Tödliche Tiere Australisches Giftzentrum ruft zur Spinnenjagd auf

Jedes Jahr werden in Australien Menschen von Trichternetzspinnen gebissen - das Gift der Tiere ist lebensgefährlich. Nun geht das Gegengift zur Neige. Mutige Australier sollen deshalb die Spinnen fangen, damit die Tiere "gemolken" werden können.

Sie sind ein Alptraum nicht nur für Menschen mit Spinnenangst: Der Biss einer australischen Trichternetzspinne kann tatsächlich lebensgefährlich sein.

Die Tiere, die fast überall in Australien vorkommen, tauchen häufig in Gärten und gelegentlich in Häusern auf, so dass immer wieder Menschen gebissen werden. Die Sydney-Trichternetzspinne (Atrax robustus) etwa hat ihren Namen, weil sie in der gleichnamigen Stadt und ihrer weiteren Umgebung zu finden ist (- und nur dort). Andere gefährliche Arten gehören zur Gattung Hadronyche. Das Nervengift der aggressiven Spinnen, die eine Körperlänge von 2,5 bis zu fünf Zentimetern aufweisen, kann Menschen innerhalb kurzer Zeit umbringen, besonders Kinder sind in Gefahr.

Trotzdem - oder gerade deshalb - ruft das Giftzentrum des Australian Reptile Park in Somersby im Norden von Sydney dazu auf, Trichternetzspinnen zu fangen und bei ihnen abzugeben. Denn: der Vorrat an Gegengift ist auf weniger als die Hälfte der üblichen Menge gesunken. Deshalb sei man dort sehr besorgt, berichten australische Medien.

So sagte Park-Mitarbeiterin Julie Mendezona dem Sender ABC in Newcastle: "Normalerweise sind wir es ja, die den Leuten sagen, wenn Ihr ein gefährliches Tier seht, lasst es in Ruhe, dann wird es Euch auch in Ruhe lassen, und es kommt zu keinen Zusammenstößen." Nun aber sei es äußerst wichtig, sich an die Öffentlichkeit zu wenden, um Spinnen zu bekommen.

Die Zahl der bekannten Todesopfer ist zwar insgesamt nicht sehr groß. 2005 veröffentlichten australische Wissenschaftler eine Untersuchung, in der sie zu dem Schluss kamen, dass zwischen 1926 und 1981 insgesamt 13 Menschen nach Spinnenbissen starben, darunter sieben Kinder. Seit 1981 hat ein Gegengift weitere Todesopfer verhindert. Aber genau an diesem Gift, das jedes Jahr etwa fünf bis zehn Betroffenen verabreicht werden muss, mangelt es nun - vor allem, weil die Tiere in den kommenden wärmeren Monaten wieder stärker aktiv werden.

"Wenn jemand auf eine Trichternetzspinne stößt und sich zutraut, sie zu fangen, wollen wir ihn dazu ermutigen", erklärte Mendezona. Die Tiere sollten dann in einem der Krankenhäuser abgegeben werden, die sich als sogenannter Drop-off-Point am Spinnen-Gegengiftprojekt beteiligen. Schließlich könne das Gegengift, das aus den Tieren gewonnen wird, jemandem das Leben retten.

Die Bitte der Expertin richtet sich an Erwachsene. Kinder sollten dagegen nicht versuchen, die giftigen Spinnen zu fangen. Wer sich berufen fühlt zu helfen, sollte ein ausreichend großes Glas in die Nähe des Tieres legen. Flüchten die Spinnen, nehmen sie solche Behälter gern als vermeintliches Versteck wahr. Dann soll man das Gefäß mit der Öffnung nach unten kippen und eine Pappe darunter schieben. Dreht man das so verschlossene Glas um, lässt sich die Pappe durch den Deckel ersetzen, da die Spinnen an der glatten Wand nicht hinauskommen.

Die Fachleute brauchen eine große Zahl von Spinnen, da die Tiere nur einmal in der Woche "gemolken" werden können, und vor allem die Männchen das Gift produzieren. Die aber haben eine Lebenserwartung von nur vier Jahren, erklärte Mendezona, und werden häufig erst gegen Ende des Lebens gefangen. "Wir müssen unsere Vorräte deshalb konstant auffrischen."

Entgegen eines weit verbreiteten Mythos springt die Trichternetzspinne nicht auf ihr Opfer los, sondern geht in eine Verteidigungshaltung: Sie hebt die Vorderbeine und richtet ihre Kieferklauen in die Richtung des Gegners. Wird sie weiter provoziert, so heißt es auf der Seite des Reptilienparks, schlägt sie mit großer Kraft und Geschwindigkeit zu. In Gefahr ist man demnach nur, wenn man zum Beispiel unversehens auf ein verstecktes Tier stößt und es mit der bloßen Haut berührt.

Um dies zu vermeiden, rät der Reptilienpark zum Beispiel, Schuhe vor dem Anziehen auszuschütteln und im Garten mit Handschuhen zu arbeiten.