Das zeigt zum Beispiel der Fall eines Finanzberaters, von dem der Tübinger Psychologieprofessor und Hypnoseexperte Dirk Revenstorf berichtet: Der Mann litt, als sich das Arbeitsklima in seiner Firma verschlechterte, zunehmend an Konzentrationsschwäche, Hitzewallungen und schwitzenden Händen.
Anzeige
In einigen Sitzungen erlernte er, Erinnerungen an eine schöne Bergwanderung heraufzubeschwören. Wann immer er wollte, genoss er anschließend in Selbsthypnose den Anblick der Natur von oben, die frische, klare Luft, die Stille. "Das ermöglichte eine Distanzierung von den Problemen, die er unten im Alltag hatte", erläutert Revenstorf.
Sinnliche Details
Vor Kundengesprächen fuhr der Finanzberater auf einen Parkplatz, versetzte sich in eine kurze Trance und spielte das anstehende Kundengespräch oben in seiner Bergwelt durch. Die tatsächliche Begegnung fiel ihm daraufhin leichter, die Symptome verschwanden, er fand wieder Freude an seiner Arbeit. Das hört sich zwar simpel an, doch die Kraft, die solche mentalen Orte in Hypnosen entfalten können, ist für den Alltagsverstand fast unbegreiflich.
So führt der Bensheimer Hypnotherapeut Stefan Junker, der seit zehn Jahren narkoseunverträgliche Menschen zu Operationen begleitet, seine Patienten in Trance an sogenannte Ressourcenorte: "Oft ist es ein Urlaubsort, den der Betreffende mir vorher geschildert hat. Wichtig ist, dass es sich um einen Platz handelt, an dem der Patient sich gut entspannen kann", sagt er.
Unter Erwähnung möglichst vieler sinnlicher Details bringt Junker den Hypnotisierten an diesen Ort und suggeriert ihm dann Schmerzunempfindlichkeit. Dazu hebt er beispielsweise einen Arm des Patienten und sagt: "Dieser Arm fühlt sich an wie eine starre Stange, ein Fahnenmast im Wind."
Um die Schmerzunempfindlichkeit zu demonstrieren, kneift er kräftig in den Arm. "Der Körper kann vom Arm lernen", fügt Junker dann hinzu und tippt, beispielsweise bei Magenspiegelungen, auf den Bauch. Damit löst er auch dort Schmerzunempfindlichkeit aus.
Die Hypnosesitzung bei Ortwin Meiss geht nach 20 Minuten zu Ende. "Wenn das Unbewusste all das benutzen wird, genau da, wo Sie es brauchen, sinkt die linke Hand allmählich hinab. Es ist wichtig, sich Zeit zu nehmen und zu spüren, dass die Hand ganz von selbst hinabgleitet."
Kein Zurück zum alten Zustand
Als die Hand der Journalistin in ihren Schoß sinkt, sagt Meiss: "Nun möchte ich dem Unbewussten danken für diese gute Mitarbeit. Und jetzt bemerken Sie, wie Sie ganz von allein zurückfinden, zurück hier in diesen Raum, Schritt für Schritt. Mit tieferen Atemzügen. Jeder Atemzug richtet Sie ein klein wenig auf, macht wacher. Jetzt machen Sie wieder bewusste Bewegungen, strecken sich." Es ist überraschend, wie schnell man wieder in seinen gewohnten Zustand zurückkehrt.
Aber ist es ganz der alte? Die Frage soll sich zwei Wochen später klären, mit Klarinette vor Publikum in einer Hamburger Kirche. Viele Menschen. Leises Grummeln. Dann der Einsatz fürs Orchester: Es gehört ein wenig guter Wille dazu, aber schon während der ersten Klarinettentöne, die die Journalistin spielt, ruft sie sich das Bild der Arena aus ihrer Hypnosesitzung vor Augen.
Sie muss es gar nicht festhalten, und während sie weiterspielt, achtet sie auch immer weniger auf sich und ihre Finger. Stattdessen hört sie die Streicher, Blechbläser - und den gelungenen Zusammenklang mit ihrer Klarinette. Das Publikum ist weit weg. Nach dem Verklingen des letzten Tons fällt ihr auf, dass sie noch besser gespielt hat als in den Proben.
