Geschichte der Medici Eine Sensation unter dem Grünspan

Anna Maria Luisa jedoch starb eines natürlichen Todes, möglicherweise an den Spätfolgen einer Syphilis oder an Brustkrebs - auch diese Frage wird sich vielleicht jetzt klären lassen. Sie hatte 1691 den verwitweten Wittelsbacher Kurfürsten Johann Wilhelm von Pfalz-Neuburg geheiratet - auch dies eine politisch motivierte Hochzeit, die aber, anders als so viele Liaisonen der Medici, zu einer glücklichen, wenn auch kinderlosen Ehe führte. Anna und ihr Mann, genannt Jan Wellem, residierten in Düsseldorf; beide jagten und tanzten gern und förderten die schönen Künste. Nach Willems Tod 1716 kehrte Anna Maria nach Florenz zurück.

Mit dem Tod ihres jüngeren Bruders Gian Gastone starb die männliche Linie der Medici aus; der Titel des Großherzogs der Toskana fiel an Franz Stephan von Lothringen, den Gemahl der österreichischen Erzherzogin Maria Theresia und späteren römisch-deutschen Kaiser. Aber Anna Maria setzte sechs Jahre vor ihrem Tod einen Vertrag durch, der ihr bis heute die dankbare Verehrung ihrer Heimatstadt sichert: Sie bestimmte, dass das gesamte materielle Erbe der Medici, sowohl die Villen, Paläste und Gärten wie auch die unschätzbaren Sammlungen von Gemälden, Statuen, Bibliotheken, Preziosen für immer in Florenz bleiben müssten.

Die kulturelle Verbindung zwischen der Toskana und der Pfalz, geknüpft durch die Ehe zwischen Anna Maria und Jan Wellem, wurde 2010 auf originelle Art wiederbelebt. Die Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim beherbergen mit dem "German-Mummy-Projekt" (GMP) ein bedeutendes, interdisziplinäres Zentrum der europäischen Mumienforschung. Bei einer Fachtagung in Kassel berichtete Lippi über ihre Forschungen an den Medici-Gebeinen. Daraus entstand, schon mit Blick auf den 270. Todestag der Anna Maria de' Medici im Februar 2013, eine Kooperation zwischen dem GMP und der Universität Florenz. Als sichtbares Ergebnis dieser Zusammenarbeit wird an diesem Sonntag in den Reiss-Engelhorn-Museen die Ausstellung "Die Medici - Menschen, Macht und Leidenschaft" eröffnet (bis 28. Juli 2013).

So nahm die Geschichte der Medici, eine Geschichte, die so überaus reich an Geld- und Machtgier, an Intrigen, Mord und Verschwörung, an erzwungenen Ehen, Unglück, Krankheit und Siechtum war, doch noch ein versöhnliches Ende. Noch in ihrem Tod stiftete Anna Maria Luisa de' Medici ein Symbol zwischenmenschlicher Zuneigung und kultureller Verbundenheit. Die Krone, mit der sie beigesetzt wurde, erwies sich zum blanken Erstaunen der Wissenschaftler nicht als eine mediceische Totenkrone, wie sie ihr Bruder Gian Gastone im Grab trug, sondern als die Kurfürstenkrone ihres Ehemannes Johann Wilhelm von der Pfalz.

"Eine Sensation", freut sich Wilfried Rosendahl, der Kurator und stellvertretende Direktor der Reiss-Engelhorn-Museen. Der "Kurhut", wie man die pfälzische Kurfürstenkrone nannte, war bisher nur von Gemälden bekannt, es existiert kein originales Exemplar. Es war offensichtlich der letzte Wille der Anna Maria, als pfälzische Kurfürstin beerdigt zu werden. Nach dem Vorbild der Krone im Grab Anna Marias haben ein Düsseldorfer Juwelier und das Atelier für Textilrestaurierung der Reiss-Engelhorn-Museen ein Replikat der Krone aus vergoldetem Kupfer, rotem Samt und Hermelin rekonstruiert. Sie ist jetzt in der Mannheimer Ausstellung zu sehen - ein Symbol pfälzisch-toskanischer Freundschaft.