Hintergrund Gift aus der Babyflasche?

Über die Kunststoff-Komponente Bisphenol A tobt seit Jahren ein heftiger Expertenstreit.

Von Katrin Blawat

Wie gefährlich ist die Chemikalie Bisphenol A (BPA) für den Menschen? Darüber streiten Experten seit Jahren. Versuche an Ratten haben gezeigt, dass das hormonähnlich wirkende BPA bei Neugeborenen schon in kleinsten Mengen Fehlbildungen und Schäden im Nervensystem auslöst.

Inwieweit sich diese Erkenntnisse auf den Menschen übertragen lassen, darüber gibt es sehr unterschiedliche Meinungen. Die europäische Lebensmittelbehörde Efsa kam vor zwei Jahren zu dem Schluss, dass Babys weniger empfindlich auf BPA reagierten als Ratten, da die Substanz im menschlichen Körper rasch zu harmlosen Substanzen abgebaut werde.

Als Grundlage für ihr Urteil dienten der Behörde industriefinanzierte Studien, die keine negativen Effekte gefunden hatten. Daraufhin erhöhte die Efsa die zulässige Höchstmenge an BPA, die ein Mensch pro Tag schlucken darf, auf 50 Mikrogramm pro Kilogramm Körpergewicht. Davor hatte die Grenze bei 10 Mikrogramm gelegen.

Toxikologen kritisieren die Entscheidung der Lebensmittelbehörde scharf. In Studien erbringen sie immer wieder Hinweise darauf, dass BPA auch der menschlichen Gesundheit schadet. Dabei galten lange Zeit vor allem Föten und Neugeborene als gefährdet. Nach jüngsten Erkenntnissen besteht aber möglicherweise bei Erwachsenen ein Zusammenhang zwischen BPA und Herz-Kreislauf-Krankheiten sowie Diabetes.

Weltweit werden jedes Jahr mehr als zwei Millionen Tonnen BPA produziert. Die Substanz dient als Ausgangsstoff für viele Polycarbonate. Das sind Kunststoffe, aus denen zum Beispiel CDs und DVDs hergestellt werden, aber auch Babyfläschchen und Innenbeschichtungen für Getränkedosen. Aus den Behältnissen können geringe Mengen BPA in die Nahrung gelangen. In Kanada sind Babyflaschen aus BPA-haltigen Polycarbonaten bereits verboten. Mittlerweile gibt es auch in Deutschland einige Fabrikate, die laut Aufdruck BPA-frei sind.