Die Temperatur fiel mit jedem Tag weiter. In Berlin erreichte sie am 10. Januar 1709 minus 30 Grad. Vor Kälte bibbernd, erwachten die Menschen mit am Bettzeug festgefrorenen Nachtmützen. In Paris herrschten tags darauf minus 18 Grad. Selbst am Hofe des Sonnenkönigs Ludwig XIV. gelang es kaum, gegen die Kälte anzuheizen.

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Eine Herzogin schrieb aus dem Schloss Versailles an ihre Tante in Deutschland: "Ich sitze am lodernden Feuer, einen Vorhang vor der geschlossenen Tür, mit Zobelfell um meinen Hals und meine Füße in einem Bärenfell. Und doch zittere ich vor Kälte, so dass ich kaum den Schreiber halten kann."

In normalen Haushalten waren die Feuerholz-Vorräte schnell aufgebraucht. Von Skandinavien bis Italien, von Polen bis Portugal erfroren ganze Familien in ihren Wohnungen. Viele Menschen verloren Gliedmaßen, Ohren oder Nase. Der Frost verstümmelte auch Tiere, Hähne verloren ihren Kamm. Epidemien breiteten sich aus. Auf Marktplätzen wurden Feuerstellen errichtet, an denen sich die Armen wärmen sollten.

Kein Ankommen gegen die Kälte

Doch gegen die Kälte war kein Ankommen. In ganz Europa erfroren Reisende auf den Straßen. Wie die meisten anderen Städte blieb Paris drei Monate von Nahrungsmittel-Lieferungen abgeschnitten. Viele Betriebe standen still. In Berlin mussten manche Schichten alle zwei Stunden abgelöst werden - und selbst in dieser kurzen Arbeitszeit riskierten die Arbeiter in der Kälte ihr Leben. Hungersnöte brachen in ganz Europa aus. Und wer noch Brot besaß, benötigte ein Beil, um die gefrorenen Klumpen zu teilen.

Fast alles verwandelte sich in Eis. Der Frost sprengte Bäume, ließ den Boden metertief erstarren und die Gewässer in Europa zufrieren. Themse, Seine, Elbe, Donau oder Rhein waren mit Pferdewagen passierbar. An Bodensee und Zürichsee hieß es "Seegfrörni".

Auch die Ostsee war zu Fuß passierbar - bis April. In Danzig konnten bis Mai wegen Eisgangs keine Schiffe den Hafen anlaufen, dafür konnte man dort sechs Monate lang Schlitten fahren. Venedigs Lagune blieb bis April eine Eisplatte, die Kanäle der Stadt erstarrten bis auf den Grund. In der Bucht von Marseille und vor Ligurien fror das Mittelmeer zu. Selbst die Mündung des Tejo in Lissabon bedeckte Eis. Zitronenbäume, Palmen, Rebstöcke und Olivenbäume erfroren.

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