksichtigung von sektorenübergreifenden Präventionsansätzen gesenkt werden." Qualität und Transparenz der Hygiene in medizinischen Einrichtungen sollten gestärkt werden. Wenigstens 20 bis 30 Prozent der Infektionen - und somit auch der daraus resultierenden Behandlungskosten - will die Regierung mit der Änderung des Infektionsschutzgesetzes vermeiden.
Derzeit existieren Krankenhaushygieneverordnungen, die für eine bessere Hygieneschulung des Personals sorgen sollen, nur in den Bundesländern Bayern, Baden-Württemberg, Berlin, Nordrhein-Westfalen, Saarland und Sachsen. Das will Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) ändern. Sein Gesetzentwurf soll alle Länder verpflichten, schärfere Regeln zur Klinikhygiene zu erlassen. Doch der Entwurf geht Opposition und vielen Medizinern nicht weit genug. So fordern die Grünen, dass Bund und Länder eine einheitliche Regelung finden - auch für jene Bereiche, die sonst in der Kompetenz der Länder liegen. Auch wollen sie stationäre Einrichtungen dazu verpflichten, Risikopatienten bereits vor der Aufnahme zu screenen. Die Sozialdemokraten betonen, dass mehr Fachpersonal für Hygiene und Vorbeugung gebraucht werde, um sicherzustellen, dass Leitlinien und Standards zur Bekämpfung der Keime auch effektiv eingesetzt werden können. Das fordern auch DGKH, GHUP und BVÖGD.
Und die Linken wünschen sich eine Meldepflicht für Infektionen mit multiresistenten Keimen sowie die Möglichkeit für die Gesundheitsämter, Verstöße gegen die Richtlinien zu bestrafen. Sowohl Grüne als auch die Linke fordern darüber hinaus, dass Antibiotika in der Tierhaltung auf das tiermedizinische Maß beschränkt wird, um eine weitere Zunahme resistenter Erreger zu verhindern.
Angesichts des zu erwartenden Fachkräftemangels empfiehlt die Initiative Infektionsschutz mehr Lehrstühle für Hygiene an den deutschen Universitäten. Im Augenblick existieren in Deutschland nur noch sechs Lehrstühle.
Bakterien, die insbesondere durch den falschen Einsatz von Antibiotika resistent geworden sind, stellen eines der größten Infektionsprobleme dar. So lassen sich etwa 20 Prozent der Staphylokokken in Deutschland mit Antibiotika kaum noch bekämpfen. Es kommt zu Lungen-, Harnwegs- und Wundinfektionen oder Blutvergiftungen. Schon die leichte Infektion einer Operationswunde kann zur lebensgefährlichen Bedrohung werden.
Verbreitet werden die Keime von Patient zu Patient vor allem über Ärzte und Pfleger, die sich, so der Vorwurf, nicht an die Grundsätze des sauberen Arbeitens halten. Im Klinikalltag ist es schon wegen des Personal- und Zeitmangels allerdings extrem schwierig, sich zum Beispiel ausreichend die Hände zu desinfizieren.
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(sueddeutsche.de/cag)
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Bei aller Empörung über die horrenden Zahlen der jährlichen Toten aufgrund von nosokomialen Infektion muss unbedingt berücksichtigt werden, daß eben nur ein Teil dieser Infektionen überhaupt vermieden werden können.
Die nosokomiale (im Kh erworbene Infektion) berücksichtigt alle Pat., bei denen nach 3 Tagen im Krankenhaus oder bei Wiederaufnahme innerhalb von wenigen Wochen eine Infektionserkrankung unabhängig von den Gründen und auch unabhängig von einem stattgehabten Eingriff auftritt. Zum Beispiel die Lungenentzündung, welches mit die häufigste Aufnahmediagnose auf internistischen Stationen ist. Hier gibt es ein paar Pat., die nach zunächst Besserung und ambulanter Weiterbehandlung wiederaufgenommen werden müssen. Schon ist es eine nosokomiale Infektion, obwohl keinesfalls im Krankenhaus irgendein Erreger übertragen wurde.
