Viele von ihnen hatten unbeabsichtigte Konsequenzen, die andere Desaster auslösten: Dammbauprojekte, die zu Versalzung und Artensterben führten. Nuklearversuche, die Regionen und Menschen verstrahlten. Insektizide wie DDT, welche die Malariaüberträger bekämpfen, aber möglicherweise Krebs auslösen. Und: Beim Geo-Engineering geht es nicht um Details und kleine Landstriche. Diesmal kann ein Fehler den ganzen Planeten irreversibel schädigen.
Anzeige
Es ist also kein Wunder, dass praktisch jeder neue Megakonstruktionsvorschlag eines Wissenschaftlers im Vor- oder Nachwort eine Art Gesundheitswarnung enthält. Die vorgeschlagene Strategie, heißt es, sei vielleicht nicht ganz richtig oder funktioniere möglicherweise überhaupt nicht. Sie könnte aber auch zu gut funktionieren und die Erde in eine neue Eiszeit treiben.
Sie könnte für eine Weile funktionieren und dann eine weitere unvorhergesehene Kettenreaktion auslösen, die alles nur noch schlimmer macht. Sie könnte die Erderwärmung auf der einen Seite der Berge aufhalten und dafür auf der anderen umso mehr verstärken, was die dort lebenden Nachbarvölker nicht besonders erfreuen dürfte. Die Theorie könnte fehlerfrei sein, nicht aber die eingesetzte Technologie.
Schon die Diskussion bietet eine Ausrede für das Nichtstun
Abgesehen von der technischen Umsetzung liegt das größte Problem des Geo-Engineering jedoch in seinen politischen Auswirkungen. Wer kann und soll den Geist, einmal losgelassen, kontrollieren? Cowboy-Staaten oder wildgewordene Individuen könnten auf eigene Faust und nach eigenem Gutdünken gewaltige Engineering-Projekte ins Leben rufen, um sich - und sich allein - Vorteile zu verschaffen. Und selbst, wenn ein internationaler Konsens verlangt würde - wo träfe sich Russland, das von einer Erwärmung profitiert, mit den langsam versinkenden Malediven?
Vor allem aber bietet allein schon die Diskussion darüber einen Fluchtweg, eine Ausrede für das Nichtstun. Wozu all die Mühen zur Verringerung des CO2-Ausstoßes, wenn es doch bald eine große Lösung geben wird? Wieso kleinere Autos bauen und weniger in den Urlaub fliegen, wenn wir CO2 einfach in den Bauch der Erde verbannen können? Die menschliche Erfindungsgabe wird schon einen technischen Ausweg finden - für ein Problem, das durch den verschwenderischen Einsatz technischer Neuerungen überhaupt erst entstehen konnte.
Die Gefahr solcher Gedankenspiele zeigt sich am deutlichsten bei den sogenannten Klimaskeptikern, die den Klimawandel entweder als harmlos abtun oder den Beitrag des Menschen daran bezweifeln. Viele werden von Institutionen und Firmen mitfinanziert, die vom Status quo profitieren. Und viele von ihnen sind Techno-Positivisten, die inzwischen Geo-Engineering propagieren.
Da ist beispielsweise der Think Tank International Policy Network, eine Hochburg der Skeptiker und von Exxon Mobile unterstützt. Die Aussage eines seiner Analytiker erstaunt da kaum: "Wer Geld in die Kontrolle von Kohlendioxidemissionen investiert und nicht in Geo-Engineering, verhält sich wahrscheinlich moralisch verantwortungslos."
Im Remake des Filmklassikers "Der Tag, an dem die Erde stillstand" bittet die Heldin den Gesandten der Außerirdischen, ihre Art noch einmal überleben zu lassen. "But we can change", sagt sie, "wir können uns ändern." Der Außerirdische lässt sich überreden. Die Erde, Gaia oder nicht, wird sich von solchen Bitten kaum beeinflussen lassen.