Weitere spannende Themen aus dem SZ Wissen finden Sie hier.
Das neue Heft bekommen Sie jetzt am Kiosk.
Sie sind jetzt auf Seite 4 von 4
- Alternative Heilverfahren Heilen nach Zahlen 09.12.2008
- Traditionelle Chinesische Medizin Heilung auf Treu und Glauben 23.10.2008
- Meditation gegen Stress In der Ruhe liegt die Kraft 25.02.2009
- Alternative Heilmethoden Eltern setzen auf Homöopathie 16.03.2009
- Gewürz oder Heilkraut Bohnenkraut auf den Kopf, Muskatnuss in die Wanne 30.09.2008
(SZ Wissen, Ausgabe 5/2009/gal)
Gysi und Lafontaine beim Linke-Parteitag
Nun gerade Sigmung Freud zu nennen bei der Hypnose ist nicht so passend, leider hat Freud die westliche Therapie von der Hypnose weggelenkt. Kritische Stimmen sehen dies im Zusammenhang mit seiner Drogensucht, die es ihm schwermacht zu reden, zudem war die langwierige Psychoanalyse der maximale ökonomische Erfolg für den Therapeuten.
Auch heute wird jede Form von effektiver kurzer Therapie intensiv von den etaplierten Therapeuten bekämpft, z.B. auch die sogenannten Familienaufstellungen.
Zurück zur Hypnose, mit ihr lässt sich eben in vergleichsweise kurzer Zeit sehr effektiv das Problem des Patienten verbessern. Von den Kosten wäre sie ungleich preisgünstiger als die herkömmliche Psychotherapie oder auch preisgünstiger als viele Pharmapräperate (so kostet ein patentgeschütztes Neuroleptika durchaus mal um die 500 Euro).
Die von Freud in die Welt gesetzte Legende dass Hypnose ungeignet wäre, bei schweren psychischen Störungen stimmt so auch nicht, bulgarische Psychiatrieprofessoren haben im Einsatz der Hypnose bei Psychatriepatienten sehr gute Arbeit geleistet und gezeigt, dass der erfahrene Psychiater dieses therapeutische Instrument durchaus mit viel Erfolg einsetzen kann.
.............. was sehr traurig ist!
Sigmund Freud setzte bereits die Hypnose ein, um an das Unbewusste kranker Menschen zu kommen - Milton Erickson "erfand" dann quasi die Hypnotherapie, und ich durfte in einem Seminar Jeff Zeig erleben, ein Schüler Ericksons. Unglaublich und beeindruckend!
Was heute nicht wissenschaftlich bewiesen werden kann, wie auch die Homöopathie, wird erst einmal als Humbug bezeichnet. Wir brauchen Zahlen, Berechungen, Formeln, wir brauchen Pauschalwerte bei medizinischen Untersuchungen und bekommen sofort Medikamente, wenn diese Werte auch nur etwas abweichen, d.h., es gibt keine Individualität mehr, und lieber wird den Menschen Angst gemacht aufgrund von auch nur etwas abweichenden Werten, als dass die meisten Schulmediziner mal dazu bereit wären, auch nur mal anzunehmen, dass dieser eine Mensch eben auch gut mit Blutwerten leben kann, die jetzt nicht haargenau in das Bild der festgelegten Blutwerte passen!
Nun geht es nicht um Extremwerte, darum geht es nicht, da Ärzte ja nun einmal diesen Beruf ergriffen haben und auch verpflichtet sind, in erster Linie Menschenleben zu retten und dafür zu sorgen, dass ein Mensch überlebt. Das ist völlig klar.
Aber warum kann nicht auch die Homöopathie akzeptiert werden oder auch andere Naturheilverfahren, warum nicht z.B. eine Hypnotherapie - es gibt Dinge zwischen Himmel und Erde, für die es keine Beweise gibt, niemals geben wird. Ich kenne sehr, sehr viele Physiker, die tief gläubig sind, da auch sie ganz einfach naturwissenschaftliche Grenzen sehen und Dinge, die in der Natur geschehen und vorkommen, die keine Formel dieser Welt erklären kann.