Von Alexander Stirn

Das Weltraumteleskop kommt in die Jahre, doch aufgeben wollen die Wissenschaftler das Auge im All noch nicht. Bei einer fünften und letzten Service-Mission soll "Hubble" komplett überholt werden.

Hubble soll nicht blind werden. Das alternde Weltraumteleskop, das erstaunliche Einblicke in die Tiefen des Weltraums zur Erde gefunkt hat, soll deshalb bei einer fünften und letzten Service-Mission komplett überholt werden. Im August, so die jetzt vorgestellten Pläne der Nasa, soll die Raumfähre Atlantis zu dem Teleskop starten, dort defekte Bauteile austauschen, neue Kameras installieren und beschädigte reparieren. Fünf Weltraumspaziergänge müssen die Astronauten deswegen machen.

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Das Observatorium, das seit 1990 um die Erde kreist, ist derzeit nur beschränkt einsatzfähig. Ein wichtiger Spektrograph, der das Licht entfernter Sterne in seine Bestandteile aufschlüsselt, ist seit 2004 defekt. Hubbles Hauptkamera stellte vor einem Jahr den Betrieb ein. Und auch die Gyroskope, große Kreisel, mit deren Hilfe das Teleskop auf neue Objekte ausgerichtet werden kann, fallen immer wieder aus.

Während der elftägigen Rettungsmission soll die Atlantis-Crew aber nicht nur die aktuellen Probleme beheben, sondern auch zwei neue Instrumente installieren. Mit deren Hilfe werde Hubble künftig 90-mal so leistungsfähig sein wie zu Beginn seiner Dienstzeit, schwärmen Astronomen.

Die neuen Bauteile sollen zudem dafür sorgen, dass sich die Lebensdauer des Teleskops deutlich erhöht: bis mindestens 2015, vielleicht sogar bis 2020. "Hubble wird zu einer völlig neuen Maschine", sagte Nasa-Wissenschaftschef Alan Stern bei der Vorstellung der Pläne im texanischen Austin.

Ob die Atlantis aber wirklich schon im August zum Weltraumteleskop aufbrechen wird, hängt stark vom Verlauf der nächsten Shuttle-Flüge ab - und davon, ob die Nasa ihre aktuellen Probleme mit einem Treibstoffsensor in den Griff bekommt. "Sicherheit steht an oberster Stelle", so Stern.

Denn sollte die Atlantis beim Start beschädigt werden, kann deren Besatzung - anders als bei konventionellen Shuttle-Missionen - keine Zuflucht auf der Internationalen Raumstation (ISS) suchen; zu unterschiedlich sind die Flugbahnen von Hubble und ISS. Eine zweite Raumfähre muss deshalb während der Hubble-Mission bereit stehen, um im Notfall die Crew zurück zur Erde zu holen.

Bei der fünften und letzten Service-Mission, die unter dem Kürzel SM4 läuft, werden große Teile der Optik des Hubble-Teleskops ausgetauscht oder repariert. Dazu müssen die Astronauten fünf Weltraumspaziergänge von jeweils 6,5 Stunden Länge machen. Sie werden dabei die Advanced Camera for Surveys (ACS) reparieren, die viele der besten Hubble-Bilder gemacht hat. Sie ist seit einem Jahr defekt. Der Spektrograph STIS, der Licht von Sternen und Galaxien in seine Bestandteile zerlegt, ist sogar schon seit 2004 beschädigt. Es ist das erste Mal, dass Astronauten im Orbit wissenschaftliche Instrumente reparieren. Die Korrekturoptik COSTAR hingegen, die den anderen Instrumenten seit 1993 hilft, den Fehler in Hubbles Hauptspiegel auszugleichen, wird komplett ersetzt. Das Instrument COS, das dafür eingebaut wird, ist ein weiterer Spektrograph, der STIS ergänzen soll. Alle optischen Instrumente, die der Shuttle zu Hubble bringt, sind bereits dafür entwickelt, den Fehler im Spiegel auszugleichen. Ausgetauscht wird auch die Weitwinkelkamera WFPC2. Das neue Modell hat einen weiteren Blickwinkel und verarbeitet Licht aus einem größeren Spektralbereich. Die Ersatzteile für Gyroskope, Batterien und Feinsteuerung sollen es dem Teleskop noch viele Jahre lang erlauben, sich im Orbit auf interessante wissenschaftliche Ziele auszurichten. cris

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(SZ vom 10.1.2008/mcs)