Hirnforschung Sympathische Bewegung

Ob wir bestimmte Menschen mögen oder nicht, hat einen Einfluss darauf, wie wir ihre Bewegungen wahrnehmen. So reagiert unser Gehirn unterschiedlich auf eine simple Handbewegung - je nachdem, ob sie ein angeblicher Nazi ausführt oder ein Sympathieträger.

Von Thomas Wagner-Nagy

Ob wir eine Person mögen oder nicht, beeinflusst die Art und Weise, wie unser Gehirn deren Bewegungen wahrnimmt und verarbeitet. Und diese verzerrte Wahrnehmung kann beispielsweise dazu führen, dass uns die Bewegungen einer ungeliebten Person langsamer erscheinen, als sie tatsächlich sind, berichtet eine Hirnforschergruppe der University of Southern California im Fachjournal Plos One (online).

Gewöhnlich setzt ein "Spiegeleffekt" ein, wenn Menschen die Bewegungen anderer sehen. Dabei werden schon beim Zuschauen Teile unseres Gehirns im sogenannten prämotorischen Kortex aktiviert, die für Motorik zuständig sind.

"Wir wollten die Grundsatzfrage klären, ob soziale Faktoren unsere Wahrnehmung von einfachen Handlungen beeinflussen", sagt Lisa Aziz-Zadeh vom Brain and Creativity Institute der kalifornischen Universität. Die Forscher überprüften ihre These an einer Gruppe von 19 jüdischen Männern.

Den Probanden wurden Videosequenzen von fremden Personen vorgeführt, die diese bei simplen Bewegungen zeigten. So führten sie etwa eine Wasserflasche zum Mund. Die zu beobachtenden Personen wurden zuvor in zwei Gruppen unterteilt und mit einer Vorgeschichte belegt: Die eine Hälfte wurden als Neo-Nazis, die andere als liebenswürdig und aufgeschlossen vorgestellt, um bei den Studienteilnehmern Antipathie oder Sympathie zu erwecken.

Sahen die Probanden nun Bewegungen eines vermeintlichen Neo-Nazis, zeigten Aufnahmen mittels funktioneller Magnetresonanztomographie ein anderes Aktivitätsmuster im prämotorischen Kortex als beim Anblick der sympathischen Personen. Der veränderte Effekt stellte sich jedoch nur ein, wenn sich die zu betrachtende Person bewegte. Bei Standbildern zeigte die motorische Hirnregion keine unterschiedliche Aktivität.

"Selbst solch ein grundlegender Prozess wie die Verarbeitung von Bewegungseindrücken wird von sozialen Faktoren, beispielsweise persönlicher Beziehung und der Zugehörigkeit zu einer sozialen Gruppe moduliert", folgert Erstautorin Mona Sobhani.

Frühere Studien konnten bereits zeigen, dass ethnische Zugehörigkeit und körperliche Ähnlichkeit beobachteter Mitmenschen Hirnprozesse beeinflussen. So neigen Menschen offenbar dazu, mehr Empathie für Personen zu entwickeln, die ihnen selbst ähneln.