Historische Tonaufnahme des Reichskanzlers Der Alte verfügte offenbar über Humor

Seit Montag ist klar, wen Wangemann auf seiner Reise durch Europa sonst noch aufzeichnete: den Gesang deutscher und ungarischer Barden; den greisen Generalfeldmarschall Helmuth von Moltke, der aus Goethes Faust rezitiert (geboren 1800 und damit wohl der älteste Mensch ist, dessen Stimme konserviert wurde). Und eben Otto von Bismarck, der das Deutsche Reich mit List und Geld und drei Kriegen gründete und damals der ärgste Feind der Sozialdemokatie war.

Wangemanns Besuch bei den Bismarcks und die Aufzeichnung sorgte seinerzeit für Schlagzeilen: "Die deutsche und die internationale Presse hat darüber berichtet", sagt Stiftungschef Lappenküper zur SZ, auch Bismarcks Gemahlin Johanna habe in einem Brief davon geschrieben.

Zuerst habe Wangemann einige Aufnahmen abgespielt, bevor der Kanzler einsprach. Bismarck, in seinem Denken eher in der vorindustriellen Zeit verankert, war offenbar angetan von der neuen Technik: "Sie scheinen alle fasziniert gewesen zu sein", sagt Lappenküper. Der Besuch dauerte mehrere Stunden, am Ende verpasste Wangemann sogar seinen Zug nach Berlin.

Die Aufnahme liefert ein Mosaikstein zur Bismarck-Forschung: Bislang hieß es, der Kanzler habe eine hohe Stimme gehabt, die so gar nicht zu seiner massiven Statur gepasst habe. "Die Aufnahme scheint zu zeigen, dass Bismarck doch nicht so fistelig geklungen hat", so Lappenküper. Seine Stimme wirke durchaus fest.

Hörstunde in Berlin

Wenige Tage später sehen sich der Reichskanzler und Wangemann wieder. In Berlin hören sie sich die Aufnahme an, wohl im Beisein von Bismarcks Sohn Herbert, als Staatssekretär im Auswärtigen Amt quasi Außenminister seiner Majestät. Dabei müssen angeblich die Zuhörer sagen, ob sie die Stimme, die da aus dem Apparat knarzt, zuordnen können - angeblich mit mäßigem Erfolg.

Am Ende der 72 Sekunden zeigt sich, dass Bismarck über Humor verfügte. Da gibt er den "Rat eines Vaters an seinen Sohn": Er möge nicht zu viel arbeiten, nicht zu viel essen und trinken.

"Das sagte er wohl mit einem Augenzwinkern", merkt Historiker Lappenküper an: Schließlich war Otto von Bismarck selbst dafür bekannt, bei Tisch große Mengen zu vertilgen.