Wissenschaftler haben zwei menschliche Antikörper entdeckt, die in Laborversuchen mehr als 90 Prozent aller bekannten HIV-Stämme stoppen konnten. Das nährt die Hoffnung auf einen Impfstoff.

Ein amerikanisches Forscherteam hat zwei menschliche Antikörper entdeckt, die im Labor mehr als 90 Prozent aller bekannten HIV-Stämme stoppen können. Die Proteine mit den Bezeichnungen VRC01 und VRC02 neutralisieren damit mehr HIV-Stämme als alle anderen bisher bekannten Antikörper, wie die Wissenschaftler um John Mascola von den Gesundheitsforschungsinstituten (NIH) der USA im Fachmagazin Science (online) berichten.

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Der Antikörper VRC01 (grün und blau) findet einen bestimmten Teil des HIV-1 (rot) und dockt dort an. Andere Virus-Teile sind grau dargestellt. (© Peter Kwong, Jonathan Stuckey, Tongquing Zhou)

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Die Forscher hoffen, anhand der Antikörper die Aidsinfektion besser verstehen und vielleicht sogar einmal einen Impfstoff entwickeln zu können.

"Die Entdeckung dieser extrem breit neutralisierenden Antikörper [...] ist ein aufregender Fortschritt, der unsere Bemühungen um die Entwicklung einer präventiven HIV-Impfung für den weltweiten Einsatz beschleunigen wird", sagte der Direktor des NIH-Instituts für Allergologie und Infektionskrankheiten (NIAID) in Bethesda, USA, Anthony S. Fauci. "Das Vorgehen des Forscherteams zur Entdeckung der Antikörper ist eine neue Herangehensweise, die für die Entwicklung und Anwendung einer Impfung gegen viele andere ansteckende Krankheiten genutzt werden könnte."

Mehr als ein Vierteljahrhundert nach der Identifizierung des HI-Virus, das weltweit für 30 Millionen Todesfälle verantwortlich gemacht wird, ist es bislang noch nicht gelungen, einen Impfstoff zu entwickeln, weil das Virus ständig die Proteine auf seiner Oberfläche ändert. Es wird deshalb vom Immunsystem des Menschen nicht aufgespürt. Die Fähigkeit zur schnellen Mutation führte darüber hinaus zu einer großen Zahl von Varianten des HI-Virus.

Die jetzt entdeckten Antikörper würden sich aber "an einen praktisch unveränderlichen Teil des Virus anheften, und das erklärt, warum sie eine so außerordentlich große Zahl von HIV-Stämmen neutralisieren können", erläuterte John Mascola.

Die Wissenschaftler hatten die Antikörper aus dem Blut eines HIV-infizierten Patienten isoliert. Dazu benutzten sie ein eigens modifiziertes HIV-Protein.

VRC01 und VRC02 blockieren eine Andockstelle des Virus, mit dem es sich an die Zelle heftet, die es infizieren will. Ist diese CD4-Bindestelle besetzt, kommt das Virus nicht zum Zug.

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(sueddeutsche.de/dpa/AFP/cosa/mcs)