Mit dem Logo "Ohne Gentechnik" will Agrarministerin Aigner mehr Transparenz für Lebensmittel erreichen. Doch "ein bisschen Gentechnik" bleibt erlaubt.
Kürzlich bekam die Molkerei Weihenstephan in Freising ungebetenen Besuch von Umweltschützern. Auf das Firmenschild klebten sie die fiktive Anschrift "Gen-Milchstraße 1", daneben betonierten sie einen Briefkasten in die Erde, gefüllt mit Protestschreiben. Es ging um das Kuhfutter. Die Tiere sollten nicht länger gentechnisch veränderte Pflanzen zu fressen bekommen, forderten die Aktivisten, und die Molkerei müsse ihre Produkte fortan mit dem Logo "Ohne Gentechnik" kennzeichnen. Die Polizei rückte an und trug die Demonstranten weg.
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Im Verborgenen tobt seit Monaten ein Kräftemessen: Mit mehr oder minder großem Druck wollen Umweltschützer das Symbol "Ohne Gentechnik" in die Supermärkte bringen. Schon seit Mai 2008 ist es gesetzlich eingeführt, doch die Lebensmittelhersteller und Handelsketten ignorieren es nach Kräften. Erst etwa 20 Firmen haben ihre Produkte als gentechnikfrei gekennzeichnet, jede mit einem anderen Logo.
Um diesen Wirrwarr zu beenden und den Druck auf die Wirtschaft zu erhöhen, hat Agrarministerin Ilse Aigner (CSU) am Montag in München ein grünes Signet mit einer stilisierten Pflanze präsentiert. Das einheitliche Symbol soll es Verbrauchern nun "einfacher machen, sich für Lebensmittel ohne Gentechnik zu entscheiden", sagte sie.
Wie sehr die Deutschen gentechnisch veränderte Nahrungsmittel ablehnen, zeigten sie schon vor zehn Jahren. Spektakulär scheiterte der Nestlé-Schokoriegel Butterfinger, hergestellt aus manipuliertem Mais - kaum jemand wollte ihn kaufen. Seither gibt es hierzulande praktisch keine Lebensmittel aus gentechnisch veränderten Zutaten. Sie müssten laut EU-Recht auch eindeutig gekennzeichnet werden.
Anders ist das beim Futter: Viele Rinder, Schweine, Hühner oder Kühe werden seit Jahren mit manipulierten Pflanzen gefüttert, von den Verbrauchern weitgehend unbemerkt. Denn Eier, Fleisch oder Milch dieser Tiere müssen nicht mit dem negativ besetzten Hinweis auf Gentechnik verkauft werden. Umweltschützer stört das gewaltig. Für unser Vieh werde der Urwald in Südamerika abgeholzt und im großen Stil durch gentechnisch veränderte Sojapflanzen ersetzt, bemängeln sie.
Ein "Schlupfloch" nennt Ernährungsexperte Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg die Gentechnik im Tierfutter. Von verunsicherten Verbrauchern wird er immer wieder darauf angesprochen. Das einheitliche Logo könnte nun Klarheit bringen, sagt Valet. "Jetzt müssen die Anbieter Farbe bekennen." Wer es künftig nicht auf seine Produkte drucke, erwecke Misstrauen.
Im Agrarministerium wundern sich Experten, warum der Widerstand der Lebensmittelindustrie gegen das Logo "so fanatisch ist". Die Firmen fürchten vor allem, dass das neue Signet alle Lebensmittel, die es nicht tragen, zu Gentechnik-Kost stempele. Außerdem, so bemängelt der Branchenverband BLL, habe die Kennzeichnung ein Glaubwürdigkeitsdefizit. "Ein bisschen Gentechnik" im Futter sei nämlich weiter erlaubt: Vitamine und Enzyme zum Beispiel, die mit gentechnisch veränderten Mikroorganismen hergestellt werden. Im Ministerium vermutet man indes, dass die Industrie vor allem die Kosten der Umstellung scheut.
Im Herbst soll das neue Logo in die Supermärkte kommen. Ein neuer Verein aus der Wirtschaft soll es vergeben, die Länder sollen kontrollieren. Dann wird sich zeigen, ob die Verbraucher ihre Macht nutzen und die Industrie ein weiteres Mal in die Pflicht nehmen. So wie damals, beim Butterfinger.
