Die E-Mail, an der sich Klimaskeptiker reiben, stammt aus dem Jahr 1999 und ist von Phil Jones selbst. Er schreibt darin, er habe den "Trick" von Michael Mann (dem Hauptautor der Hockeyschlägerkurve) angewandt, um rekonstruierte und gemessenen Temperaturwerte in einer Kurve zu vereinigen und "den Rückgang zu verstecken".

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Darin sieht zum Beispiel der emeritierte Klimaforscher Patrick Michaels, der die Folgen des Klimawandels gerne verharmlost, einen Beweis für Manipulationen. "Es ist nicht nur eine rauchende Pistole, sondern eine Atompilzwolke", zitiert ihn die New York Times. Der angegriffene Jones hat die Passage inzwischen als authentisch, aber harmlos dargestellt. "Das Wort 'Trick' ist umgangssprachlich benutzt worden im Sinne von 'eine clevere Sache'. Es ist aberwitzig anzudeuten, dass es sich auf etwas Ungehöriges beziehe." Und beim "Rückgang" geht es um eine breit diskutierte unklare Veränderung bei Baumring-Daten, die aber aus einer Zeit stammen, als längst Thermometer zuverlässige Messwerte lieferten.

Gelegentlich ein böses Wort

Auch Stefan Rahmstorf verteidigt den englischen Kollegen. "Was da mit den Daten passiert, wird in dem späteren Papier genau erklärt. Nur benutzt man eben in einer E-Mail einen lockereren Ton als in einer wissenschaftlichen Publikation." Auch seine eigenen E-Mails seien offenbar authentisch, sagt der Potsdamer Forscher. So kurz vor Kopenhagen schreckten die Klimaskeptiker "auch vor kriminellen Methoden nicht zurück". Er hält es prinzipiell für "illegitim, persönliche E-Mails zu lesen, nur weil sie im Netz stehen", aber er müsse sich auch nicht schämen. "Die Korrespondenz zeigt zum Beispiel die lebendige, kontroverse, aber sachliche Diskussion darüber, wie man die publizierte Fachliteratur am besten für den IPCC-Bericht zusammenfasst."

In diesen Diskussionen setzen sich die am Mailverkehr beteiligten Forscher auch immer wieder mit Veröffentlichungen und Anfragen ihrer Kritiker auseinander, die gerne mit öffentlichen Beschuldigungen, politischer Einflussnahme und zusammengeschusterten Aufsätzen agieren. In diesem Zusammenhang fällt auch gelegentlich ein böses Wort. "Wissenschaft funktioniert doch auch nicht, weil die Menschen immer höflich sind. Die Gravitation ist nicht darum eine nützliche Theorie, weil Newton ein netter Mensch war", schrieben die Autoren von Real Climate.

Groß entschuldigen müssen sich die Forscher allerdings nicht. Zeugen der bitteren Auseinandersetzungen, in die sie verwickelt waren, verwundert eher, wie beherrscht die Wissenschaftler sogar in E-Mails an Freunde mit Skeptikern umgehen. Viel Dampfablassen passiert da nicht.

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(SZ vom 24.11.2009/beu)