Der Bundestag hat nach einer emotionalen Debatte dem Gesetzentwurf für eine begrenzte Zulassung der PID zugestimmt. Das ist eine gute Nachricht für die betroffenen Paare. Doch mit ihren Standpunkten sind die Abgeordneten weit hinter die Position zurückgefallen, die die Gesellschaft schon im Rahmen der Abtreibungsdebatte gefunden hatte.
Wer hätte gedacht, dass so lange nach dem Streit um den Abtreibungs-Paragraphen 218 noch einmal eine solche Debatte stattfinden würde? Damals hatte die Gesellschaft über Schwangerschaftsabbrüche diskutiert, also die Abtreibung von Embryonen, die sich bereits im Mutterleib befinden und entwickeln. Heute steht es Frauen frei, eine Schwangerschaft früh zu beenden, vorausgesetzt, sie haben an einer Beratung teilgenommen. Inzwischen verurteilt auch kaum noch jemand den Einsatz von Verhütungsmitteln wie der Spirale.
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Ein fünf Tage alter Embryo (rechts von dem roten Markierungsstrich). Die PID wird vorgenommen, bevor ein solcher Embryo in die Gebärmutter der Mutter eingesetzt wird. In Ausnahmefällen soll die PID in Deutschland zugelassen werden. (© dpa)
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Die Diskussion über die Präimplantationsdiagnostik, die in der Debatte im Bundestag heute ihren vorläufigen Abschluss gefunden hat, hinterlässt den Eindruck, als ob die Mehrheit der Abgeordneten noch nicht in dieser gesellschaftlichen Realität angekommen ist. Sie wiederholen nicht nur die Argumente der früheren Diskussion. Sie ignorieren auch, dass es jetzt nicht einmal mehr um Ungeborene im Mutterleib geht, sondern um ein früheres embryonales Stadium von künstlich gezeugten Embryonen außerhalb der Gebärmutter.
Im Rahmen der PID werden diese auf genetische Krankheiten oder Chromosomenstörungen untersucht - und gegebenenfalls gar nicht erst in die Gebärmutter der Frau eingepflanzt. Dann kommt es gewissermaßen zu einer Abtreibung VOR einer Schwangerschaft - einer Schwangerschaft, an deren Ende mit hoher Wahrscheinlich eine Fehlgeburt oder ein krankes oder sogar lebensunfähiges Kind stehen würde.
Doch bereits eine befruchtete Eizelle verfüge über Menschwürde, argumentieren die PID-Gegner nun. Eine Aussonderung von erbkranken Embryonen sei eine Entscheidung über lebenswertes und -unwertes Leben, und gerade manche Behinderte und Menschen, die für diese eintreten, betrachten die PID als Demütigung und als möglichen Wendepunkt hin zu einer inhumanen Gesellschaft.
Klar ist: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Und niemandem steht es zu, zu entscheiden, ob das Leben eines Menschen wert ist, gelebt zu werden oder nicht.
Diese Grundsätze dürfen nicht zur Debatte gestellt werden.
Tatsächlich standen sie auch gar nicht zur Debatte - obwohl man während der Diskussionen um die PID den Eindruck gewinnen konnte, es wäre so. Es geht nicht um Menschen, sondern um embryonale Zellhaufen vor der Einnistung in die Gebärmutter. Und es geht nicht um ein Urteil über den Wert oder Unwert von Leben.
Deshalb werden alle drei Gesetzentwürfe, über die der Bundestag jetzt abgestimmt hat, der Sache nicht gerecht. Das gilt auch für den von den meisten Abgeordneten angenommenen Entwurf. Dieser will die PID verbieten und nur Ausnahmefälle zulassen, etwa bei schwerwiegenden Erbkrankheiten oder einem hohen Risiko von Fehl- und Totgeburten. Auch er kommt den Bedenken der PID-Gegner viel zu weit entgegen.
Diejenigen, die bereits der befruchteten Eizelle eine Menschenwürde zusprechen, argumentieren in der Regel religiös. Es steht jedem frei, sich dieser Überzeugung anzuschließen.
