Doch die meisten Risikozonen des Landes kennen Forscher nur grob; sie tun sich schwer, die Bodenbewegungen im Einzelnen zu entschlüsseln. Geologen haben im ganzen Land GPS-Detektoren aufgestellt. Signale der GPS-Navigationssatelliten zeigen, dass alle Landesteile in unterschiedliche Richtungen driften. Teile des Nordens ruckeln nach Südwesten, der Süden schiebt sich Richtung Balkan. Sizilien treibt aufs Festland zu. Rom driftet nach Norden, das benachbarte L'Aquila hingegen, die Region des Erdbebens vom Sonntag, nach Osten.
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Italien zerreißt. In ferner Zukunft werden Teile des Landes mit dem Balkan verbunden sein, andere mit den Alpen, und manche Blöcke werden als Inseln aus dem Meer ragen.
Besonders erdbebengefährdet ist Mittelitalien entlang des Apennins und der Süden des Landes. 1688 starben bei einem Beben in Kampanien 10.000 Menschen, 1703 gab es ebenso viele Opfer in Umbrien, 1783 starben 29.000 Personen in Kalabrien, 1908 kamen mehr als 60.000 bei Erdbeben und den folgenden Tsunamis in Süditalien um, und 1915 ereignete sich ein Starkbeben just in der jetzt aktuellen Katastrophenregion: 30.000 Menschen starben damals.
Die Bewohner Italiens haben gelernt, mit der Erdbebengefahr zu leben. Schon vor Jahrhunderten wurden Bauten gegen Einsturz abgesichert: Wände sind unten dicker als oben, so dass sie größere Kräfte aufnehmen können. Moderne Gebäude können selbst gegen starke Erschütterungen gesichert werden. Hochhäuser in Japan und den USA etwa widerstehen schweren Beben, mit denen dort jederzeit zu rechnen ist. Um Geld zu sparen, verzichten jedoch manche Bauherren auf eine erdbebensichere Architektur. Diese Fahrlässigkeit wurde offenbar am Montag vielen Menschen in den Abruzzen zum Verhängnis.
Warnung vor Beben in Deutschland
Auch andernorts in Europa muss jederzeit mit katastrophalen Beben gerechnet werden. Besonders gefährdet sind Griechenland und die Türkei. Doch auch Süddeutschland muss auf starke Erschütterungen eingestellt sein. Entlang des Rheingrabens und in der Schwäbischen Alb bebt es zwar bei weitem nicht so häufig wie in Italien. Doch alle paar Jahrzehnte könnte es ein Erdbeben von der Stärke des Bebens von diesem Sonntag geben.
Forscher der Universität Karlsruhe und des Geoforschungszentrums Potsdam (GFZ) haben berechnet, dass der nächste Schlag große Schäden verursachen könnte. Wie groß der Schaden ist - das hängt davon ab, wo sich das Erdbeben ereignet.
In Tübingen etwa ließe ein Beben der Stärke sechs den Wissenschaftlern zufolge bei jedem fünften Gebäude Dächer und Zwischenwände einstürzten, viele Gemäuer würden von großen Rissen durchzogen; nur jedes 20. Gebäude bliebe unbeschädigt. Balingen und Albstadt träfe es ähnlich hart. Auch in Reutlingen, Düren, Kerpen und Lörrach wären schwere Schäden zu beklagen. In Köln wären die Schäden mit insgesamt 790 Millionen Euro am größten, kalkulieren die Experten.
Deutschland sei ungenügend auf Erdbeben vorbereitet, so die Experten. Zwar gelten für Industrieanlagen, Atomkraftwerke, Hochhäuser und Talsperren sehr strenge Vorschriften. Doch die Forscher mahnen: Ältere Bauten, viele Kindergärten, Schulen, Brücken und Krankenhäuser müssten renoviert werden.
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(SZ vom 7.4.2008/beu)
DFB-Elf vor der Europameisterschaft
Wenn es stimmt, dass sich in bzw. unter Italien die tektonischen Platten gegeneinander schieben, kann es Italien nicht "zerreissen", das passiert, wenn sich zwei Platten voneinander wegbewegen wie z.B. in Island. Dabei entstehen Spalten. Die Alpen sind auch nicht entstanden, weil es das Land dort "zerrissen" hat....
Zitat: "Forscher der Universität Karlsruhe und des Geoforschungszentrums Potsdam (GFZ) haben berechnet, dass der nächste Schlag große Schäden verursachen könnte."
Donnerwetter! Wie viele Jahre hat der Supercomputer gebraucht, um diese präzise Vorhersage zu berechnen?
Ich finde das Thema auch spannend dargestellt. Allerdings müssen wir sehen, dass bei aller Öko-Diskussion Faktoren da sind, die vom Menschen nicht prinzipiell beherrschbar sind. Das müssen wir wohl akzeptieren...
Hätte das ein Bildreporter geschrieben, hätte er das mm und cm zu Meter gemacht oder einfach weggelassen und dann vom "extremen verschieben" oder so gesprochen.
In dem Text steckt vielleicht zu viel Info drin, aber das kann man einer Zeitung eher schlecht vorhalten.
Ich habe mich gefragt wie diese Sache mit den Erdplatten doch noch gleich funktioniert und habe hier die Antwort bekommen.
"Der Druck der Adriatischen Platte hat den Apennin aufgefaltet, das Gebirge durchzieht das stiefelförmige Land der Länge nach."
In der heutigen SZ fehlt in der erklärenden Grafik aber diese Platte.
Italien ist ein lebensbedrochliches Pulverfass und auch Deutschland wird sich schon bald in großen Erdbebenkatastrophen versinken und unbewohnbar sein und in ein paar Jahren knallt Italien gegen den Balkan.
Tolle Berichterstattung; schon wieder ein BILD-Reporter, der für die SZ schreibt?