Nicht jede Krankenhausinfektion lässt sich vermeiden. Doch einige Fälle gehen auf eklatante Verantwortungslosigkeit zurück. Hygieneskandale der vergangenen Jahre.
Sommer 2010, München: Knochenreste am Operationsbesteck
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Die Verschmutzungen an den Scheren und Skalpellen sollen teilweise schon mit bloßem Auge zu erkennen gewesen sein. In zwei Münchner Kliniken wurde Operationsbesteck gefunden, das in der zuständigen Abteilung nur mangelhaft gereinigt worden war. Überlastete und zum Teil unerfahrene Mitarbeiter waren in dem ausgelagerten Bereich beschäftigt. Managementfehler bis in die höchsten Ebenen scheinen für den Skandal verantwortlich zu sein. Hygiene- und Behandlungsfehler wurden auch in der Residenzklinik, einer privaten Schönheitsklinik, festgestellt. Sie ist bis heute geschlossen. Ob Patienten zu Schaden gekommen sind, ist nicht abschließend geklärt.
Herbst 2008, Sigmaringen: Spülmittel oder gar keine Reinigung
1800 Einwohner Sigmaringens im südlichen Baden-Württemberg erhielten 2008 ein Schreiben ihres Landratsamtes, in dem sie höflich zu einem Hepatitis- und Aidstest aufgefordert wurden. Sie alle standen in der Patientendatei einer HNO-Ärztin. Die Medizinerin hatte Spritzen und andere Geräte gar nicht oder nur mit Spülmittel gereinigt und mehrfach verwendet. Schon 2007 hatte eine Arzthelferin die Behörden auf diese Missstände hingewiesen - ohne, dass etwas geschah. Erst als eine zweite Angestellte ein Jahr später erneut Alarm schlug, wurde der Hygieneskandal aufgedeckt. Die Befürchtung, die Patienten könnten sich mit schweren Krankheiten infiziert haben, bestätigte sich glücklicherweise nicht.
Mai 2007, Fulda: Salmonellen - na und?
33 Patienten und 17 Mitarbeiter des Fuldaer Klinikums hatten sich bereits mit Salmonellen infiziert, als der ärztliche Direktor gelassen in den Mittelmeer-Urlaub aufbrach: "Grillzeit ist eben Salmonellenzeit", soll er gesagt haben. In den darauffolgenden Tagen infizierten sich etwa 270 Menschen in der Klinik und einem von der Krankenhausküche belieferten Altenheim. Die Salmonellen wurden offenbar durch Eier in die Klinikküche eingeschleppt und über nicht ausreichend gereinigte Küchengeräte verbreitet. Kritiker machten für den Skandal unter anderem die Tatsache verantwortlich, dass das Klinikum Hygieneaufgaben an ein externes Beratungsinstitut ausgelagert hatte. Dieses habe aus der Ferne weder gründlich genug vorbeugen, noch schnell auf die Infektionen reagieren können.
März 2007, Berlin: Toter auf der Toilette
Erst als Verwesungsgeruch aus einer Toilette ín der Berliner Charité trat, merkte das Personal auf - und stellte fest, dass ein toter Drogensüchtiger fünf Tage lang hinter der verschlossenen Tür gelegen hatte. Das Reinigungspersonal hatte die Toilette für besetzt gehalten und sie daher nicht geputzt. Durch die wechselnden Schichten des Personals war es nach Angaben der Klinik nicht aufgefallen, dass die WC-Tür tagelang nicht geöffnet wurde.
2006, Wegberg: Selbstgepresster Zitronensaft zur Desinfektion
Das Spardiktat an einer Privatklinik im nordrhein-westfälischen Wegberg führte zum Tod mindestens einer Patientin. Nicht nur wichtige Medikamente wurden den Patienten aus Kostengründen vorenthalten, zur Wunddesinfektion verwendete das Personal statt teurer steriler Lösungen Zitronensaft. Eine 80-jährige Patientin, deren Operationswunde der Chefarzt mit selbstgepresstem Zitronensaft beträufelte, starb an einer Infektion der Wunde. Der Mediziner wurde zu einer Bewährungsstrafe von 15 Monaten verurteilt.
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(sueddeutsche.de/beu/dgr)
Linke-Parteitag in Göttingen
Liebe SZ-Redaktion,
wenn schon dann teilen Sie den Lesen bitte mit, dass es sich bei den Münchner Kliniken um städtische Kliniken handelt.
Danke
Es fehlt mal wieder die Erwähnung das jährlich Tausende Patienten an multiresistenten Bakterienstämmen sterben allein in Deutschland. Pateinten stecken sich über das Pflegepersonal, Krankenschwestern und Ärzte an, die sich zwischen zwei Patienten nur ordnungsgemäß desinfizieren müssen. In anderen Ländern wie Niederlande, wird das viel strenger geprüft und die MRSA Rate ist um ein Vielfaches kleiner als hier....
"Eine 80-jährige Patientin, deren Operationswunde der Chefarzt mit selbstgepresstem Zitronensaft beträufelte, starb an einer Infektion der Wunde. Der Mediziner wurde zu einer Bewährungsstrafe von 15 Monaten verurteilt."
Das erklärt dann auch die Strafe. Am schlimmsten für den Arzt war sicherlich, daß sich die Haftpflichtbeiträge erhöht haben.
und Gleichgültigkeit. Wenn man als Patient keine Angehörigen hat, die sich, speziell bei älteren Menschen, im Krankenhaus um eine kümmern, dann ist man regelrecht aufgeschmissen. Das geht ja schon bei Kleinigkeiten los und zieht sich wie ein roter Faden durch den gesamten Klinikbetrieb. Man kann wirklich nur hoffen und beten, daß man nie in eine Situation kommt, in der man im Krankenhaus hilflos den Pflegekräften und Ärzten ausgeliefert ist. Leider ist das heute so!