Erneuerbare Energien Grüne Kraftwerke können Blackouts verhindern

Windräder in Brandenburg - Windstille muss nicht Stromausfall bedeuten, wenn man regenerative Energie geschickt vernetzt

Für Ökostrom gilt angeblich: Wenn der Wind nicht weht und die Sonne nicht scheint, drohen Blackouts. Doch stimmt das überhaupt? Ein Test zeigt, dass auch erneuerbare Energien eine stabile Frequenz und Spannung im Netz gewährleisten können.

Von Christopher Schrader

Zwei Windparks in Brandenburg, zwölf Solaranlagen in der Region Kassel und drei Biogaskraftwerke in Hessen und Rheinland-Pfalz haben am Mittwoch gezeigt, was sie können.

Statt dauernd so viel Strom ins Netz zu speisen wie irgend möglich, folgten die Anlagen einer Art Verkehrspolizei, produzierten mal ein Viertel weniger, mal mehr Energie, um Deutschland ohne Stromausfälle mit Elektrizität zu versorgen.

Die über der halben Republik verteilten Gerätschaften waren zu einem sogenannten Kombikraftwerk zusammengeschaltet worden. Der Test in Berlin, den das Fraunhofer-Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik (IWES) organisiert hatte, sollte demonstrieren, "dass Erneuerbare Energien eine stabile Frequenz und Spannung im Netz gewährleisten können", sagte Projektleiter Kurt Rohrig vom IWES. Blackouts seien somit auch dann nicht zu befürchten, wenn nur noch grüner Strom durch die Leitungen fließt.

Auf diesen Nachweis haben Experten gewartet. Wind und Wasser, Sonne und Biomasse tragen ein Viertel zum deutschen Stromverbrauch bei und sind von größter Bedeutung für die Energiewende. "Sie kommen aus der Nische und werden zum Pfeiler der Energieversorgung", sagte Jürgen Becker, Staatssekretär im Bundesumweltministerium. "Es ist nötig, dass sie Systemverantwortung übernehmen."

Im Stromnetz müssen angeschlossene Kraftwerke aktiv daran mitwirken, Spannung und Frequenz zu regulieren. Die europäische Netzfrequenz von 50 Hertz muss peinlich genau eingehalten werden, neigt aber zu Schwankungen, wenn eingespeiste und abgerufene Energie nicht genau übereinstimmen.

Dem können Kraftwerke entgegenwirken, indem sie ihre Einspeisung erhöhen oder senken, was eine sekundengenaue Reaktion erfordert. Außerdem wird oft sogenannte Regelenergie benötigt, um Angebot und Nachfrage in Einklang zu bringen. Hier können Kraftwerksbetreiber Geld dafür bekommen, dass sie etwa mittags eine halbe Stunde lang mehr oder nachts für drei Stunden lang weniger Strom liefern als geplant.

Von solchen Dienstleistungen sind grüne Kraftwerke bislang ausgeschlossen, weil ihre Produktion mit dem Wetter schwankt. Werden mehrere solcher Anlagen zu einem Kombikraftwerk verknüpft, können sie mögliche Ausfälle der anderen kompensieren. Wichtiger Bestandteil sind Biogas-Anlagen, die einfach den Hahn auf- und zudrehen können.

Das Kombikraftwerk, dass die IWES-Experten am Mittwoch vorgeführt haben, hat eine Gesamtleistung von 80 Megawatt; das ist nicht viel, ein einzelnes großes Kohlekraftwerk erzeugt leicht zehnmal so viel Strom.

Bei dem Test erzeugte das experimentelle Kombikraftwerk sogar nur 16 Megawatt, weil im Süden Brandenburgs nicht viel Wind wehte.

Trotzdem wollten die Projektteilnehmer demonstrieren, wie schnell sich ihr Anlagenverbund auf Anforderungen einstellen kann, die vier Megawatt höher oder niedriger lagen. Damit die Windräder auf Zuruf mehr Strom produzieren konnten, fuhren sie sozusagen mit angezogener Handbremse: Ihre Flügel waren leicht aus der optimalen Stellung gedreht.