Von Felicitas Witte

Bluttest zur Bestimmung drohender Herz-Kreislauf-Leiden sind in Arztpraxen an der Tagesordnung. Der der Nutzen mancher Biomarker ist gering.

Jeder zweite Todesfall in Deutschland ist auf ein Herz-Kreislauf-Leiden zurückzuführen. Die Beschwerden, die frühzeitig darauf hinweisen könnten, sind aber nicht immer eindeutig. Ärzte versuchen daher, mit Biomarkern zu erkennen, wer gefährdet ist und behandelt werden sollte. Biomarker entstehen im Körper und können auf Krankheiten hindeuten. So gilt ein erhöhter Blutzuckerspiegel als Marker für Diabetes.

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Doch um Herz-Kreislauf-Leiden früh zu erkennen, eignen sich Biomarker offenbar nicht. Dies zeigen Ärzte um Olle Melander von der Uniklinik Malmö im Journal of the American Medical Association (Bd.302, S.49, 2009). Sie bestimmten bei 5000 gesunden Probanden sechs Biomarker: CRP und BNP, bei denen ein Zusammenhang mit Herzkrankheiten schon länger diskutiert wird, sowie vier Werte, die erst seit kurzem mit erhöhten Risiken in Verbindung gebracht werden.

Nach 13Jahren zeigte sich, dass die Marker kaum besser zur Prognose geeignet waren als herkömmliche Risikomerkmale wie Rauchen oder ein erhöhter Cholesterinspiegel. Ob eine vorbeugende Behandlung sinnvoll ist, beispielsweise mit einem Cholesterin-Senker, verrieten die Marker auch nicht.

Offenbar wird insbesondere CRP zu häufig bestimmt. Erhöhte Werte sollen auf ein Risiko für Arteriosklerose und verengte Kranzarterien hinweisen. In Arztpraxen und ambulant im Krankenhaus wurde der 5,40 Euro teure Test im letzten Jahr 300.000-mal gemacht. "Um das Risiko abzuschätzen, brauchen wir kein CRP", sagt jedoch Georg Ertl, Chef der Inneren Medizin an der Uniklinik Würzburg.

"Blutdruck, Alter, Blutfettwerte, Geschlecht, Nikotinkonsum, Lebensstil oder Herzkrankheiten bei Verwandten sagen uns ziemlich genau, ob jemand ein erhöhtes Risiko hat." Außerdem können CRP-Werte genetisch bedingt ansteigen, ohne das Risiko für Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erhöhen. "CRP sollte man nur bei Patienten bestimmen, bei denen das Risiko noch unklar ist", sagt Ertl.

Anders sieht es bei der Diagnose aus. Der Marker Troponin beispielsweise deutet auf einen Herzinfarkt hin. "Wenige Stunden nach dem Infarkt können wir erhöhte Werte nachweisen", sagt Michael Christ, Leiter der Notaufnahme am Klinikum Nürnberg. "Solche Biomarker lassen sich schnell, einfach und zu vertretbaren Kosten bestimmen und helfen, die richtige Therapie zu wählen."

Ein weiterer Biomarker für eine rasche Diagnose ist BNP: Ein erhöhter Wert weist darauf hin, dass eine akute Atemnot durch Herzschwäche verursacht wird und nicht durch andere Krankheiten. "BNP ist nützlich", sagt auch Georg Ertl. "Er braucht aber nicht bei jedem Patienten gemessen zu werden." Wenn die Diagnose schwierig sei, könne der Test helfen.

BNP-Tests sollen laut Hersteller aber nicht nur die Diagnose unterstützen, sondern auch die Therapie bei Herzschwäche besser abstimmen helfen. Wie Kardiologen kürzlich zeigten, scheinen aber nur Menschen zwischen 60 und 75 Jahren von einer BNP-gesteuerten Therapie zu profitieren: Erhielten Patienten mit erhöhten BNP-Werten mehr Medikamente, kamen sie in den folgenden Jahren seltener ins Krankenhaus. Zudem starben weniger als in der Gruppe, in der BNP nicht bestimmt wurde. Die über 75-Jährigen hatten nach BNP-gesteuerter Therapie hingegen öfter Nebenwirkungen wie Blutdruckabfall oder Nierenversagen.

"Für jeden Marker muss erst bewiesen werden, ob er zusätzliche Informationen liefert und ob er die Therapieentscheidung so beeinflusst, dass auch der Patient etwas davon hat", sagt der Kardiologe Ertl.

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(SZ vom 01.07.2009)