Illegaler Handel im Internet Handel mit geschützten Tierarten boomt im Netz

Viele geschützte Tierarten werden illegal auf Internetplattformen gehandelt, darunter Papageien.

(Foto: obs)
  • Eine Studie hat 106 Web-Portale und vier Social-Media-Plattformen erfasst.
  • Dabei sind die Rechercheure auf mehr als 5000 Angebote zu geschützten Tierarten gestoßen.
  • Mit Abstand am häufigsten wurden Reptilien angeboten. Löwen waren auch dabei.

Auf online-Marktplätzen und in sozialen Netzwerken floriert der illegale Handel mit Wildtieren. Zu diesem Schluss kommen die Tierschützer vom International Fund for Animal Welfare (IFAW). Laut einer Studie wurden im vergangenen Jahr innerhalb von sechs Wochen Tausende lebende Tiere oder Tierprodukte auf Online-Marktplätzen in Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Russland angeboten.

Auf 106 Portalen und vier Social Media Plattformen fanden die IFAW-Experten 5381 Anzeigen mit 11 772 Exemplaren bedrohter Arten im Wert von fast vier Millionen US-Dollar (3,3 Millionen Euro).

Um geschützte Tiere zu kaufen, braucht man auch von Deutschland aus heute nur wenige Klicks im Internet: "In Deutschland fanden Experten auf 18 in Deutschland tätigen Plattformen 2.149 Online-Inserate und Posts für den Verkauf von über 6000 Wildtieren und Wildtierprodukten," heißt es in dem Bericht. Mehrheitlich handelte es sich dabei um lebende Tiere, darunter 18 Katzenarten wie Löwen, Jaguare und Leoparden.

Um den Handel einzudämmen, müssten Gesetze verschärft werden

"Mit wenigen Klicks kann man im Internet Elfenbein-Produkte, lebende Landschildkröten, Riesenschlangen oder exotische Papageien kaufen - rund um die Uhr und ohne großes Risiko", sagt Robert Kless, Leiter des IFAW Deutschland. Er forderte daher: "Der Online-Handel mit geschützten Arten muss streng reguliert und überwacht sowie Verstöße konsequent bestraft werden."

In ihrem jüngsten Bericht befasste sich die Organisation schwerpunktmäßig mit Arten, die in Anhang I und II des Washingtoner Artenschutzabkommens CITES oder in Anhang A und B der EU-Verordnungen über den Handel mit wildlebenden Tier- und Pflanzenarten aufgeführt werden.

Die mit Abstand am häufigsten gehandelten geschützten Tiere waren Reptilien, insbesondere lebende Land- und Wasserschildkröten. Diese machten 45 Prozent der ermittelten Exemplare aus. Bei fast einem Viertel der übrigen Exemplare handelte es sich um Vögel, gefolgt von Elfenbein und Säugetieren oder Körperteilen von Tieren.

Da der Internethandel mit Elfenbein Teil des globalen Elfenbein-Marktes ist und zur Ausrottung der Elefanten beiträgt, fordert der IFAW außerdem ein konsequentes Handelsverbot mit Elfenbein in Deutschland und in der EU. "Der Online-Handel ist extrem schwer zu kontrollieren, denn die wenigsten Anzeigen beinhalten nachprüfbare Informationen, die die Legalität des Angebotes belegen", sagt Kless. Um diesen Handel wirksam einzudämmen, müssten Gesetze verschärft werden und Website-Betreiber müssten strenge Vorgaben zum Handel mit geschützten Arten machen.

In Deutschland stießen die IFAW-Experten auf der Kleinanzeigenplattform Quoka auf besonders viele Angebote sowie bei Ebay und damit verbundenen Webangeboten. Bei Facebook stieß das Team auf 60 Annoncen, bei Twitter und Instagram waren es noch je sieben beziehungsweise sechs Angebote.

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