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(SZ vom 11.08.2009/beu)
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...das ganze Theater ist ein Zeichen dafür, dass der Biologieunterricht in Deutschland sinnlos ist, weil offensichtlich keiner das Grundlegende mitbekommt:
Alleine eine FDP-Expertin hat ein bißchen eine ahnung von was hier eigentlich gesprochen wird (Zitat aus der "Welt", da die SZ so eine Sichtweise ja garnicht mehr darstellt):
...Für die FDP-Politikerin Christel Happach-Kasan ist das Aigner-Logo schlicht Verbrauchertäuschung. Gentechnikfrei heißt nicht, dass Produkte mit diesem Kennzeichen ohne Gentechnik hergestellt wurden, sagt sie mit Hinweis auf die Aminosäuren und andere gentechnisch erzeugte Zusatzstoffe, die bei der Erzeugung angeblich gentechnikfreier Erzeugnisse wie Milch, Käse und Fleisch zum Einsatz kommen.
Für Happach-Kasan ist das Logo grundsätzlich unsinnig, denn unabhängig davon, welches Futter die Tiere erhalten, seien ohnehin keine gentechnisch veränderten Bestandteile in Milch, Käse oder Fleisch vorhanden. Die Äußerung der Ministerin, sagt sie, das Logo stelle sicher, dass keine gentechnisch veränderten Bestandteile im Endprodukt vorhanden seien, ist damit Augenwischerei.
...darum hat sich das Ministerium zu kümmern. Aber solange die Lebensmittelindustrie in Richtung Mosanto zugelassen wird sehe ich nur Wahlwerbung.
"Dann wird sich zeigen, ob die Verbraucher ihre Macht nutzen und die Industrie ein weiteres Mal in die Pflicht nehmen." zu erst mal, nutzt die Regierung Ihre Macht, nämlich in dem Sie die Industrie unter Druck setzt und den Verbrauchern mitteilen will, dass es für Lebensmittelproduzenten so einfach wäre, dieses Label zu nutzen, ich hoffe die Verbraucher nutzen ihre Macht auch, wenn sie sehen, dass die Produkte mit dem Label, aufgrund des immensen Kostendrucks und damit verbundener Mehrkosten von genfreien Futtermitteln, dann auch 50% mehr kosten
..tja aber so einfach ist es mit dem Label nämlich nicht und zwar nicht deshalb, weil hier irgendjemand den Verbraucher betrügen will, sondern, weil kaum ein Lieferant in der EU, aus Asien und Amerika sowieso überhaupt nicht!, garantieren kann, dass seine Rohstoffe/Erzeugnisse genfrei sind, aufgrund Kreuzkontamination etc.
wir können ja auch zurück zur Urproduktion, zu Bauernhöfen mit historischem Ackerbau und Viehzucht, dann ist alles wunderbar grün, Bio und Genfrei, dass die Kosten für Lebensmittel dann wieder um 100% steigen, sollte allen auch klar sein, aber was tut man nicht alles für seine Überzeugung oder ist es einfach nur Unwissenheit?
Label hin oder her, die grüne Gentechnik wird sich durchsetzen - wenn Ihre Produkte den Lebensmittelproduzenten echte Vorteile bringen. Mit Hilfe rekombinanter Mikroorganismen oder Zellkulturen - d.h. gentechnisch - hergestellte Medikamente sind seit Ende der 80er Jahre Alltag; ihre Entwicklung geht inzwischen in die vierte Generation. Das Gleiche gilt - schon länger - für die im Artikel erwähnten Vitamine und rekombinanten Enzyme für technologische Anwendungen aller Art, einschließlich der Lebensmitteltechnologie. Genauso werden sich gentechnische Methoden in der Landwirtschaft und Lebensmitteltechnologie auf Dauer durchsetzen, wenn sie echte Kosten- und Produktivitätsvorteile bringen.
Label sind immer gut, wenn klar ist, was sie labeln, damit dem Verbraucher die Möglichkeit gegeben wird, zu sehen, was er/sie kauft oder eben auch nicht, aber wer der Meinung ist, sich grundsätzlich zu gut für die Erzeugnisse der industriellen Landwirtschaft und Veredelung einschließlich gentechnisch veränderter Produkte zu sein, muss eben zu handgepäppelten Luxusprodukten greifen oder zum Hofladen von seinem lokalen Biobauern gehen. Zu hoch prozessierten Erzeugnissen wie der TK-Fertigpizza, dem Schokoriegel oder der Covenience-Soße darf man dann eben einfach nicht greifen.
die Gen-Manipulations-Lobby nicht ruhen wird, bis das "bisschen Gentechnik" so verwaschen wird, bis selbst US-Gen-Mais und Dooly, das Klon- Schaf, das Label bekommen? Die Klagen vor dem EU-Gerichtshof wegen "Wettbewerbsverzerrung" und die Erpressungen der USA sind doch vorhersehbar, ebenso wie deren Ergebnis - noch 'n Siegel (ohne Wert).
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