"Ob die Deutschen mitmachen oder nicht, spielt keine Rolle", sagt Manfred Kern, Leiter Internationale Geschäftsbeziehungen der Bayer CropScience AG. Als "Luxusdiskussion" bezeichnet Westhoff den Streit, der in Europa um die Pflanzen geführt wird. "Niemand sagt, dass Gentechnik die allein heilbringende Lösung ist", sagt Bernd Müller-Röber vom Max-Planck-Institut für molekulare Pflanzenphysiologie, "es ist aber glasklar, dass sie eine nützliche Methode ist."

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Die Kritik beziehe sich immer nur auf ganz wenige Anwendungen, kritisiert der Molekularbiologe die Gegner. "Sie gehen nie auf die Möglichkeiten ein, an denen heute gearbeitet wird."

Herbizidtoleranz und Insektenresistenz markieren den Stand der Technik. Dazu müssen jeweils einzelne Gene übertragen werden, eine vergleichsweise einfache Aufgabe im Vergleich zu dem Vorhaben, eine Pflanze für Trockenheit oder Nährstoffmangel fit zu machen.

Die derzeit auf dem Markt erhältlichen transgenen Pflanzen hält auch Müller-Röber für unbefriedigend. In den Laboren stünden allerdings bereits Sorten, die Trockenheit besser ertragen. Er hält diese für vielversprechende Ansätze, um endlich die alten Versprechen der Gentechnik einzulösen. Nicht die Technik bereite die Probleme, sagt er, "sondern der Zweck zu dem sie eingesetzt wird." Dem pflichtet Herren bei: "Es gibt keine pauschale Antwort auf die Sicherheitsfrage."

Und auch ohne Gentechnik ist die Pflanzenzucht nicht immer harmlos. Erst im Januar meldete BASF, in Zusammenarbeit mit dem kalifornischen Pflanzenzuchtunternehmen Cibus eine Rapssorte entwickelt zu haben, die auch ohne Einschleusung fremder Gene resistent ist gegen die Klasse der sogenannten Imidazolinon-Herbizide. Schon in wenigen Jahren will der deutsche Chemiekonzern entsprechendes Saatgut auf den Markt bringen, das gemäß der gängigen Definition als gentechnikfrei deklariert wäre.

Und dennoch könnte der Schaden für die Umwelt beträchtlich sein, wie eine australische Untersuchung gezeigt hat. Demnach verbleiben die Imidazolinon-Herbizide sehr lange im Boden, was einen Folgeanbau mit nicht resistenten Pflanzen erschwert.

Um die Pflanzenzucht voranzutreiben, werde man verschiedenen Ansätze kombinieren müssen, sagt Müller-Röber und Peter Westhoff pflichtet ihm mit Blick auf den Turboreis bei: "Mit Gentechnik allein werden wir das Ziel nicht erreichen." Um die Pflanzen auf die Anforderungen der Zukunft vorzubereiten, müssten alle Möglichkeiten genutzt werden, sagt auch Hans Herren.

Es wäre "fahrlässig" dabei auf die Chancen der Gentechnik zu verzichten, "die Forschung sollte weiter gehen". Allerdings gehöre sie in die öffentliche Hand. "Nahrung ist ein Menschenrecht" und dürfe deshalb nicht von Unternehmen monopolisiert werden.

"Theoretisch kann die Gentechnik von Nutzen sein, um die wichtigsten Nahrungspflanzen an den raschen Klimawandel anzupassen", sagt Tim Lang. "Ich bin gespannt, was eine demokratisch entwickelte und kontrollierte Gentechnik zu leisten vermag."

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  1. Uneingelöste Versprechen
  2. Sie lesen jetzt "Keine pauschale Antwort auf die Sicherheitsfrage"
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(SZ vom 21.04.2009/beu)