Viele Menschen tun das jedoch nicht - insbesondere von Philosophen, Juristen und Naturwissenschaftlern kommt heftiger Widerspruch. Die Entscheidung betrifft keinen leidensfähigen Menschen mit Selbstbewusstsein, dessen Würde angetastet werden kann. Sie betrifft eine befruchtete Eizelle, die sich erst wenige Male geteilt hat und noch nicht im Mutterleib befindet. Und in einem säkularen Staat wie Deutschland darf eine gesetzliche Regelung nicht mit religiösen Argumenten begründet werden.
Es geht nicht um die Frage nach lebensunwertem Leben
Die Betroffenheit von Behinderten ist verständlich. Doch die Entscheidung von Eltern, kein behindertes Kind haben zu wollen, ist deren ganz persönliche Angelegenheit. Und es geht ihnen dabei nicht um ein Urteil darüber, ob das Leben eines Behinderten wert ist, gelebt zu werden oder gar dass ein Behinderter besser tot wäre. Es geht ihnen um die Wahl zwischen einem kranken und einem gesunden Kind. Und es wäre völlig unverhältnismäßig, dass Paare aus Rücksicht auf Behinderte dazu gezwungen würden, auf Nachwuchs zu verzichten oder genetisch belastete Kinder zu bekommen. Stattdessen sollte sich die Politik dafür einsetzen, die Diskriminierung Behinderter in Deutschland ernsthaft zu bekämpfen.
Im Prinzip ermöglichen die in dem jetzt angenommenen Gesetzentwurf festgehaltenen Ausnahmen die Anwendung der PID für die wenigen betroffenen Paare. Das ist gut. Besser aber wäre es gewesen, die PID grundsätzlich zu erlauben. Das würde auch ihrer Bedeutung gerecht.
Nur wenige hundert Paare setzen in Deutschland jährlich unter großem Leidensdruck ihrer Hoffnungen in die Methode. Mit zunehmenden technischen Möglichkeiten könnte die PID natürlich für mehr Menschen interessant werden - und dann sollten Gesetze verhindern, dass zum Beispiel auf körperliche Eigenschaften selektiert wird, die definitiv nichts mit Krankheiten zu tun haben.
Mit einer Zulassung der PID würde den betroffenen Paaren vor allem nicht das Gefühl vermittelt, sich ethisch fragwürdig zu verhalten. Genau das aber haben ihnen viele Politiker und Kirchenvertreter leider nun allzu deutlich signalisiert.
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(sueddeutsche.de/bgr)
Streit um Parteispitze bei der Linken
Wenn Herr Schulte von Drach in seinem Artikel darauf hinweist, das Zellhaufen nur nach bestimmten religiösen Vorstellungen irgend welche Rechte zustehen, dann sollte er auch erklären warum die Auswahl dann auf schwere Behinderungen und nicht auf andere Merkmale beschränkt werden sollte. Wieso dann nicht selektieren nach körperlichen Eigenschaften? Menschenrechte werden hier ja dann nicht verletzt? Mit welcher Begründung will man schwere Behinderungen aussieben (Stephen Hawking, zum Beispiel?), aber andere Behinderungen zulassen? Wo liegt die Grenze, und warum gerade da? Das Argument mit der im Moment sehr geringen Anzahl von Fällen ist IMHO nicht sehr treffend, da die Anzahl der Fälle schnell steigen kann wenn das Verfahren freier gehandhabt wird.
Ethik ist Vereinbarungssache, in der Religion hat das vermeintlich Absolute das letzte Wort, das hält die Diskussionen einfach. Wer die Grenzen aufweichen will darf sich nicht wundern wenn sie dann ganz verschwinden, insbesondere dies mit rechlosen Zellhaufen vor der Einnistung begründet wird. Warum soll ich denn z.B. einen zu erwartenden geringeren IQ nicht als Behinderung ansehen? Oder eine Anlage zu schlechtem Aussehen bei einer Tochter? Lassen sich nach dieser Begründung Hybriden überhaupt noch verbieten?
