Plump gefälschte Medikamente lassen sich erkennen: Allein die Prosa deutscher Packungsbeilagen ist schwer zu imitieren, ganz zu schweigen von der Prägung der Tabletten.
Das Blau war nicht richtig getroffen. Größe und Form stimmten auch nicht, und der Namenszug war nicht annähernd dem Original nachempfunden. "Ich habe mal eine Viagra-Fälschung auf einer Tagung gesehen, das war eine grottenschlechte Karikatur", sagt Bernd Mühlbauer, Chef der Pharmakologie am Klinikum Bremen. "Wahrscheinlich hätte jeder Laie sofort erkannt, dass er hier einem Betrug aufgesessen wäre."
Viagra wird besonders gern gefälscht. (© Foto: dpa)
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Experten raten, gut hinzuschauen und fragwürdige Angebote skeptisch zu prüfen, um vor Fälschungen geschützt zu sein. "Die Prägung auf Tabletten ist nicht leicht nachzumachen, die sollte man genau ansehen", empfiehlt Mühlbauer. "Ich bezweifele auch, dass ein Fälscher die Prosa deutscher Packungsbeilagen hinbekommt. Bei der kleinen Gewinnspanne ist der Aufwand zu groß."
Wenn Patienten Medikamente schon länger nehmen, aber auf andere Weise bestellen wollen, ist es hilfreich, ein paar der alten Tabletten zu behalten, um sie mit den neuen vergleichen zu können. "Ist die Größe verändert, muss das Medikament auch anders heißen", sagt Mühlbauer. "Ist das nicht der Fall, sollte man argwöhnisch werden." Der Pharmakologe, der auch im Vorstand der Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft aktiv ist, warnt davor, Gefahren der Manipulation zu verharmlosen: "Dass ein Mittel gefälscht ist, heißt ja nicht nur, dass es wahrscheinlich nicht wirkt - durch neue Beimischungen kann es womöglich gefährlich werden."
Absolute Sicherheit gibt es nicht
Manchmal können allerdings sogar Experten Fälschungen nicht vom Original unterscheiden. Die Veränderungen werden immer professioneller. In einigen Fällen können nur fälschungssichere Siegel und ein Barcode auf der Verpackung, mit dem sich jede Tablettenschachtel zweifelsfrei bis zum Hersteller zurückverfolgen lässt, die Verbraucher schützen. Während in Deutschland Fälschungen hauptsächlich bestimmte Mittel betreffen wie Potenzpillen, Anabolika oder Haarwuchspräparate, werden in Afrika oder Asien auch lebenswichtige Medikamente wie Antibiotika oder Malariamittel imitiert und verfälscht.
"In einer Apotheke in Deutschland käme ich nie auf den Gedanken, gefälschte Medikamente zu bekommen", sagt Mühlbauer. Beim Kauf im Internet empfiehlt der Bundesverband Deutscher Versandapotheker hingegen, genau das Impressum zu studieren. Dort sollte der haftende Apotheker namentlich genannt sein, zudem der Sitz der Einrichtung und die zuständige Landesapothekerkammer.
Absolute Sicherheit gibt es aber nicht mal bei Bestellungen aus der Apotheke. Im Frühjahr 2008 starben weltweit mindestens 81 Patienten, nachdem sie ein Heparin der Firma Baxter gespritzt bekommen hatten. Der Blutverdünner wird aus Schweinedarm gewonnen. Baxter bezog den Heparin-Rohstoff aus dem südchinesischen Changzhou. In dieser Region sind mehr als 30 Firmen ansässig, die Heparine rund um den Globus verkaufen. Die Chargen waren mit einem billigeren Stoff gestreckt und lösten allergische Schocks am anderen Ende der Welt aus.
(SZ vom 08.12.2009/beu)