Horoskope In den Sternen steht... nichts

Wissenschaftler haben Daten von über 15.000 Menschen ausgewertet. Ergebnis: Sternzeichen sagen nichts über den Charakter.

Von Felicitas Witte

Widder sollen dickköpfig, Fische friedfertig und Wassermänner zuverlässig sein. Viele Menschen glauben fest daran, dass der Zeitpunkt der Geburt eines Menschen seinen Charakter und sein Leben beeinflusst.

Anhängern der Astrologie dürfte daher missfallen, was Peter Hartmann und Helmuth Nyborg von der Universität Aarhus in Dänemark und Martin Reuter von der Universität Gießen jetzt wissenschaftlich belegt haben: Ein Zusammenhang zwischen dem Sternkreiszeichen und den Charaktereigenschaften eines Menschen lässt sich wissenschaftlich nicht belegen (Personality and Individual Differences, Bd. 40, S. 1349, 2006).

Die Psychologen haben die Daten von mehr als 15 000 Menschen ausgewertet, darunter 4321 Männer mittleren Alters, die am Vietnamkrieg teilgenommen hatten und 11 448 Jugendliche im Alter zwischen 15 und 24 Jahren.

Das Ergebnis überraschte selbst die Wissenschaftler: "Wir fanden überhaupt keinen Zusammenhang zwischen dem Zeitpunkt der Geburt und der Persönlichkeit der Menschen", berichtet Nyborg. "Der Einfluss des Geburtsdatums auf die Intelligenz war allenfalls minimal."

Erste Lebensmonate entscheidend

Diese Auswertung interessiert nicht nur Astrologie-Anhänger, auch Psychologen beschäftigen sich seit Jahrzehnten mit dem Zusammenhang zwischen Geburtszeit und Persönlichkeit. Sie machen allerdings nicht den Einfluss der Sterne, sondern die Lebensumstände in den ersten Lebensmonaten für die gezeigten Effekte verantwortlich.

Der berühmte Psychologe Hans Eysenck zeigte, dass Menschen, die im Frühling oder Sommer Geburtstag haben, intelligenter sind als Menschen, die zu anderen Jahreszeiten auf die Welt kommen. Anderen Studien zufolge sind Menschen mit Geburtsdatum im Winter häufiger extrovertiert, impulsiv und seltener neurotisch.

Eine Untersuchung ging 1996 sogar dem Effekt der Sternzeichen auf den Charakter von 190 Probanden nach. Die statistische Auswertung hatte als Ergebnis, dass "maskuline" Sternzeichen wie Widder, Zwillinge, Löwe, Waage, Schütze und Wassermann stärker mit extrovertiertem Charakter verknüpft waren als "feminine" Sternzeichen.

Eigenartige Zusammenhänge

Helmuth Nyborg sieht zwei Gründe, warum frühere Studien solche Zusammenhänge gefunden haben, er aber nicht: Zum einen wurden damals oft viel weniger Probanden untersucht. Zum anderen hätten einige Forscher nicht korrekt gearbeitet: "Die Sternzeichen-Studie von 1996 hat sehr viele statistische Tests durchgeführt. Sie hätten mit der so genannten Bonferroni-Technik ausgewertet werden müssen", sagt er.

Dieses Verfahren bewahrt Forscher davor, in einem Datensatz, der nach vielen verschiedenen Kriterien analysiert wird, schon allein aufgrund des Zufalls ein anscheinend aussagekräftiges Resultat zu entdecken. Das dänisch-deutsche Team hat seine 39 Tests dagegen mit der Bonferroni-Technik korrigiert: Der anfängliche Zusammenhang zwischen Geburtsdatum und Intelligenz verschwand dabei.

Andererseits kann der dänische Psychologe auch nicht beweisen, dass seine Studie frei von Einflussfaktoren ist: So könnten die Erlebnisse der Vietnam-Veteranen ihre Persönlichkeit geändert haben. Diese Effekte seien jedoch viel geringer als in den kleineren früheren Studien. "Mit unserer Studie stellen wir nicht die Astrologie im Ganzen in Frage", sagt Nyborg. Die Position anderer Planeten könne theoretisch einen Effekt auf die Persönlichkeit haben. "Aber ein direkter Zusammenhang zwischen dem Zeitpunkt der Geburt und dem Charakter eines Menschen existiert wahrscheinlich nicht."