Um 40 Prozent soll der CO2-Ausstoß in Deutschland bis zum Jahr 2020 sinken. Wie das gehen könnte, rechnet das Aachener Institut EUtech vor, dessen Studie "Plan B" am Donnerstag von Greenpeace in Berlin vorgestellt wurde. Das Besondere daran: Die Experten gehen sogar von einem vorzeitigen Atomausstieg bis 2015 aus.

Das Rezept ist eine Kombination aus mehr Energieeffizienz und drastischem Ausbau erneuerbarer Energien. "Plan A" ist übrigens aus Sicht von Greenpeace das Konzept der Bundesregierung. Das aber sei gescheitert.

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INDUSTRIE: Durch mehr Effizienz soll die Industrie bis 2015 rund 8,8 Prozent des Stromverbrauchs einsparen. Greenpeace setzt dafür auf die Festlegung eines "Mindest-Effizienz-Standards" für Antriebe, Kompressoren oder Beleuchtung. Bis 2020 seien auf diesem Weg weitere Einsparungen möglich. Der Brennstoffeinsatz lässt sich demnach mit bereits bekannten und erprobten Technologien um sechs bis sieben Prozent senken. Allein in den Branchen Zement, Glas und Metall könnten so bis 2020 mindestens 2,2 Millionen Tonnen CO2 eingespart werden.

PRIVATE HAUSHALTE, HANDEL UND DIENSTLEISTER: Die Studie geht von einem wachsenden Bedarf an elektrischen Geräten, EDV-Anlagen sowie Kühl- und Klimaanlagen aus, die zusätzlich Strom verbrauchen. Dennoch soll der Stromverbrauch privater Haushalte bis 2020 um 25 Prozent sinken. Kleinere Einsparungen gelten auch bei sonstigen Verbrauchern als möglich. Wichtigster Ansatzpunkt ist demnach eine verbindliche Festlegung von Verbrauchsgrenzwerten für Elektrogeräte. Dabei sollen jeweils die besten verfügbaren Geräte zum allgemeinen Maßstab werden (Top-Runner-Prinzip). Der Brennstoffeinsatz für Raumwärme und Warmwasser soll bis 2020 um zwölf Prozent sinken, angeregt durch Förderprogramme und eine Verschärfung der Energieeinsparverordnung.

VERKEHR: Hier gab es laut Greenpeace seit 1990 eine Zunahme des CO2-Ausstoßes um fast sieben Prozent, vor allem durch den Trend zu leistungsstärkeren und schwereren Fahrzeugen. Gefordert wird eine verbindliche Obergrenze für den Kraftstoffverbrauch der Autos insgesamt, um Hersteller und Handel zur stärkeren Vermarktung der bereits vorhandenen Fahrzeuge mit niedrigerem Verbrauch zu veranlassen. Ziel ist bis 2020 ein Durchschnittsverbrauch bei Neuwagen von 4,5 Liter Kraftstoff auf 100 Kilometer. Greenpeace hält sogar einen Durchschnittswert von drei Liter für machbar. Bis 2020 sollen so jährlich 24,6 Millionen Tonnen CO2 eingespart werden. Der Energiebedarf im Verkehr soll um 12,5 Prozent sinken.

ERNEUERBARE ENERGIEN: Da diese Einsparungen zum Erreichen der Klimaziele nicht reichen, sollen parallel erneuerbare Energien massiv ausgebaut werden. Besonders viel verspricht sich Greenpeace von Windanlagen auf See und von der Nutzung der Erdwärme (Geothermie) zur Wärmegewinnung. Insgesamt soll der Anteil der Erneuerbaren bis 2020 knapp verdreifacht werden, bei Strom auf dann etwa ein Drittel des Gesamtbedarfs. Bei Biomasse wird noch bis 2015 ein Zuwachs erwartet, der dann aber aus Naturschutzgründen an Grenzen stoße.

KWK-ANLAGEN: Einen wesentlichen Anwendungsbereich der Geothermie sieht Greenpeace in Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen. Verlangt wird dazu ein Gesetz für die regenerative Wärmeerzeugung. Aber auch sonst sollen die KWK-Anlagen mit ihrem besonders hohen Wirkungsgrad ausgebaut werden. In Finnland oder Dänemark liegt ihr Anteil demnach bereits bei 40 bis 50 Prozent, in Deutschland nur bei rund zehn Prozent. Bis 2020 wird eine Verdreifachung der KWK-Leistung angestrebt, was neben der Wärmegewinnung knapp 40 Prozent des Stromverbrauchs decken könnte. Ein wichtiges Steuerinstrument sieht Greenpeace hierfür im Emissionshandel.

ZIEL: Der Primärenergieverbrauch soll bis 2015 um 29 Prozent sinken und bis 2020 um 37 Prozent. Voraussetzung ist neben den 12,5 Prozent Einsparung im Verkehr auch ein Minus von 15 Prozent beim Strom und von etwa elf Prozent bei der Wärmegewinnung. Der Anteil erneuerbarer Energien würde von heute zehn Prozent bis dahin auf 33 Prozent steigen. Weitere Klimaeffekte soll der Abbau sonstiger Treibhausgase wie Methan und Lachgas erzielen.

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(AFP)