Seit Tagen sterben keine Menschen mehr an der Schweinegrippe. Ein Grund für Entwarnung ist dies für die WHO nicht: Eine zweite Grippewelle könnte kommen.

Die Chefin der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Margaret Chan, hat vor einer zweiten, heftigeren Welle der Schweinegrippe gewarnt. Der derzeitige scheinbare Rückgang der Sterblichkeitsrate bedeute nicht, dass die Grippewelle zuende gehe, sagte Chan der britischen Financial Times vom Montag.

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"Wir hoffen zwar, dass das Virus sich totläuft", sagte Chan. Doch könne eine zweite Schweinegrippe-Welle jederzeit "mit aller Macht" zuschlagen. Wenn das geschehe, "steht uns ein großer Ausbruch bevor".

Weltweit ist die Zahl der Schweinegrippe-Kranken inzwischen auf mehr als 1000 gestiegen. Wie das EU-Zentrum für Seuchenbekämpfung (ECDC) in Stockholm mitteilte, sind bisher 929 Fälle außerhalb und 79 innerhalb Europas bestätigt. Aus den betroffenen zehn europäischen Ländern werden weiter durchweg milde Verläufe gemeldet.

In Deutschland blieb es bislang bei acht Infizierten. In allen Fällen habe die Erkrankung einen leichten Verlauf genommen, sagte Jörg Hacker, Präsident des Robert Koch-Instituts. Derzeit würden zudem zehn Verdachtsfälle geprüft. Trotz der national stabilen Lage sei es für eine Entwarnung zu früh. "International nehmen die Zahlen weiter zu", sagte Hacker.

In ihrem Ursprungsland Mexiko ist die Schweinegrippe nach Angaben der Regierung weitgehend unter Kontrolle. "Wir haben das Virus erfolgreich zurückgedrängt oder zumindest seine Ausbreitung verlangsamt, weil unsere Maßnahmen richtig waren", sagte Präsident Felipe Calderón. Der weitgehende Stillstand des öffentlichen Lebens hat die Ausbreitung verlangsamt, aber unermesslichen wirtschaftlichen Schaden angerichtet.

Die Zahl der Toten erhöhte sich in Mexiko unterdessen auf 22. Drei weitere Menschen seien an der Krankheit gestorben, sagte Gesundheitsminister José Angel Córdova. Den letzten Todesfall habe es am 29. April gegeben. Die Zahl der Erkrankungen in dem Land stieg auf 568.

Calderón warf einigen Staaten vor, diskriminierende Maßnahmen gegen seine Landsleute ergriffen zu haben: Dies geschehe aus "Unwissenheit und Fehlinformation", sagte er, ohne ein Land beim Namen zu nennen. Der mexikanische Botschafter in China hatte zuvor mitgeteilt, dort seien mehr als 70 Mexikaner auf die Isolierstation eines Krankenhauses gebracht worden. Einige davon hätten keine Symptome der Schweinegrippe gezeigt. Die mexikanische Regierung kündigte daraufhin an, ein Flugzeug nach China zu schicken, um die Landsleute auszufliegen.

Auch Hongkong griff zu einer drastischen Aktion gegen die Schweinegrippe: Es stellte das gesamte Hotel Metropark mit 300 Gästen und dem Hotelpersonal für sieben Tage unter Quarantäne. Dort hatte ein 25 Jahre alter Mexikaner übernachtet, bei dem später Schweinegrippe diagnostiziert worden war.

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(dpa/AP/beu)