Grüne Gentechnik Studie schürt Angst vor genmanipulierten Pflanzen

Wenn die französischen Wissenschaftler recht behielten, gäben gentechnisch veränderte Pflanzen einen neuen Grund zur Sorge. Ihre Studie legt nahe, dass Toxine dieser Gewächse menschlichen Zellen schaden. Doch es gibt große Zweifel an der Untersuchung.

Von Katrin Blawat

Können die Toxine, die gentechnisch veränderte Pflanzen produzieren, menschlichen Zellen schaden? Dies legt eine Studie nahe, die nun ein Team um den französischen Molekularbiologen Gilles-Eric Séralini von der Universität Caen veröffentlicht hat (Journal of Applied Toxicology, online). Den Autoren zufolge schädigte ein hoch konzentriertes Gift des Bacillus thuringiensis (Bt) menschliche Nierenzellen. Als Reaktion auf ihre Ergebnisse fordern die Wissenschaftler, die Auswirkungen gentechnisch veränderter Pflanzen müssten besser untersucht werden, ehe diese Gewächse zugelassen werden.

Viele Gentech-Pflanzen produzieren Bt-Toxine, um damit Insekten abzuwehren. Die beobachteten Effekte seien daher "bedenklich", urteilen Séralini und seine Kollegen. Ein zweites getestetes Bt-Toxin zeigte hingegen keine Wirkung. Mitgeplant, ausgewertet und finanziert haben die Studie Mitglieder einer Stiftung sowie mehrerer Organisationen, die sich vehement gegen die Grüne Gentechnik aussprechen.

Der Lebensmittel-Toxikologe Pablo Steinberg von der Tierärztlichen Hochschule Hannover kritisiert die Studie heftig. "Sie weist eklatante Mängel auf, zum Beispiel fehlen wesentliche Kontrollversuche", so Steinberg, der Mitglied des ehrenamtlichen Gremiums Zentrale Kommission für Biologische Sicherheit ist. In der Veröffentlichung sei zwar von zelltoxischen Effekten die Rede, überzeugende Belege dafür präsentiere die Studie aber nicht.

Die Forscher untersuchten auch, wie sich das verbreitete Herbizid Roundup auf die Zellen auswirkt. Das Mittel schädigte die Nierenzellen in einer Konzentration, die den Forschern zufolge 200 Mal so niedrig lag wie in der Landwirtschaft üblich. Auch frühere Studien hatten schon auf Gesundheitsrisiken durch Roundup hingewiesen. Der Hersteller Monsanto wollte die Ergebnisse am Donnerstag nicht kommentieren.

Séralini und seine Kollegen betonen selbst, dass ihre Versuche keinen Rückschluss darüber erlauben, wie sich die Bt-Toxine von Gentech-Gewächsen auf den Menschen auswirken. "Wir haben nur einen Modell-Fall untersucht", sagt Mitautor Christoph Then vom Verein Testbiotech. "Es ist fraglich, ob die Ergebnisse auf gentechnisch veränderte Pflanzen übertragbar sind." Zweifel daran gibt es auch deshalb, weil die getesteten Toxin-Konzentrationen weit über jenen lagen, die in der Landwirtschaft üblich sind. Unabhängig von den konkreten Ergebnissen nennt Then die Zulassungsbestimmungen für Gentech-Pflanzen "verantwortungslos".