Ein guter Artikel, danke dafür.
Immer wieder, auch hier in einem Nebensatz, wird betont, dass es Menschen gibt, die trotz Behinderung ein erfülltes Leben führen. Das bestreite ich keines Falls. Ich möchte aber darauf hinweisen, dass es auch Menschen gibt, die mit ihrer Behinderung nicht klar kommen, die an ihrer Krankheit verzweifeln und die auch nicht nur von der Gesellschaft sondern der engeren Umgebung, manchmal sogar der eigenen Familie, allein gelassen werden. Es gibt nämlich auch Arbeitgeber, Freunde und sogar Eltern, die mit der Belastung durch einen behinderten Menschen nicht klar kommen.
Wollen wir wirklich vermeidbares Leid mit einem achselzuckenden Hinweis auf Gottes Wille und möglichen Missbrauch in der Zukunft hinnehmen?
entfernen.
Es geht um mehrere "Zellhaufen im Reagenzglas"
der ist zu diesem Zeitpunkt NICHT allein lebensfähig, er braucht die Mutter
es geht darum, unter welchen Bedingungen die Mutter bereit ist, sich einen oder mehrere davon einpflanzen zu lassen
es geht um die Befürchtungen der Eltern zu diesem Zeitpunkt und aufgrund der vorliegenden Fakten
alles andere wird vor allem von den Gegnern der PID "hinzugedichtet" um eine Stimmung zu erzeugen, die mit dem Dilemma der Betroffenen nicht das geringste zu tun hat.
Erschwerend kommt hinzu, daß diese Gruppierung sich in den seltensten Fällen vorstellen kann, was die Eltern beschäftigt.
Nur weil Mißbrauch möglich wäre, kann man keine diagnostische Möglichkeit verbieten. Dieser Vorstellung folgend würden wir noch auf den Bäumen leben.
Ein Poster vermerkte zurecht, daß es immer Menschen mit Behinderungen geben wird; Behinderungen, die durch Krankheit oder Unfall entstehen können. Diese haben jedes Recht gleichwertig behandelt und umsorgt zu werden.
Aber wieso sollte man nicht Leid und Behinderung, die man vermeiden kann (und wir sind medizinisch erst in den Anfängen) auch verhindern?!
Ich habe es schon einmal erwähnt - die Anbetung des Leidens ist eine der Infamien des Christentums. Es geht den Christen nicht um die Erhaltung von Leben, sondern um die Maximierung von Leiden.
Die so beliebte Matter Theresa hat sich mehrfach in zynischster Weise zum Leiden geäußert, es als Geschenk Gottes bezeichnet. Dazu fällt einem nun wirklich nichts mehr ein! Während in ihrem Krankenhaus in Kalkutta Menschen unter miesesten Bedingungen starben, sammelte Mutter Theresa in aller Welt Geld auch von Diktatoren ein, von dem sie große Teile nicht zur Verbesserung des Leidens ihrer "Schützlinge" einsetzte, sondern das sie stantepede an den Vatikan überwies, um den Reichtum des Kichenstaates zu mehren. Und während die Menschen nachlässig in ihren Krankenhäusern behandelt wurden, während man sie mit nicht sterilisierten Spritzen pisackte oder ihnen einfachste medizinische Zuwendungen (die viele auch heilen hätten können) verweigerte, missionierte Mutter Theresa gegen die Abtreibung, die sie mit Völkermord und Atombombenabwürfen verglich.
Mit ähnlichen Argumenten melden sich Kirchenvertreter auch zur PID.
Es geht also nicht um die Verhinderung von Leid, sondern um die Vermehrung zur Ehre der Kirche und des Herrn. Wenn Leid von vornherein vermieden wird, kann man sich ja nicht mehr als frommer Christ zeigen, der die Leidenden versorgt, um sich damit einen Platz im Himmel zu ergattern! Um die Menschen ist es weder Mutter Theresa, noch den Klerikern, noch den Gegnern von PID, Abtreibung, Verhütung je gegangen!
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