Von Markus C. Schulte v. Drach

Nach jahrelanger Forschung ist es kürzlich gelungen, den Nachweis zu erbringen: Der Aids-Erreger ist von zentralafrikanischen Schimpansen auf Menschen übergegangen.

Sieben Jahre feilten die Wissenschaftler der Universität Alabama in Birmingham an einer Methode, mit der sich auch kleinste Spuren ihres Forschungsobjekts nachweisen lassen sollten.

Ursprung des HIV: Schimpansen Bild vergrößern

Schimpansen tragen häufig das SI-Virus. (© Foto: AP)

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Dann schlugen sie sich durch den dichten afrikanischen Dschungel am Sanaga-Fluss in Kamerun und sammelten insgesamt mehr als 1300 Proben von Affen-Exkrementen. Und sie wurden fündig.

Wie Beatrice Hahn und ihre Kollegen aus den USA und Europa kürzlich im Fachmagazin Science berichteten, konnten sie im Schimpansen-Kot Erbgutbestandteile des so genannten Affen-Immundefizienz-Virus' (SIV) und Antikörper gegen diesen Erreger nachweisen.

Dieses Virus hat große Ähnlichkeit mit dem Erreger der Immunschwäche Aids, dem HIV-1, und es wird bereits seit Längerem vermutet, dass sich das HI-Virus aus dem SIV entwickelt hat.

Bislang war das SIV allerdings nur in Schimpansen in Gefangenschaft nachgewiesen worden.

Hahn und ihrem Team ist es mit ihrer Studie nun offenbar gelungen, den Ursprung des HI-Virus zu finden: Populationen der zentralafrikanischen Schimpansenart Pan troglodytes troglodytes.

Zwischen 29 und 35 Prozent der Tiere in den untersuchten Schimpansengruppen waren infiziert. Das SIV scheint das Leben seiner Wirte - anders als das HIV-1 - nicht zu bedrohen.

"Klares Bild von den Wurzeln der Aids-Pandemie"

Wie die Wissenschaftlerin berichtet, zeigte ein Vergleich der Erreger, die ihr Team im Affenkot fand, mit dem Aids-Erreger eine "erstaunliche" genetische Übereinstimmung.

Die SIV-Antikörper aus 34 Proben reagierten sogar mit menschlichen HIV-Antigenen. Und in zwölf Fällen ließen sich die Testergebnisse der Affen "so gut wie nicht mehr unterscheiden" von Kontrolltests an Menschen mit HIV.

Man habe damit erstmals "ein klares Bild von der Entstehung von HIV-1 und den Wurzeln der Aids-Pandemie", erklärte Hahn.

Wie aus dem SIV das HI-Virus entstanden ist und wann und wo erstmals Menschen mit dem Virus infiziert wurden, ist allerdings noch unklar. Der erste dokumentierte Fall einer HIV-Infektion bei Menschen trat 1959 bei einem Mann in Kinshasa, der Hauptstadt des Kongo, auf.

Auch im Kongo gibt es Gruppen frei lebender Schimpansen, die möglicherweise das SIV tragen, so dass die erste Infektion tatsächlich dort stattgefunden haben könnte - etwa über den Biss eines Affen oder beim Schlachten eines infizierten Menschenaffen. Eine andere Möglichkeit ist, dass sich Menschen in Kamerun infiziert hatten und sich das Virus über den Sanaga, eine bedeutende Wasserstraße der Region, ausgebreitet haben könnte.

Hahn und andere Wissenschaftler hatten bereits früher vermutet, dass sich Menschen schon im frühen 20. Jahrhundert bei Schimpansen mit Aids-Viren infiziert haben. Doch auch unsere nahen Verwandten waren ihrer Einschätzung nach nicht der ursprüngliche Wirt der Erreger. Die Primaten haben sich möglicherweise selbst bei anderen zentralafrikanischen Affen mit einer Form des SIV infiziert.

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(sueddeutsche.de)