Die Furcht vor Terroranschlägen mit Krankheitskeimen wächst. Pockenviren könnten dabei weit gefährlicher werden als Milzbrand-Bakterien: Da sie als ausgerottet gelten, gibt es kaum mehr Impfstoff.

Die Pocken oder "Blattern" zählen zu den ältesten Plagen der Menschheit. Über Jahrhunderte haben sie während immer wiederkehrender Epidemien Millionen von Menschen dahingerafft, bis es um das Jahr 1800 dem englischen Landarzt Dr. Jenner glückte, einen wirksamen Impfstoff gegen den Pockenerreger, das Variola-Virus, zu entwickeln.

Pockenerreger

Pocken als Waffe sind gefährlicher als Milzbrand. (© CDC)

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Bis dahin starb durchschnittlich jeder dritte mit Pocken infizierte Erwachsene, und nur eins von fünf Kleinkindern hatte eine Überlebenschance.

Viren im Hochsicherheitstrakt

Noch im zwanzigsten Jahrhundert erlagen 500 Millionen Menschen der Krankheit. In einer in der Medizingeschichte einmalig erfolgreichen Impfkampagne der Weltgesundheitsorganisation (WHO) konnte die tödliche Gefahr schließlich gebannt werden.

1980 erklärte die WHO mit den Pocken zum ersten Mal eine Krankheit für ausgerottet. Das Variola-Virus galt als vernichtet - bis auf Restbestände in streng abgesicherten Forschungslabors in Moskau und Atlanta im US-Bundesstaat Georgia.

Dort wird das Virus aufbewahrt, um für den Notfall eines neuerlichen Pocken-Ausbruchs einen Impfstoff herstellen zu können.

Bei Ausbruch Flächenbrand

Die aktuellen Sorgen um mögliche terroristische Anschläge mit Biowaffen, insbesondere die Verbreitung von gefährlichen Krankheitserregern, kreisen nun auch um die Frage, ob Restbestände von Variola-Viren tatsächlich nur in den bekannten Hochsicherheitslabors existieren oder über dunkle Kanäle in die Hände von Terroristen oder Terrorismus-unterstützenden Staaten gelangt sein könnten.

Experten halten dies zwar für wenig wahrscheinlich, aber auch nicht für ausgeschlossen.

Wenn dem so wäre, hätte dies jedoch ungleich fatalere Folgen als die Verbreitung von Milzbrand-Bakterien. Im Gegensatz zu diesen können sich Variola-Viren über Tröpfchen-Infektion nämlich wie ein Lauffeuer ausbreiten.

Hochmobil und schutzlos

Für Selbstmord-Attentäter wäre es zum Beispiel ein leichtes, möglichst viele Menschen anzustecken und so eine große Krankheitswelle auszulösen. Denn derzeit gibt es nach Darstellung von Experten nicht genug Impfstoffe, um die Entstehung einer Epidemie zu verhindern.

Auch das Fachwissen zur Durchführung großflächiger Pockenimpfungen und zu Impfreaktionen ist nicht überall vorhanden.

Längst nicht mehr alle Menschen sind in ihrer Kindheit gegen Pocken geimpft worden. Die meisten jüngeren Menschen wären den Variola-Viren schutzlos ausgeliefert.

Last not least: In unserer hochmobilen Gesellschaft könnte sich das Virus sehr schnell über die ganze Welt ausbreiten.

Pocken: Symptome und Verlauf

Sieben bis elf Tage nach Ansteckung entwickeln die Betroffenen hohes Fieber, leiden unter Kopf-, Rücken- und Lendenschmerzen sowie einer Mandelentzündung.

Bis dahin ist das Krankheitsbild kaum von einer schweren Grippe zu unterscheiden. Erst nach weiteren sechs bis zehn Tagen treten Pocken-typische Symptome auf, Infizierte scheiden die Viren aber schon vor diesem Zeitpunkt aus.

Unter treppenförmigem Fieberabfall breitet sich der harakteristischen Hautausschlag vom Kopf ausgehend über den ganzen Körper aus - zuerst als rote Flecken, später als Pusteln mit wässerig-trübem Inhalt.

In diesem Stadium steigt das Fieber erneut, und Bewusstseinstrübungen treten auf. Innere Organe wie z.B. die Leber oder die Nieren können sich entzünden. Bei nicht tödlichem Verlauf heilen die Pusteln nach ein paar Wochen unter Krustenbildung ab.

Zurück bleiben teilweise entstellende Narben, vor allem im Gesicht. Tödlich verläuft eine Pockeninfektion als "hämorrhagisches Fieber" mit unstillbaren Blutungen aus Haut und Körperöffnungen.

Fieberhafte Impfstoffproduktion

Nach einem Bericht der New York Times hat die US-Regierung schon im Jahr 2000 damit begonnen, Studien in Auftrag zu geben, in denen erforscht werden soll, ob der noch vorhandene Pockenimpfstoff - geschätzte sieben bis 15 Millionen Einzeldosen - gestreckt werden kann, Nahziel: 40 Millionen Impfdosen.

Bisher mit mäßigem Erfolg, doch nach den Terroranschlägen vom 11. September wurde eine neue Runde von Versuchen mit verdünntem Impfstoff eingeleitet.

Die Impfstoffproduktion soll angekurbelt werden. Ziel ist, möglichst bald über genug Impfstoff für alle US-Bürger zu verfügen. Dies geht jedoch nicht von heute auf morgen, denn der Impfstoff wird nun mit einem neuen, mikrobiologisch verbesserten Verfahren hergestellt.

Verträglichkeit und Sicherheit des neuen Impfstoffs müssen erst noch getestet werden. Daneben läuft die Forschung zur Entwicklung für ein wirksames Medikament gegen Pockeninfektion auf Hochtouren.

Quelle: surfmed

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