Homöopathie Je besser die Studien, desto kleiner die Effekte

So überflüssig es aus Sicht der Wissenschaft auch erscheinen mag - man wird sich wohl weiterhin mit Studien zur Homöopathie auseinandersetzen müssen. Immerhin spricht die derzeitige Diskussion dafür, dass die Lehre trotz einiger Erfolge einer rigorosen methodischen Analyse nach den Kriterien der evidenzbasierten Medizin nicht bestehen wird: Je besser nämlich die einschlägigen Studien werden, desto kleiner werden die Effekte. Positive Ergebnisse lassen sich kaum reproduzieren. Und selbst die vermeintlich hochwertigen Arbeiten werden von Kritikern auseinandergenommen. Ein Beispiel liefert die erwähnte Berner ADHS-Studie, doppelblind, randomisiert, placebokontrolliert, angeblich Goldstandard.

Bloß: Gerade mal 62 Kinder und Jugendliche wurden untersucht, was für eine Medikamentenstudie eine sehr kleine Zahl ist und Zufallsergebnisse begünstigt. Und: Aufgenommen in die Studie wurden nur solche Probanden, die bereits vor Studienbeginn mit Globuli behandelt wurden und dabei eine mindestens 50-prozentige Symptomverbesserung gezeigt hatten.

"Versuchen Sie mal, diese Studie zu lesen, ohne sich kaputtzulachen", kommentierte deshalb in einem Interview der Immunologe Beda Stadler, der ebenfalls an der Universität Bern arbeitet. Kritisch fallen auch die Analysen des mittlerweile emeritierten Mediziners Edzard Ernst aus, der sich an den Universitäten Exeter und Plymouth mit den Studien der Alternativmedizin beschäftigte.

Das schafft Hoffnung, dass man sich irgendwann vermehrt mit den wirklich spannenden Themen beschäftigen wird, die von der Homöopathie-Diskussion der letzten Jahre angestoßen wurden. Sie hat gezeigt, wo die Defizite der schulmedizinischen Praxis liegen und wie gesundheitsfördernd eine vertrauensvolle Beziehung und das ausführliche Gespräch zwischen Arzt und Patient sind. Eine Einsicht allerdings, die Psychosomatiker schon lange vertreten.

Selbst manche Vertreter der Homöopathie gestehen heute mehr oder weniger offen ein, dass vermutlich nicht die Globuli heilen, sondern dass das ganze therapeutische Setting wirkt. Die Homöopathie hat nochmals verdeutlicht, wie wichtig der Placebo-Effekt bei den meisten medizinischen Interventionen ist. Bei ihm handelt es sich nicht um eine eingebildete, sondern um eine reale, physiologische Wirkung. Statt sich weiter über irgendwelche Geisterkräfte zu streiten, wäre es wichtig, diesen Mechanismus weiter aufzuklären.

Und daran würde sich dann die entscheidende Frage anschließen: Lässt sich der Placebo-Effekt gezielt nutzen und verstärken, ohne dass Arzt und Patient sich selbst betrügen müssen? Und wenn nein, welche Folgerung ziehen wir daraus?