Vor 60 Jahren riss ein Mann die letzte Mauer ein, die der Fliegerei noch im Weg stand. Als erster Mensch durchbrach der amerikanische Pilot Charles Elwood Yeager mit einem Raketenflugzeug die Schallmauer.
Der Körper schmerzt, als Charles Elwood Yeager an diesem Morgen in den Flieger klettert. Ein paar Tage zuvor hatte er beim abendlichen Ausritt ein Gatter übersehen.
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Charles Elwood Yeager mit einem Modell seiner "Bell X-1" (© Foto: AP)
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Das Pferd warf ihn ab, und der Mann, der bislang jedes noch so bockige Flugzeug zähmen konnte, fiel aus dem Sattel. Yeager brach sich zwei Rippen.
Ein Testpilot aber kennt keinen Schmerz. Erst recht nicht, wenn er Geschichte schreiben will. Und Charles Yeager, den alle nur "Chuck" nennen, spürt, dass es an diesem Tag so weit sein kann.
Heute, am 14. Oktober 1947, will er eine der letzten Mauern einreißen, die der Fliegerei noch im Weg stehen: die Schallmauer.
Wie eine unsichtbare Wand hatte sie bislang allen Piloten getrotzt, die schneller als der Schall fliegen wollten. Wer ihr zu nahe kam - und den Höllenritt überlebte -, wusste von seltsamen Vorgängen zu berichten: Tragflächen verformten sich, Steuerknüppel zeigten keine Wirkung mehr, Flugzeuge zog es steil bergab.
Respekt vor dem Tempolimit
Piloten und Konstrukteure erzählten voller Respekt von dem nicht zu knackenden Tempolimit, Aerodynamiker konnten es nur teilweise erklären: Luft werde, so die noch heute gültige Theorie, nahe der Schallgeschwindigkeit derart stark komprimiert, dass sich Stoßwellen bilden.
Der Luftwiderstand steige stark an, durch Verwirbelungen verliere das Leitwerk an Wirkung. Zudem, rechneten Theoretiker damals vor, müssten diese Kräfte kurz vor Erreichen der Schallgeschwindigkeit langsam aber sicher ins Unendliche steigen.
Chuck Yeager glaubt nicht an Formeln. Der Kampfpilot, der nie eine Hochschule besucht hat, vertraut - wie in all den Versuchen zuvor - auf sein Fluggefühl. Langsam rollt seine Maschine, eine B-29, zur Startbahn. Yeager sitzt im hinteren Teil des Flugzeugs, auf einer Metallkiste, auch dieses Mal ist er nicht angeschnallt. Unten im Bombenschacht hängt sein Mini-Flugzeug.
Bell X-1 heißt es offiziell. Yeager hat es Glamorous Glennis getauft, zu Ehren seiner Frau Glennis. Es sieht aus wie eine große Bombe, an die jemand flache Stummelflügel und großes Leitwerk geschraubt hat. Vier Raketenmotoren sollen die Maschine auf ungeahnte Geschwindigkeiten beschleunigen. Die Triebwerke am Boden zu zünden und mit ihnen abzuheben, wäre zu gefährlich. Daher transportiert die B-29, der leistungsfähigste Bomber seiner Zeit, das kostbare Gut auf seine Einsatzhöhe.
Experimente mit Raketen-Flugzeugen
Ganz so viel Vorsicht ließen die Deutschen nicht walten, als sie zehn Jahre zuvor erstmals mit Raketen-Flugzeugen experimentierten. Viele Forscher zweifelten zu jener Zeit, dass ein Flugzeug jemals sicher von einer Rakete beschleunigt werden könnte: Die Maschine, so die gängige Meinung, werde sich überschlagen.
Um das Gegenteil zu beweisen, musste ein Propeller-Jagdflugzeug vom Typ He 112 herhalten, in dessen Heck Ingenieure eine Rakete montierten. Und die Maschine flog tatsächlich, nur nicht allzu lange: Kurz, nachdem Testpilot Erich Warsitz im Juni 1937 die Rakete zündete, drangen Qualm und Gase ins Cockpit ein, die Temperatur stieg auf bedenkliche Werte. Warsitz konnte die Maschine nur mit Mühe notlanden. "Kaum war ich draußen, brannte sie auch schon", erzählte er später.
Die Entwickler gaben nicht auf und bauten mit der Messerschmidt Me 163 vier Jahre später das erste, von einer Rakete angetriebene Serienflugzeug. Der Abfangjäger flog schneller als 1000 Kilometer pro Stunde. Er klopfte an der Schallmauer, durchbrechen konnte aber auch er sie nicht - und das, obwohl die Ingenieure in Peenemünde bereits über einen Überschall-Windkanal verfügten.
Parallel zu den Arbeiten in Nazi-Deutschland tüftelten auch die Briten an einem Überschall-Flugzeug. Die Entwürfe der Miles M.52 schienen vielversprechend, doch wenige Monate vor dem ersten Testflug stellte die finanziell klamme Regierung das Projekt ein. Die Pläne wurden an die amerikanische Bell Aircraft Corporation weitergegeben. Sie wurden zur Grundlage für die Bell X-1.
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Schuldenkrise in Griechenland