Influenza: Der Name tauchte im 18. Jahrhundert in Italien auf. "Influenza di freddo", den Einfluss der Kälte machten die Menschen damals verantwortlich. Damit haben Grippe-Erkrankungen jedoch nichts zu tun. Sie gehen auf die Infektion mit Influenza-Viren zurück. Von diesen gibt es die Typen A, B und C. Für den Menschen sind besonders Typ A, seltener auch Typ B gefährlich. Typ A verändert sich ständig und ist hoch ansteckend.

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H5N1: So lautet das Kürzel für den gegenwärtig kursierenden Erreger der Vogelgrippe. Die Buchstaben H und N stehen für Eiweißstoffe auf der Oberfläche der Viren. Hämagglutinin (H) und Neuraminidase (N) stehen wie Stachel von den rundlichen Influenza-Viren ab. Sie wirken wie Enterhaken. Damit krallen sich die Erreger an Körperzellen fest, um sie zu infiltrieren. Die Oberflächen-Proteine verändern sich schnell. Die Grippe-Pandemien der Vergangenheit waren meist die Folge einer neuen Mutation.

Grippe: Anders als eine Erkältung ist eine Grippe eine schwere Krankheit. Kennzeichen sind hohes Fieber um die 40 Grad, starke Kopf- und Gliederschmerzen, Angeschlagenheit und Schwäche. Die Symptome können zwei, drei Wochen andauern. Im Gegensatz zu den Erkältungskrankheiten stehen bei einer Grippe Husten, Schnupfen, Heiserkeit nicht so sehr im Vordergrund. Die Erreger der menschlichen Grippe ändern sich von Jahr zu Jahr. Derzeit ähneln die kursierenden Stämme den Erregern H3N2 und H1N1, ohne so gefährlich zu sein wie die gleichnamigen Stämme, die 1968 und 1918/19 wüteten. Die Grippe gilt als am meisten unterschätzte Krankheit der Erde, denn sie fordert weltweit jedes Jahr mehr als 1 Million Tote; in Deutschland jährlich zwischen 10.000 und 20.000.

Vogelgrippe: Die Vogelgrippe gibt es seit mehr als 100 Jahren: 1997 wurde aber erstmals in Hongkong belegt, dass sie auch Menschen gefährlich werden kann. Sie wird vom Influenza-A-Virus, Typ H5N1, übertragen. Sie verläuft ähnlich einer schweren Grippe mit Fieber, Kopf- und Halsschmerzen, Husten und Lungenentzündung. Von den bisher mehr als 120 infizierten Menschen ist die Hälfte gestorben. Noch ist sie aber nicht von Mensch zu Mensch übertragbar.

Das "Super-Virus": Das Erbgut von Viren ist extrem labil. Bei der Vervielfältigung der Influenza-Viren enstehen durch Mutationen und genetische Ablesefehler ständig neue Varianten. Zudem kommt es bei Infektionen immer wieder zum "Antigen-Shift": Dabei infiltrieren mehrere Viren dieselbe Zelle und sortieren ihre Erbgutschnipsel zu neuen Viren. Deshalb dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, bis durch die fortwährende Veränderung der Viren ein "Super-Virus" entsteht, das die Eigenschaften der Vogelgrippe (schweres Krankheitsbild) und die der herkömmlichen Grippe (hohe Infektiosität) miteinander vereint.

Spanische Grippe: 1918/19 forderte eine Grippe-Pandemie bis zu 40 Millionen Tote. Auslöser war Influenza-Virus H1N1. Da allein in Spanien acht Millionen Menschen erkrankten, darunter jeder dritte Einwohner Madrids, wurde sie als "Spanische Grippe" bezeichnet. 1957 löste H2N2 die "Asiatische Grippe" mit vier Millionen Toten aus. Der neue Erreger-Typ entstand aus der Vermischung von H1N1 mit einem Vogelvirus. Auch zur "Hongkong-Grippe" kam es 1968, weil H2N2 Oberflächenproteine eines Vogelvirus übernommen hatte. Der neue Erreger wurde als H3N2 bezeichnet.

Impfung: Jedes Jahr wird die Impfstoffzusammensetzung aktualisiert und dem Erregerspektrum angepasst. Gespritzt werden abgeschwächte Erregerbestandteile. Daraufhin produziert der Körper Antikörper, die an den viralen Oberflächenproteinen andocken. Dadurch werden die so blockierten Viren zum Ziel für Fresszellen der Immunabwehr. Die Impfung wird in Deutschland allen Menschen über 60 Jahren empfohlen, sowie Angehörigen medizinischer und pflegender Berufe. Personen die auf Grund anderer Leiden besonders anfällig sind, sollten sich ebenfalls impfen lassen.

Therapie: Infizierten Menschen helfen Neuraminidase-Hemmer. Sie blockieren das Oberflächen-Protein N und blockieren so die Ausbreitung der Viren. Dass sie auch gegen Vogelgrippe helfen, ist möglich. Bisher sprechen aber nur Laborstudien dafür.Werner Bartens

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(SZ vom 14.10.2005)