Glücksforschung Was Arme und Reiche glücklich macht

Glücklich, wenn die Miete bezahlt ist - oder glücklich, wenn die Millionärsbrause schmeckt?

(Foto: Florian Peljak)
  • Fällt die Summe auf dem Gehaltszettel weniger üppig aus, spenden soziale Beziehungen und die Hinwendung zu anderen Menschen Glück und Zufriedenheit.
  • Wenn die materiellen Grundbedürfnisse aber finanzierbar sind, entkoppelt sich die Gehaltsentwicklung vom Glücksniveau.
  • Reiche Menschen ziehen gute Gefühle aus ihren individuellen Erfolg und Status.
Von Sebastian Herrmann

Die Frage begleitet die Menschheit wahrscheinlich, seit vor Jahrtausenden die erste Münzen geprägt wurde: Macht Geld glücklich? Die Forschung hat auf diese große Frage schon viele Antworten gegeben, die sich meist zur Formel "Ja, aber" kondensieren lassen. Nun wagen sich Paul Piff und Jake Moskowitz von der University of California in Irvine an die große Frage vom Geld und dem Glück und bieten im Fachblatt Emotion eine frische Lösung.

Reiche Menschen sind demnach nicht unbedingt glücklicher als weniger wohlhabende Menschen - aber das Glück der Oberklasse unterscheidet sich von dem der weniger begüterten Schichten. Wer viel Geld verdient, empfindet demnach vor allem gute Gefühle, die auf das eigene Selbst gerichtet sind. Dieses Glück entzündet sich am Ego. Fällt die Summe auf dem Gehaltszettel hingegen weniger üppig aus, spenden statt dessen soziale Beziehungen und die Hinwendung zu anderen Menschen Glück und Zufriedenheit, berichten die Forscher.

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Glück lässt sich nicht kaufen, das liegt auf der Hand. Aber natürlich erleichtert Wohlstand das Leben enorm. Arm zu sein, bedeutet vor allem Stress und Angst zu empfinden. Wird das Geld in diesem Monat für die Miete reichen? Ist der Job sicher? Es klingt einleuchtend, was andere Forscher in der Vergangenheit gesagt haben: Bis zu einem gewissen Jahreseinkommen besteht ein linearer Zusammenhang zwischen Geld und Glück. Doch wenn die materiellen Grundbedürfnisse finanzierbar sind, entkoppelt sich die Gehaltsentwicklung vom Glücksniveau. Und, so muss im Lichte der Ergebnisse von Piff und Moskowitz gesagt werden, es verändert sich auch was das Gute im Leben ist.

"Für andere da zu sein, bereitet mir ein angenehmes Gefühl"

Die zwei Psychologen werteten eine repräsentative Stichprobe der US-Bevölkerung von 1519 Teilnehmern aus. Die Wissenschaftler fragten zum einen das Haushaltseinkommen der Probanden ab, zum anderen zerlegten sie das Konzept Glück für die Analyse in seine Einzelteile. Dieses, so die Forscher, bestehe aus sieben verschiedenen Emotionen, nämlich Vergnügen, Ehrfurcht, Mitgefühl, Zufriedenheit, Enthusiasmus, Liebe und Stolz. Um diese Einzeldimensionen des Glücks messbar zu machen, baten Piff und Moskowitz ihre Probanden, zu Aussagen Stellung zu beziehen wie etwa "Für andere da zu sein, bereitet mir ein angenehmes Gefühl".

Wohlhabende Teilnehmer empfanden in ihrem Alltag eher Gefühle wie Zufriedenheit und Stolz. Teilnehmer mit geringerem Einkommen gaben häufiger zu Protokoll, Mitgefühl, Liebe und Ehrfurcht zu spüren. "Reiche Menschen ziehen gute Gefühle aus ihren individuellen Erfolg und Status", sagt Piff. Das auf tieferen Sprossen der sozialen Leiter empfundene Glück ergebe sich auch aus der Notwendigkeit. Wer eher in prekären Verhältnisse lebt, ist auch stärker auf seine Mitmenschen angewiesen. Und aus dieser Not eine Tugend zu machen, ist nicht die schlechteste Idee. "Das zeigt, dass weniger begüterte Menschen eine Strategie gefunden haben, trotz widriger Umstände, Sinn, Freude und Glück in ihrem Leben zu empfinden", sagt Piff.

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