Goldsucher in Peru Wie die Finanzkrise den Regenwald zerstört

Auf dieser CLASlite-Karte ist die Ausbreitung von Goldminen am Fluss Madre De Dios in Peru zu sehen

Die Zahl der illegalen Goldminen im Regenwald Perus hat seit 2008 extrem zugenommen. Weil durch die Finanzkrise der Goldpreis erheblich stieg, wird dort jährlich dreimal mehr Wald zerstört als zuvor. Das dabei verwendete Quecksilber vergiftet Böden und Menschen.

Von Markus C. Schulte von Drach

Für Goldminen werden in der peruanischen Region Madre de Dios seit 2008 jedes Jahr mehr als 6000 Hektar Regenwald zerstört. Das ist dreimal mehr als in den Jahren davor.

Damit ist klar: Seit aufgrund der Finanzkrise die Nachfrage nach Gold und der Preis für das Edelmetall deutlich angestiegen sind, ist der Amazonasregenwald im Westen Perus zu einem "Epizentrum der meist illegalen Goldsuche" geworden. Das berichten Wissenschaftler der Carnegie Institution for Science in Stanford, USA, und des peruanischen Umweltministeriums im Fachmagazin PNAS.

Die Experten um Gregory Asner haben anhand von Aufnahmen von Landsat-Satelliten der Nasa, Luftaufnahmen und einer besonderen Analysetechnik nun eine Karte des Flusses Madre de Dios angefertigt, auf der die Ausbreitung der Goldminen zwischen 1999 und 2012 zu sehen ist. Da die meisten Minen illegal betrieben werden und nur klein sind, war es bisher schwierig, die Folgen des Goldrauschs aufzuspüren.

Innerhalb der 13 Jahre ist die Zahl der Goldminen, für die Bäume abgeholzt, Erde aufgegraben und Quecksilber in die Flüsse und Bäche geleitet wird, um fast 600 Prozent gestiegen. 1999 beanspruchten die Goldminen weniger als 10.000 Hektar, bis zum September 2012 waren es schon 50.000 Hektar. Die Fläche, die darunter leidet, hat sich vervierfacht. Die Geschwindigkeit, mit der sich die Minen ausbreiten, ist etwa 40 Prozent höher als für Madre de Dios bisher angenommen wurde.

Und die Folgen sind gravierend: Gerade das Quecksilber beeinträchtigt die Nahrungskette und gefährdet auch noch Menschen, die weit weg von den Minen leben. Auch Bäume, die nicht gefällt wurden, sterben ab - vermutlich wegen des giftigen Metalls. Es ist fast unmöglich, die Umwelt vom Quecksilber zu reinigen, sodass das Schwermetall die Natur langfristig schädigt. Und die Jagd der Goldsucher nach Fleisch führe zu "leeren Wäldern mit gestörter Ökologie, vielleicht noch für Jahrhunderte", schreiben die Wissenschaftler in PNAS.

Goldsucher in Madre de Dios

Nun sind die politischen Entscheidungsträger gefragt

Zwar erscheint die Waldfläche, die hier verloren geht, angesichts der Zerstörung in den Tropen insgesamt eher klein, räumen die Forscher ein. Doch gerade in Madre de Dios sei die Artenvielfalt besonders groß. Ein einzelner Hektar beherberge bis zu 300 Baumarten und etliche weitere Pflanzen- und Tierarten, darunter etwa Jaguare und große Affen. Auch sei die Bedeutung des Waldes als Kohlenstoffspeicher groß. Deshalb spielt seine Zerstörung auch eine wichtige Rolle für den Klimawandel.

Erst im September hatten Wissenschaftler im Fachmagazin Science gewarnt, dass aufgrund der Finanzkrise der Einsatz von Quecksilber in Perus Regenwald zu erheblichen Entwaldungen geführt hat. Und eine in PNAS veröffentlichte Studie hat am Beispiel des Goldrauschs in Kalifornien im 19. Jahrhundert aufgezeigt, dass das Schwermetall nicht nur über Jahrhunderte, sondern über Jahrtausende Böden vergiften kann.

"Das Verlangen nach Gold wird wahrscheinlich in der absehbaren Zukunft nicht nachlassen", schreiben die Wissenschaftler um Asner. Deshalb seien nun die politischen Entscheidungsträger gefragt. "Jede mögliche langfristige Lösung benötigt wohl deutlich mehr Maßnahmen der Gesetzesvertreter zum Schutz des Regenwaldes und der Flussläufe - und zur Verringerung der Bedeutung des Goldes als Wirtschaftsgut."