Geologie Archäologen finden Beweise für legendäre Flut in China

In der Jishi-Schlucht soll sich das Wasser des Gelben Flusses einst gestaut haben

(Foto: Wu Qinglong)

Eine Legende berichtet von einer gewaltigen Überschwemmung, die China vor 4000 Jahren heimsuchte. Nun wird klar: An dem Gründungsmythos der Kaiserzeit ist etwas dran.

Von Christoph Behrens

Am Oberlauf des Gelben Flusses gab es vor etwa 3900 Jahren eine gewaltige Überschwemmung, die zeitlich den Beginn der ersten Kaiserdynastie in China markieren könnte. Es handelte sich vermutlich um eine der verheerendsten Fluten, die der moderne Mensch je erlebt hat. Zu diesem Ergebnis kommen Forscher um den Archäologen Qinglong Wu von der Peking University im Fachblatt Science.

Bereits die ersten schriftlichen Quellen Chinas berichten von einer Überschwemmung, die mehrere Jahre angedauert haben soll. Den Überlieferungen zufolge zähmte erst der legendäre Herrscher Yu der Große die Fluten, indem er geordnete Kanäle für das Wasser anlegen ließ. Yu wurde dank seiner Verve zum Begründer der ersten Kaiserdynastie Xia, mithin des chinesischen Zentralstaats. Doch bislang fehlten schlagende Beweise für die Naturkatastrophe, manche sahen darin eher eine frühe Propaganda des Kaisertums.

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Ein Erdrutsch staute das Wasser. Als der Damm brach, stürzten 400 Millionen Liter pro Sekunde herab

Das Forscherteam um Wu entdeckte am Oberlauf des Gelben Flusses in der westchinesischen Provinz Qinghai in jahrelanger Suche nun tatsächlich Spuren einer verheerenden Kette von Ereignissen: Demnach kam es in der Region vor etwa vier Jahrtausenden zuerst zu einem Erdbeben, das an einer Engstelle des Flusses einen Erdrutsch auslöste und eine Talsperre schuf.

Die Erdmassen hätten das Wasser wohl bis zu neun Monate lang in der Schlucht angestaut, bevor der Damm schließlich brach. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich etwa 14 Kubikkilometer Wasser in dem Stausee, das sich daraufhin seinen Weg bahnte. Zeitweilig stürzten 400 Millionen Liter Wasser pro Sekunde herab, schätzen die Forscher; solche Wassermengen könnten selbst in 2000 Kilometern Entfernung noch dazu führen, dass der Fluss das ursprüngliche Bett verlässt und die Umgebung wiederholt verwüstet.

"Es hätte beträchtliche Zeit gedauert, bis sich der Fluss so einer Veränderung anpasst", schreibt der Geologe David Montgomery von der University of Washington in einem Kommentar zu der Studie. Die damit wohl verbundenen Überschwemmungen ließen die Geschichte von Kaiser Yu und sein jahrelanges Ringen mit dem Fluss plausibel erscheinen. Anhand von Überresten einer zerstörten Siedlung konnten die chinesischen Forscher den Zeitpunkt der Katastrophe recht genau berechnen. In einer eingestürzten Hütte fanden sie Knochen, die sich etwa auf das Jahr 1920 vor Christus datieren ließen. Damit würde die Xia-Dynastie zwei bis drei Jahrhunderte später beginnen als bislang geschätzt.