Grüne Gentechnik Schluss mit der Scheindebatte

Elektroschocks, gekaperte Mikroben und Genkanonen: Methoden der Grünen Gentechnik klingen unnatürlich, irrsinnig und selbstredend schlecht. Doch das Arsenal konventioneller Züchter enthält nicht minder verstörende Mittel. Warum es Unsinn ist, über die Grüne Gentechnik zu streiten.

Von Katrin Blawat

Im Streit über Grüne Gentechnik dominiert eine sehr reduzierte Farbpalette: Schwarz und Weiß. Allenfalls Dunkelschwarz mischt nach Ansicht vieler Kritiker noch mit, sobald es um Großkonzerne wie Monsanto, BASF, Syngenta und deren gentechnisch veränderten Mais, Raps und Soja geht. Als weiße Retter der Menschheit inszenieren sich hingegen manche Forscher, die den Eindruck vermitteln wollen, Dürren, Überflutungen und Hunger seien demnächst kein Problem mehr, ließe man sie nur in Ruhe am Getreide herum basteln.

Bequem ist eine derart holzschnittartige Diskussion für beide Seiten. Die Wortgeschütze sind seit Jahren in Stellung gebracht und gut munitioniert. Bei Bedarf feuern sie berechenbar und so schnell, dass nicht einmal auffällt: Die ganze Debatte ist Unfug.

Es bringt nichts, über Grüne Gentechnik zu streiten. Der Begriff ist so schwammig, dass kaum jemand weiß, was er eigentlich meint. Er schließt eine Vielzahl von ganz unterschiedlichen Methoden ein, die jeweils verschiedene Vor- und Nachteile haben. Sie unter einem einzigen Schlagwort zusammenzufassen und daran dann einen jahrzehntelangen Streit aufzuhängen, grenzt an Wahnsinn. Wer heute von "der Grünen Gentechnik" spricht, drückt sich damit nicht präziser aus als einer, der sich pauschal über "die Geisteswissenschaften" auslässt.

Was ist ein GVO, ein gentechnisch veränderter Organismus? Eindeutig beantworten lässt sich das nicht, und die offizielle Definition suggeriert lediglich Klarheit. In Europa gilt demnach ein Organismus als gentechnisch verändert, wenn sein Erbgut "in einer Art und Weise verändert wurde, wie sie natürlicherweise nicht durch Kreuzung und/oder natürliche Rekombination vorkommt". Anhänge verweisen noch auf einige Ausnahmen. Das ändert aber nichts an der Gesamtbilanz: Auch diese Definition hilft nicht. Sie stammt aus einer Zeit, als Wissen und Handwerkszeug der Gentechnologen noch sehr begrenzt waren. Die damals entstandene Definition auf heute zu übertragen ist in etwa so, als wolle man den heutigen Autoverkehr mit Vorschriften regeln, die sich lediglich über die Höchstgeschwindigkeit von Pferdefuhrwerken auslassen.

Natürlich hinkt der Vergleich. Der Schritt vom Pferdefuhrwerk zur Luxuslimousine oder zum Hybridauto erscheint winzig gegenüber den Entwicklungen in der Biotechnologie. In der Anfangszeit klang die Arbeit der Gentechniker auch für Laien noch einigermaßen nachvollziehbar: Bakterien oder Viren werden zu "Genfähren" umfunktioniert. Die Mikroben werden mit irgendeiner DNA bestückt - von Pflanze oder Tier, ganz egal - und dann dazu gebracht, diese artfremden Gene in die Pflanzenzellen einzuschleusen. Alternativ werden Zellen mit Elektroschocks behandelt. Oder es kommt die Genkanone zum Einsatz, die tatsächlich so ziellos DNA-Schnipsel in Pflanzenzellen donnert, wie es ihr Name ahnen lässt.

Beispiele wie dieses lehrten bis weit in die Öffentlichkeit hinein: Die Grüne Gentechnik setzt sich über alle "natürlichen" Grenzen hinweg, sie vermischt ganz verschiedene Arten, und anscheinend funktioniert das nur mit kriegsähnlichem Gerät. Elektroschocks, gekaperte Mikroben und Genkanonen rufen eben andere Assoziationen hervor als Gregor Mendel und seine Erbsen im Klostergarten.