Gene Editing Schnitt ins Erbgut gegen Krebs und Aids

Das Genome Editing erlaubt punktgenaue Veränderungen im Erbgut

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Gene Editing erlaubt vererbbare Veränderungen am Erbgut des Menschen. Selbstkontrolle von Forschern reicht in diesem Fall nicht.

Kommentar von Kathrin Zinkant

Acht Monate hat es gedauert, bis der Deutsche Ethikrat in Berlin doch noch eingangen ist auf das heiße Thema Genome Editing. Am vergangenen Donnerstag wurden dem heiklen Verfahren erstmals zwei kurze Vorträge gewidmet. Die drängendste Frage aber fehlte wieder: Wollen wir - und wie wollen wir - den genetischen Bauplan der menschlichen Spezies verändern?

Dabei diskutieren bereits Wissenschaftler, Politiker und Ethiker weltweit darüber - seit eine Gruppe von Forschern im März ein Moratorium gefordert hatte. Im Zentrum steht eine neue, effiziente Methode des Genome Editing, die buchstabengenaue Veränderungen im Erbgut von Lebewesen erlaubt. Auch des Menschen. Erstmals sind absehbar sogar erbliche Veränderungen möglich - durch die Manipulation von Eizellen, Spermien oder Embryos, der sogenannten "Keimbahn". Wer in dieser Keimbahn etwas ändert, ändert es für alle Nachfahren. Es wäre ein Eingriff in die Evolution. Darüber, so fanden die Forscher, müsse die Gesellschaft sprechen.

Deutschland hat die Debatte verschlafen

Es ist seither in vielen Foren gerungen worden, in der vergangenen Woche traf man sich sogar zu einem internationalen Gipfel in Washington - um zu klären, wie man Forschungsfeld und Menschheit vor den vorläufigen Macken der Technik schützt. Und wie man trotzdem die Chancen wahrt, die ein Griff ins menschliche Genom eines Tages mit sich brächte. Erbliche Leiden, Krankheiten wie Aids und Krebs könnten womöglich ausgerottet werden. Sollte man das versuchen? Wann und wie? Diese Fragen gehen nicht nur die Wissenschaft an. Doch ausgerechnet Deutschland, wo die Ethik von Embryonenschutz bis Sterbehilfe stets große Beachtung findet, hat die Debatte verschlafen. Warum? Ging es zu schnell? Hat man das Thema schlichtweg unterschätzt?

Fest steht: Während im Ethikrat am Donnerstag über Menschenrechte, klinische Studien und ein wenig über das Genome Editing von Blutzellen gesprochen wurde, fällten Forscher auf dem Human Gene Editing Summit in Washington eine Entscheidung. Gegen ein Moratorium. Für eine Stellungnahme, die Verantwortungsbewusstsein suggeriert: Die Geburt von editierten Babys schließt man vorerst aus. Experimente an Keimzellen und Embryos soll es aber - anders als im März gefordert - geben. Es gibt sie eh schon, in China und Großbritannien. Und rechtlich bindend ist das alles ohnehin nicht. Es bleibt Vertrauenssache - in einem Feld, das sich durch den Publikationsdruck stark verändert. Für Ethik und Ehre ist da nicht mehr viel Platz. Gerade deshalb sollte man sich nicht drauf verlassen. Eine Debatte ergibt noch immer Sinn. Sie muss nur endlich geführt werden.