Anderes Beispiel: ein älterer Pat. mit Bluthochdruck, Diabetes und Raucher kommt zu einem planbaren Eingriff ins Krankenhaus. Die Wunde heilt nicht, trotz ausreichend Zeit für Verbandwechsel und guter hygienischen Bedingungen. Dieser nette Herr sitzt aber jeden Tag vor Krankenhauseingangstür und qualmt sich eine. Außerdem kümmert er sich zuhause einen Dreck um die Diabeteseinstellung. Dies ist ebenfalls eine nosokomiale Infektion.
In jedem Fall brauchen wir ein funktionierendes Register für ALLE nosokomialen Infektionen, und diese Meldepflicht existiert zumindest in NRW, damit man sich untereinander vergleichen kann. Für einige Prozeduren/Diagnosen, wo typischerweise Infektionen vorkommen können ist dieses ebenfalls Pflicht. Entscheidend ist, dass diese bereits existierenden Zahlen frei einsehbar sind: In welchem Krankenhaus kommt es überbordend häufig zu z.B. Schrittmacher-infektionen oder Infektionen von Hüftendoprothesen.
Mit einem solchen Register und vergleichbaren Daten ist es durchaus möglich, innerhalb der Krankenhäuser Sanktionen für Hygieneverweigerer und Nicht-Händedesinfizierer durchzusetzen.
Wenn man diese Zahlen hört, egal, ob es nun 15.000 oder 30.000 oder mehr sind, dann sollte man sich einmal ins Gedächtnis rufen, dass es auf bundesdeutschen Straßen jährlich etwa 4.000 Unfalltote gibt. Wo, bitteschön, ist hier auch nur ein Hauch der Rechtfertigung, dass unsere Regierung mit gnadenloser Härte, mit einer Flut an Gesetzen und Verordnungen, mit technischen Maßnahmen, dass einem schwindelig wird, den Straßenverkehr sicher macht, aber gleichzeitig ein Mehrfaches an Toten in den deutschen Krankenhäusern in Kauf nimmt und das mit einer laschen Gesetzgebung auch noch fortführen will?
Offenbar lässt sich mit Verkehrssündern das Staatssäckel füllen! Da ist die Vermeidung von Todesfällen wohl wichtiger als bei Krankenhäusern, wo man u. U. ja am gottgleichen Status gewisser Herren Mediziner kratzen müsste. Diese Scheinheiligkeit, diese Heuchelei ist widerwärtig! Wie lange müssen wir Deutschen so etwas noch hinnehmen? Bei allem Guten, was es in diesem Land gibt, wird unsere Machtlosigkeit gegenüber dem unverantwortlichen Handeln unserer Regierung(en - die vorher waren auch nicht besser) allmählich unerträglich!
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Wie ich Ihnen nun mehrfach mitgeteilt habe, ist das so nicht richtig.
Allerdings hat das mit diesem Fall nichts zu tun, denn hier geht es darum, dass qualifizierte Mitarbeiter durch ungelernte Aushilfen ersetzt wurden.
Das ist in der Tat ein Skandal, der hier in München viel zu schnell unter den Teppich gekehrt wurde.
Der Verantwortliche hätte dafür zur Rechenschaft gezogen werden müssen - das ist aber aus politischen Gründen nicht erfolgt - was an sich schon der nächste Skandal ist!
Amigo-Affären gibt es nicht nur bei der CSU sondern leider auch bei Rot-Grün.
sind Sie, lieber @freebird.
Sie sind gegen den Mindestlohn, oder nicht?
Und genau diese Einstellung der Verantwortlichen in den Kliniken, alle angeblich niedrigen Arbeiten so billig wie möglich erledigen zu lassen, ist mit einer der Hauptgründe der katastrophalen Hygiene in Kliniken und Arztpraxen.
Also lieber @freebird, nicht andere der Lüge bezeichnen, wenn Ihre krude Meinung zum Mindestlohn auf dem Prüfstand steht.
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