Gerichtsurteile in den USA "Wir erkennen Schimpansen nicht als Personen an"

Schimpansen im Zoo. In den USA sind Tierschützer mit Klagen gegen die Haltung von vier Menschenaffen durch Privatleute und eine Universität gescheitert

Schimpansen gelten als selbstbewusste, empathiefähige Menschenaffen. Deshalb, so fordern Tierschützer, dürften sie nicht eingesperrt werden. In den USA haben drei Gerichte nun entschieden: Schimpansen bleiben Sachen. Doch die Kläger finden, der Kampf habe gerade erst begonnen.

Sollten Menschenaffen wie etwa Schimpansen als Rechtspersonen anerkannt werden? Dann dürften die Primaten nicht mehr wie bisher als Sachen betrachtet werden, die von Menschen besitzen werden können. Und die Haltung im Zoo oder in Versuchslabors wäre dann eine Form der Gefangenschaft.

Drei Gerichte im US-Bundesstaat New York haben nun Klagen der Organisation Nonhuman Rights Project (NhRP) abgewiesen, mit denen sie die Freilassung von vier Schimpansen auf dieser Grundlage erreichen wollte.

Die Tierschutzgruppe hatte sich in ihren Klagen auf das Habeas-Corpus-Prinzip berufen, das jedem das Recht auf eine richterliche Haftprüfung zugesteht. Demnach ist eine Inhaftierung ohne Gerichtsurteil - bis auf Ausnahmefälle - verboten.

Damit das Prinzip in diesen Fällen greifen könnte, müssten Schimpansen aber als Personen betrachtet werden. Wie der Gründer der NhRP, Steve Wise, der Daily Mail sagte, seien Menschenaffen autonome, selbstbestimmte, selbstbewusste Wesen, die selbst darüber entscheiden sollten, wie sie ihr Leben führen wollen.

Die Gruppe beruft sich auf wissenschaftliche Erkenntnisse, die zeigen, dass Schimpansen über komplexe kognitive Fähigkeiten verfügen, Entscheidungen fällen können und Empathie zeigen.

Die drei Richter, die sich mit den Klagen befassten, haben nun jedoch entschieden, dass Affen keine Menschen seien und das Prinzip deshalb für sie nicht gelte.

Zwei der Richter, Joseph Sise vom Fulton County Supreme Court und Ralph Boniello vom Niagara County Supreme Court, hatten den Anwälten von NhRP erlaubt, sich vor Gericht zu äußern. "Als jemand, der Tiere liebt, weiß ich Ihre Arbeit zu schätzen", sagte Sise den Vertretern der Organisation. Die Tierschützer hätten starke Argumente.

Sise, der mit einem der konkreten Fälle - einem Schimpansen namens Tommy - befasst war, kündigte darüber hinaus an, er würde sich einer Klage zur Verbesserung der Lebensumstände des Affen sogar annehmen.

Aber: "Das Gericht [...] wird Schimpansen nicht als Menschen oder als Personen anerkennen, die gemäß Artikel 70 auf Habeas Corpus klagen können", sagte Sise dem NhRP zufolge.

Richter Boniello, der den Fall eines Schimpansen namens Kiko beurteilen musste, räumte ein, dass er nicht der erste sein wollte, der den gravierenden Schritt macht, Schimpansen tatsächlich mit Menschen gleichzusetzen.

In beiden Fällen ging es um Schimpansen, die von Privatleuten gehalten werden.

Wird Schimpansen Unrecht zugefügt, wenn sie eingesperrt werden? Juristisch gesehen bislang noch nicht.

W. Gerad Asher, Richter am Suffolk County Supreme Court, beschäftigte sich dagegen mit der Klage in Bezug auf zwei Schimpansen, Hercules und Leo, die als Versuchstiere an der Stony Brook University eingesetzt werden, um Unterschiede der Bewegung zwischen Menschen und Schimpansen zu erforschen. Asher erklärte schriftlich, dass Habeas Corpus nicht anzuwenden sei, da Tiere eben keine Personen seien.

Pat Levery, der "Besitzer" von Tommy, der den Schimpansen in einem Käfig in Gloversville, New York, hält, sagte dem US-Sender CNN, es würde gut für den Schimpanse gesorgt. Er lud Journalisten ein, den Menschenaffen zu besuchen. Nonhuman Rights Project kritisierte dagegen, dass Tommy in einem Käfig auf einem Wohnwagenstellplatz in einem viel zu kaltem Raum leben würde. Seine einzige Unterhaltung sei ein Fernseher.

Der 26-jährige Affe Kiko wird in einem privaten Haushalt gehalten und hat durch Misshandlungen während eines Drehs für einen Tarzan-Film sein Gehör verloren. Seine "Besitzer" Carmen und Christie Presti sagten der Daily Mail, es sei geplant, Kiko und weitere Affen in Zukunft in einer neuen Anlage außerhalb der Stadt zu halten.

Für die Tiere angemessen ist dem NhRP zufolge eher eine Anlage der North American Primate Sanctuary Alliance (Napsa) in Florida, in dem die vier Schimpansen relativ frei hätten leben sollen, wenn die Urteile in ihrem Sinne ausgefallen wären.

Die Tierschutzgruppe, zu deren Direktoren auch die bekannte Schimpansenforscherin Jane Goodall gehört, hatte mit der Ablehnung der Klagen gerechnet, weil es bislang keinen entsprechenden Präzedenzfall gibt. Sie will nun in Berufung gehen. NhRP-Präsident Steve Wise sagte, der Kampf für die Anerkennung des Rechtsstatus eines so "kognitiv komplexen nicht-menschlichen Tieres wie dem Schimpansen" habe gerade erst begonnen. Mittels weiterer Klagen will die Organisation mit der Zeit erreichen, dass Lebewesen wie Menschenaffen, aber auch Elefanten und Wale, juristisch nicht mehr als Sachen betrachtet werden.

Ermutigt fühlen sie sich durch Äußerungen wie jene des Richters Sise vom Fulton County: "Es tut mir leid, dass ich die Verfügung nicht unterzeichnen kann, aber ich hoffe, Sie machen weiter."

In Deutschland tritt vor allem das "Great Ape Project" für "Grundrechte für Menschenaffen" ein.