Glühbirnenverbot Wie gefährlich ist das Quecksilber in Energiesparlampen?

Quecksilber ist ein Nervengift und hat eigentlich im Haushalt nichts zu suchen. Die bisherigen Energiesparlampen brauchen es jedoch zwingend für ihre Funktion. Zugelassen sind 3,5 Milligramm - und von Anfang 2013 an nur noch 2,5 Milligramm - pro Birne. Die meisten Produkte unterbieten diese Werte deutlich. Allerdings hat die Organisation Deutsche Umwelthilfe immer wieder Baumärkte verklagt, die billige Energiesparlampen mit überhöhtem Quecksilbergehalt im Angebot hatten. Beim normalen Gebrauch und regulärer Entsorgung bleibt das Schwermetall zuverlässig in der Lampe eingeschlossen. Doch es kann vorkommen, dass sie im Betrieb zerbricht.

Was dann passiert, haben das Umweltbundesamt (UBA) sowie Institute in Bayern und Frankreich untersucht. Die Luft in dem Raum, bestätigen sie, enthält dann Quecksilber in einem Maß, bei dem zum Beispiel ein dauerhaftes Arbeiten hier nicht mehr zugelassen wäre. Die genauen Werte hängen von der Lampe und vor allem von der Höhe ab, in der die Konzentration gemessen wird. Sie ist in 30 Zentimetern Höhe weit größer als einen Meter über dem Boden.

Das UBA empfiehlt, beim Lampenbruch den Raum sofort kräftig zu lüften und für mindestens 15 Minuten zu verlassen. Dadurch sinkt die Konzentration von Quecksilber in der Luft auf unbedenklich Werte. Dann soll man die Scherben mit Handschuhen in eine Plastiktüte legen und diese in ein leeres Glas mit Schraubdeckel tun, welches man später im Recyclinghof abgibt. Reste kann man auf hartem Boden mit Stücken von Karton zusammenschieben, auf Teppich mit Klebeband auftupfen. Erst danach Staubsaugen, das Gerät würde den Quecksilberdampf nur verteilen.

Um solchen Unfällen vorzubeugen, können Kunden Lampen kaufen, bei denen die leuchtenden Glasröhren unter einer Kuppel aus Kunststoff und einem Silikonüberzug verborgen sind. Die Hülle dient als Splitterschutz. Außerdem hat das UBA festgestellt, dass weniger Quecksilber freigesetzt wird, wenn es in der Lampe als sogenanntes Amalgam vorhanden ist, also als feste Metallmischung. Mit beiden Techniken hat sich die Firma Megaman hervorgetan.

Am Ende ihrer Nutzung müssen Energiesparlampen ordnungsgemäß entsorgt werden, genau wie die langen Leuchtstoffröhren, die landläufig Neonlampen heißen. Die Rücklaufquoten sind aber noch zu gering, obwohl inzwischen auch große Lampengeschäfte die Birnen freiwillig zurücknehmen. Umweltschützer weisen jedoch auf Folgendes hin: Selbst im dem Fall, dass alles Quecksilber in den Energiesparlampen in die Umwelt gelangte, wäre sie weniger damit belastet als beim Einsatz konventioneller Glühbirnen. Die Erklärung für dieses Paradox liegt im weit höheren Stromverbrauch. Weil ein Großteil der Elektrizität aus Kohle gewonnen wird, die oft eine Quecksilber-Beimischung hat, blasen die Schornsteine der Kraftwerke viel von dem Schwermetall in die Luft.

Kann man das Quecksilber weglassen?

Daran arbeiten viele Forscher. Ein Team vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und der Fachhochschule Aachen hat bereits einen Prototypen vorgestellt, der um den Faktor 1000 weniger Quecksilber enthält als herkömmliche Modelle. Nach den Worten des Karlsruher Entwicklers Rainer Kling ist das Schwermetall inzwischen komplett verzichtbar. Der entscheidende Kniff ist, das Plasma in der Glasröhre nicht mit Elektroden zu zünden, also mit Drähten, die in den Kolben hineinragen. Die Forscher benutzen stattdessen von außen eingestrahlte Mikrowellen. Das erlaubt es ihnen, solche Chemikalien in der Lampe zu verwenden, die eine Elektrode angreifen würden. Die Lampe soll zudem noch weitere Vorteile bieten: weniger Energie verbrauchen, länger leben, weil sich die Elektrode nicht abnutzt, und schneller hell werden. Preiswerter als bisherige Modelle soll sie auch noch sein. Kling rechnet mit einer Markteinführung in der zweiten Hälfte 2013.