Im Duschkopf leben Millionen Bakterien. Selbst Chlor kann sie nicht beseitigen. Experten empfehlen deshalb Armaturen aus Metall statt Plastik.
In jedem Badezimmer leben Millionen Mikroorganismen. Nun haben Mikrobiologen um Norman Pace von der Universität von Colorado einen besonders dicht besiedelten Ort im Bad ausfindig gemacht: den Duschkopf.
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Mikroorganismen im Duschkopf: Experten raten, den Wasserschwall nicht direkt auf das Gesicht zu halten. (© Foto: ap)
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Resistent gegen Chlor
Die Wissenschaftler untersuchten 45 Duschköpfe in Privathäusern und öffentlichen Einrichtungen in neun großen amerikanischen Städten, darunter New York, Chicago und Denver (PNAS, online). Überrascht waren die Forscher, als sie in 13 der Armaturen hohe Konzentrationen der sogenannten nicht-tuberkulösen Mykobakterien fanden. In den schmierigen Zusammenklumpungen in den Duschköpfen ermittelten die Forscher im Schnitt eine 100-mal so hohe Konzentration dieser Erreger wie im Duschwasser. Pace untersuchte auch, ob sich die Keime mit chlorhaltigen Putzmitteln vernichten lassen. Doch einige Monate nach der Reinigung enthielt der mit Chlor behandelte Duschkopf sogar die dreifache Menge an nicht-tuberkulösen Mykobakterien - die Keime waren wohl resistent geworden.
Keine Gefahr für Gesunde
Die Bakterien verursachen Atemwegserkrankungen bei Personen, die schon durch andere Krankheiten geschwächt sind. Für Gesunde seien die in den Duschköpfen gefundenen Konzentrationen aber keine Gefahr, betonen die Forscher.
"Meines Wissens gibt es in Deutschland keine systematische Untersuchung über die Keimbelastung in Duschköpfen", sagt Peter Heeg, Leiter des Instituts für Medizinische Mikrobiologie der Universität Tübingen. Er hält jedoch ähnliche Ergebnisse wie die seiner amerikanischen Kollegen für wahrscheinlich.
Metall statt Plastik
Auch wenn die meisten Keime in Duscharmaturen Menschen, deren Immunsystem nicht schon vorher geschwächt ist, nichts anhaben können, rät der Hygieniker dazu, vor allem in Hotels die Dusche zwei Minuten laufen zu lassen - "ohne sich den Wasserschwall direkt aufs Gesicht zu halten. Dies mindert auch die Gefahr, mit Legionellen, die ebenfalls oft in Duscharmaturen leben, in Kontakt zu kommen. Studienautor Pace empfiehlt zudem Duschköpfe aus Metall statt aus Plastik, weil sich darin die Keime weniger gut einnisten könnten.
(SZ vom 15.09.2009/kabl/jug)
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Der Artikel ist weder Sensationsmeldung noch "GefährlichGefährlich". Diese Bakterien sind für bestimmte Patienten tatsächlich gefährlich, sind aber häufig nicht im Bewusstsein von Ärzten und Patienten. Sie werden daher auch zu wenig untersucht, das gilt auch für die Infektionswege. Daher ist es sehr erfreulich, dass der Artikel in PNAS auch von der Süddeutschen oder Spiegel-online aufgegriffen wurde. Wir gründen derzeit in Freiburg im Centrum für Chronische Immundefizienz CCI ein Europaweites Netzwerk, das die Untersuchung dieser Erkrankungen zum Ziel hat. Informationen zum Gründungsmeeting findet man unter meeting.ntm-net.org.
Ich habe in letzter Zeit schön öfter Duschköpfe auseinandergeschraubt und entkalkt. Die einzigen Zusammenballungen, die zu sehen waren, waren aus Kalk. Die ließen sich ganz leicht mit Essig entfernen. Alles putzsauber hinterher. Vielleicht haben die wenigen Bakterien den Essig nebenbei auch nicht vertragen.
Einfach nicht mehr duschen und zum Vollmond baden. :-)
So, das ist jetzt vermutlich die letzte nicht-weihnachtliche "Gefährlichgefährlich"-Studie. Die nächste wird wieder auf das Vernichtungspotential von Spekulatius oder Lebkuchen hinweisen.