Sie sind jetzt auf Seite 4 von 4
- Klimawandel Eine interaktive Grafik 17.12.2007
- Klimawandel Für 1000 Jahre schädlich 27.01.2009
- Klimawandel Die Bilanz des Klopapiers 26.01.2009
- Agentur für erneuerbare Energien Irena für die Umwelt 26.01.2009
- USA Im Wilden Westen sterben die Wälder 23.01.2009
(SZ vom 07.02.2009/mcs)
Linke-Vize-Chefin Wawzyniak
Ok, aber wie sieht es mit der Herstellung von reinem Eisenoxid und Schwefelsäure aus? Man muss ja doch die gesamte Energie berücksichtigen, die in das Endprodukt einfließt, oder?
Verzeihen sie meine dürftigen Chemiekenntnisse...
Grüße WB
aber gern ...
"ob bei der Herstellung von Eisensulfat nicht auch wieder Energie (sprich CO2) aufgewendet werden muss."
Es ist die Zweite Reaktionsgleichung. In dem Falle würde reines Eisen in verdünnter Schwefelsäure (konzentrierte löst keine Eisen auf) gelöst und dabei Wasserstoff frei werden. Eine weitere Möglichekit ist:
Fe2O3 + 3 H2SO4 == Fe2(SO4)3 + 3 H2O also
reines Eisenoxid + Schwefelsäure ergibt Eisensulfat + Wasser; aber bei beiden Reaktionen wird keine Energie benötigt, sondern es wird Reaktionsenergie frei.
Gruß Kuni
zum Thema Rentensystem: Ich hoffte wenigstens in diesem Forum nicht an jede ironisch gemeinte Aussage ein ;-) hängen zu müssen, damit das jemand mitbekommt...
zum Thema Wo kommt das Eisen her: ich glaube kleiner Fisch wollte wissen,
ob bei der Herstellung von Eisensulfat nicht auch wieder Energie (sprich CO2) aufgewendet werden muss.
Können sie lieber Kuni uns dahingehend auch aufschlauen? Das würde mich nämlich auch interessieren!
Freundliche Grüße
WB
Wir schaffen es bestimmt noch durch Terra-Forming und Geo-Engineering aus unserer Weltkugel eine Scheibe zu machen. Dann sind wir alle dort, wo viele heute schon sind.
Wir haben bereits Geo-Engineering. Wir (6,75 Milliarden Menschen) bauen Städte und Straßen, wir bauen Autos und Fabriken, wir verbrennen Holz, Kohle und Öl. Wir haben die Erde bereits stark umgestaltet, wir sind bereits Geoingenieure.
Wir können nicht mehr zurück zu Pferdekutsche und Heugabel. Wir müssen aber unbedingt zurück zu einem Gleichgewicht aller geologischen, biologischen und technologischen Aktivitäten.
Aber wir können das nicht dadurch, dass einige Ingenieure an irgendwelchen Schrauben drehen, sondern dadurch, dass wir mit allen 7, 8 oder 9 Milliarden Menschen eine Weltinfrastruktur schaffen:
- eine Infrastruktur des Verkehrs (z.B. Warenströme in Tunnels)
- eine Infrastruktur des Wasserhaushalts (Bewässerung) und der Luft (Bewölkung. Mikroklima).
- eine Infrastruktur der Photosnynthese mit einer neuen Landwirtschaft. Da Humus sehr viel C speichert und die Grundlage für weitere Biomasse (Pflanzen, Bäume) ist, wird es nötig sein, das Prinzip "unused land - unused hand" umzusetzen. Klima-Farmer züchten Algen, die Öl und Nahrung produzieren. Übrigens könnte man auch aus dem vorhanden Erdöl (z.B aus Alkanen oder Paraffinen) in Fermentern Biomasse erzeugen. Oder mit H2-Bakterien, die auch in unterirdischen Fermentern CO2 binden können, z.B. mit solar erzeugtem H2.
(Vielleicht hilft uns ja die fünfte, sechste und siebte Dimension dabei, falls es sie gibt. Oder der liebe Gott macht uns kreativ und ganzheitlich zugleich.)
Paging