Grüne Gentechnik Umweltschützer sagen: Gentechnik bleibt Gentechnik

Bislang hat die Grüne Gentechnik keinen guten Ruf. Manche halten sie für gefährlich für Menschen, Tiere und Umwelt. Andere kritisieren die Industrialisierung der Landwirtschaft, die mit der Verwendung von gentechnisch veränderten Pflanzen einhergehe, und befürchten schwerwiegende soziale Folgen für Bauern, besonders in armen Ländern. Lebensmittel, die Zutaten aus gentechnisch veränderten Organismen enthalten, müssen gekennzeichnet werden. Nicht weil sie eine bekannte Gefahr für die Verbraucher bergen würden, sondern um Wahlfreiheit zu ermöglichen.

Zumindest in Europa würde diese Regelung auch für jene neue Generation von Pflanzen gelten, der per Crispr-Technik Gene von Artverwandten eingepflanzt wurden, auch wenn niemand den Eingriff nachweisen könnte. Verbraucher- und Umweltschutzorganisationen machen sich bereits stark dafür, dass dies auch so bleibt. Für sie spielt es keine Rolle, welche Technik zur Anwendung kommt und auch "wo das Gen herkommt, ist unerheblich", sagt zum Beispiel Dirk Zimmermann von Greenpeace. Gentechnik bleibt für ihn Gentechnik, egal, wie das Ergebnis aussieht.

Aufklärung soll Akzeptanz schaffen

Viele Pflanzenzüchter und -forscher glauben deshalb, dass solche mit alten Genen aufgepeppten modernen Arten auf dem Markt kaum eine Chance hätten, es sei denn, sie würden von der Kennzeichnungspflicht ausgenommen. "Studien belegen, dass viele Verbraucher Vorbehalte gegenüber Produkten haben, die gentechnisch veränderte Organismen oder Teile davon enthalten", erklärt der Molekularbiologe Michael Palmgren von der Universität von Kopenhagen. Das liege vor allem daran, dass solche Produkte als fremdartig wahrgenommen werden.

Mit den neuen Werkzeugen "verwilderte" Pflanzen würden seiner Meinung nach kaum besser dastehen in der öffentlichen Meinung. Dabei ergebe es keinen Sinn, eine klassisch gezüchtete Pflanze als natürlich zu betrachten und die andere als fremdartig abzukanzeln, "allein aufgrund der Methode, mit der das selbe Ziel erreicht wurde".

Wissenschaftler fordern offene Diskussion

Zusammen mit 13 Kollegen analysierte Palmgren, warum gentechnisch veränderte Pflanzen gerade in Europa so einen schweren Stand haben. In einem Artikel in der Fachzeitschrift Trends in Plant Science suchen die Forscher auch nach Faktoren, die den neuen Pflanzen mehr Akzeptanz verschaffen könnten. Sie glauben, dass die neuen Schöpfungen nur dann eine Chance haben, wenn von Anfang an alle sozialen, ökonomischen, rechtlichen und ethischen Aspekte berücksichtigt und offen diskutiert werden.

Die Vernachlässigung dieser Themen erkannte der US-Philosoph Bernard Rollin von der Colorado State University bereits vor einigen Jahren - neben allgemein fehlendem Wissen über gentechnologische Verfahren in Öffentlichkeit - als Ursache für die breite Ablehnung der Gentechnik. Rollin prägte den Begriff "Frankensteinsyndrom" für das Unbehagen, mit dem die Bevölkerung an gentechnisch veränderte Organismen denkt. Und er glaubt, dass Aufklärung das beste Mittel dagegen wäre.