Gentechnik Die Superbanane

Wissenschaftler haben eine Banane gentechnisch so verändert, dass sie dem Körper viel Vitamin A liefert. Millionen Menschen könnten von der aufgemotzten Frucht profitieren - sofern sie jemals angepflanzt wird.

Von Kathrin Zinkant

Der Begriff des "genmanipulierten" Lebensmittels provoziert in Deutschland meist Ablehnung oder sogar Abscheu. Was aber, wenn es um das Wohl von Kindern in den Entwicklungsländern geht? Zumindest Forscher denken da oft, sie hätten keine andere Wahl, als in den biotechnologischen Werkzeugkasten zu greifen.

Das jüngste Produkt dieser Bemühungen wird nun sechs Wochen lang an Menschen getestet. Mit Unterstützung der Bill & Melinda Gates Stiftung haben Wissenschaftler eine afrikanische Kochbanane entwickelt, die große Mengen von gelb-orangem Betacarotin enthält, einem Provitamin, das der Körper in Vitamin A umwandelt. Normale Kochbananen sind nahrhaft, enthalten aber nur wenig Betacarotin. Erst mit weiteren Genen anderer Bananen gelang es James Dale von der Technischen Universität in Queensland, Australien, die blasse Frucht in eine Superbanane zu verwandeln. Die Tests werden zeigen, wie das zusätzliche Provitamin vom Körper aufgenommen wird. Falls die Vitamin-A-Versorgung durch die Pflanze verbessert werden kann, soll sie von 2020 an in Uganda angebaut werden. Kochbananen sind in dem Land die wichtigste Ackerfrucht, nirgends auf der Welt wird mehr davon geerntet.

Zugleich gehört Uganda zu den Vitamin-A-Mangelgebieten der Erde. Betroffen sind vor allem die Jüngsten. Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation leiden 250 Millionen Schulkinder weltweit an einem Vitamin-A-Mangel. Mindestens 350 000 von ihnen erblinden, fast doppelt so viele sterben jedes Jahr. Die "Superbanane" oder auch "Goldene Banane" ist deshalb nicht der erste Versuch, durch genetisch veränderte Feldfrüchte Kinderleben zu retten. Es gibt den Goldenen Mais, goldene Süßkartoffeln, rotes Palmöl. Am bekanntesten dürfte der "Goldene Reis" sein. Vor 14 Jahren stellten Forscher ihn vor, längst sollte das Gentech-Getreide große Flächen in Südostasien bewachsen.

Wer aber den Reis auf den Feldern sucht, ist lange unterwegs. Nur die Philippinen und Bangladesch haben sich auf Freilandversuche eingelassen, die dann von Gentechnik-Gegnern zerstört oder bedroht wurden. Und das ist nicht der einzige Widerstand. Selbst Forscher warnen vor theoretischen Überdosierungen an Vitamin A, dem Auslaugen der Reisfelder, der Ablenkung von den allgemeinen Ernährungsproblemen und deren Ursachen. Noch immer ist nicht absehbar, ob Asiens Kinder jemals gelbe Reiskörner in ihren Schüsseln finden werden. Sterben aber tun sie weiterhin.

Rückschläge rauben dem Australier Dale nicht den Optimismus. "Golden Rice war bahnbrechend für uns", sagt er. "Eines Tages wird dieser Reis verfügbar sein und die Last des Vitamin-A-Mangels schultern helfen." Immerhin weiß der Forscher die Regierung in Kampala auf seiner Seite. "Die Nationale Forschungsorganisation wird das Projekt selbst umsetzen. Wir steuern nur die technische Hilfe bei", sagt der Biotechnologe. Erste Feldversuche in Afrika laufen seit drei Jahren. Dale zählt zudem auf die Empathie der Menschen. Genetisch veränderte Pflanzen seien nicht der Feind. "Ich glaube fest daran, dass das Mitgefühl für die Ärmsten der Armen auf dieser Welt die Oberhand gewinnt."